
Weltweit rüsten sich Staaten für einen möglichen „Super El Niño“ Ende 2026
Meteorologen und UN-Organisationen warnen vor einem extremen El Niño, der Dürren, Überschwemmungen und Hitzerekorde bringen könnte – Behörden in Lateinamerika mobilisieren bereits Ressourcen.
Die Anzeichen verdichten sich, dass sich im zweiten Halbjahr 2026 ein El-Niño-Ereignis von außergewöhnlicher Intensität aufbauen wird. Die US-Klimabehörde NOAA beziffert die Wahrscheinlichkeit für einen sehr starken El Niño von November bis Januar auf 63 Prozent, womit das Phänomen zu den stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1950 zählen könnte. Parallel dazu beobachtet der brasilianische Wetterdienst Metsul eine neue Hitzewelle im Pazifik, die fernab der Küste das Oberflächenwasser weiter aufheizt und den Trend zu einem sogenannten „Super El Niño“ verstärkt – einer Kategorie, die bislang nur den Episoden 1982/83, 1997/98 und 2015/16 vorbehalten war. Angesichts dieser Prognosen haben die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und das Welternährungsprogramm (WFP) gemeinsam zu zusätzlichen Finanzmitteln aufgerufen, um humanitäre Folgen abzufedern.
In Lateinamerika treffen die Warnungen auf sehr unterschiedliche regionale Vorbereitungen. Mexiko erwartet eine Kombination aus der alljährlichen Canícula – einer ohnehin niederschlagsarmen Hitzeperiode – und dem El-Niño-Effekt, was nach Einschätzung des nationalen Wetterdienstes zu den extremsten Temperaturen des Jahrzehnts führen könnte. In Argentinien wiederum richtet sich der Blick vor allem auf die Cuenca del Plata: Das Institut für Agrartechnologie (INTA) sieht in den erhöhten Niederschlagswahrscheinlichkeiten eine Chance für bessere Ernteerträge, warnt jedoch zugleich vor ungeplanten Überschwemmungen und Staunässe, die binnen kurzer Zeit produktive Flächen schädigen können. Pablo Mercuri, Direktor des INTA-Forschungszentrums für natürliche Ressourcen, spricht von einer „Gelegenheit, gute Entscheidungen zu treffen“ – ein Hinweis darauf, dass die Vorhersagbarkeit des Phänomens diesmal frühzeitige Anpassungen erlaubt.
Besonders entschlossen zeigt sich die brasilianische Regierung. Sie hat einen interministeriellen Krisenstab unter Leitung des Präsidialamts eingerichtet, an dem 20 Ministerien beteiligt sind. Integrationsminister Waldez Góes betonte, das Land sei „dauerhaft vorbereitet“, die Struktur diene jedoch dazu, Maßnahmen gegen mögliche Katastrophen zentral zu bündeln. In der Region Campinas im Bundesstaat São Paulo veranschaulicht die Forscherin Ana Ávila von der Universität Campinas die differenzierte Wirkung: Das Gebiet liegt in einer Übergangszone, nördlich davon drohen Trockenheit und extreme Hitze, südlich davon überdurchschnittliche Regenfälle. Für Campinas selbst bedeute dies eine doppelte Belastung – Hitzewellen mit Gesundheitsrisiken und steigenden Stromkosten durch Klimaanlagen einerseits, lokale Überflutungen andererseits.
In Kolumbien aktivieren derweil die Behörden des Departements Norte de Santander ihre Katastrophenschutzpläne. Sie drängen die Gemeinden, Vereinbarungen mit den Feuerwehren zu treffen, und appellieren an die Bevölkerung, sogenannte kontrollierte Brände zu unterlassen, die sich oft zu Waldbränden ausweiten. Die Aufrufe zu Hydratation und zur Vermeidung von Abfällen in der Landschaft zeigen, dass auch auf lokaler Ebene die Sensibilität für das Zusammenspiel von natürlicher Variabilität und menschlichem Verhalten wächst. Während sich das Phänomen erst in seiner Anfangsphase befindet, wird die kommende Saison zur Bewährungsprobe für Frühwarnsysteme und grenzüberschreitende Koordination – und zur Erinnerung daran, dass ein „Super El Niño“ weit über den Pazifik hinaus wirtschaftliche und soziale Gefüge erschüttern kann.
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