
Wenn die Katze leckt: Studie entzaubert Mythos der sozialen Fellpflege
Eine neue Untersuchung zeigt, dass gegenseitiges Putzen bei Hauskatzen nicht nur Zuneigung, sondern auch Konfliktvermeidung signalisieren kann – und ordnet das Verhalten in ein breiteres Bild saisonaler Gesundheitsrisiken für Haustiere ein.
Die Annahme, dass sich Hauskatzen vor allem aus Zuneigung gegenseitig lecken, wird durch eine neue Studie relativiert. Forscher der Universität Gent und der University of Lincoln haben in 53 Mehrkatzenhaushalten das als Allogrooming bezeichnete Verhalten gefilmt und ausgewertet. Die im Fachblatt Applied Animal Behaviour Science veröffentlichte Beobachtungsstudie kommt zu dem Schluss, dass die soziale Fellpflege mehrere Funktionen erfüllt: Sie kann Bindungen stärken, der Hygiene dienen oder Entspannung fördern – sie kann aber auch ein Signal sein, um Konflikte zu vermeiden oder passiv-aggressive Botschaften zu übermitteln. Entscheidend ist der Kontext: Synchronisierte Körperhaltungen wie gemeinsames Liegen deuten auf eine positive Situation hin, während abgeflachte Ohren, Wegdrehen oder Stresssignale wie Gähnen und Lippenlecken auf eine unerwünschte Interaktion hinweisen.
Die Ergebnisse ergänzen ein wachsendes Verständnis dafür, dass Fress- und Kontaktverhalten bei Haustieren oft fehlinterpretiert wird. Eine brasilianische Veterinärmedizinerin erläutert, dass die vermeintliche Futterbettelei von Hunden und Katzen nicht zwingend Hunger anzeigt, sondern häufig erlerntes Verhalten oder ein Ausdruck von Langeweile ist. Ein einfacher Test – bietet man dem Tier stattdessen Spiel oder Zuwendung an – kann die Motivation offenlegen. Auch bei als besonders verschmust geltenden Katzen, die in spanischen Veterinärkreisen als „Human Cats“ beschrieben werden, ist das ständige Suchen nach Nähe oft ein Zeichen von Abhängigkeit, das mit mehreren kurzen Spieleinheiten über den Tag hinweg aufgefangen werden sollte, um Stress und unerwünschtes Verhalten zu reduzieren.
Parallel dazu warnen tiermedizinische Quellen aus verschiedenen Regionen vor saisonalen Gesundheitsgefahren. Aus Mexiko wird auf die Risiken der Regenzeit hingewiesen: Feuchtigkeit begünstigt Parasiten, und stehendes Wasser kann bakterielle Infektionen verursachen. Russische Tierärzte betonen die Gefahr von Hitzestau bei Hunden und Katzen in der Wohnung – besonders betroffen sind langhaarige Rassen, brachyzephale Tiere und solche mit Herzproblemen. Als Gegenmaßnahmen werden mehrere Wassernäpfe, Kühlmatten und die Verlagerung der Fütterung in die kühleren Morgen- und Abendstunden empfohlen. Auch das exzessive Lecken der Pfoten, das in einem spanischen Beitrag als Warnsignal für Allergien, Infektionen oder Hyperkeratose beschrieben wird, kann sich in feuchtwarmen Perioden verstärken.
Die Befunde aus der Verhaltensforschung und der klinischen Praxis laufen auf eine gemeinsame Empfehlung hinaus: Tierhalter sollten einzelne Signale nicht isoliert bewerten, sondern das gesamte Ausdrucksverhalten sowie jahreszeitliche Umwelteinflüsse einbeziehen. Die Autoren der Allogrooming-Studie betonen, dass weitere Forschung nötig ist, um die postulierten Funktionen zu bestätigen und sozialen Stress in Mehrkatzenhaushalten frühzeitig zu erkennen und zu entschärfen. Der nächste greifbare Schritt ist die Integration solcher Erkenntnisse in tierärztliche Beratungsleitfäden, die über die reine Symptombehandlung hinausgehen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Mit dem Sommer sollten Tierhalter auf Anzeichen wie übermäßiges Pfotenlecken oder Appetitveränderungen achten, die auf Gesundheitsprobleme hinweisen können. Besonders anhängliche Katzen brauchen möglicherweise mehr Spiel und stabile Routinen, um Stress zu vermeiden. Der Schutz der Tiere während der Regenzeit ist wichtig, um Krankheiten vorzubeugen.
Um Gesundheitsrisiken im Sommer zu senken, empfiehlt die WHO Händewaschen, sichere Lebensmittelzubereitung und Schutz vor Insekten- und Zeckenstichen. Für Haustiere in der Wohnung sollte man kühles Wasser bereitstellen, eine angenehme Temperatur halten und auf Anzeichen von Überhitzung achten, besonders bei langhaarigen, brachyzephalen oder älteren Tieren.
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