
Venezuela sechs Monate nach der US-Intervention: Regierung spricht von richtigem Weg, Bevölkerung hadert mit der Not
Während Interimspräsidentin Delcy Rodríguez den diplomatischen Kurs lobt und Washington wirtschaftliche Erfolge vermeldet, bleibt der Alltag für die meisten Venezolaner von Inflation und Armut geprägt.
Ein halbes Jahr nach der US-Militäroperation, die zur Festnahme von Nicolás Maduro führte, hat die venezolanische Interimspräsidentin Delcy Rodríguez den eingeschlagenen Kurs als „richtigen Weg“ bezeichnet. Bei einer Gedenkveranstaltung in Caracas betonte sie, die Regierung habe Kontroversen über diplomatische Kanäle beigelegt und so Frieden, Souveränität und Unabhängigkeit gesichert. Aus Washingtoner Sicht hingegen wird das Land unter enger Aufsicht geführt: US-Außenminister Marco Rubio hatte unmittelbar nach der Intervention einen Drei-Stufen-Plan aus Stabilisierung, wirtschaftlicher Erholung und demokratischer Transition verkündet, dessen Prioritäten seither die politische Realität bestimmen.
Die erste Phase – Stabilisierung – wurde dem bestehenden Staatsapparat unter Rodríguez übertragen, der weiterhin Streitkräfte, Sicherheitsorgane und Justiz kontrolliert. Dies stieß in Oppositionskreisen auf Unmut, die sich einen rascheren demokratischen Wandel erhofft hatten. In der zweiten Phase, der wirtschaftlichen Erholung, setzt Washington auf eine Steigerung der Ölproduktion und den Wiederaufbau der Infrastruktur. Nach Angaben des US-Außenministeriums werden die venezolanischen Öleinnahmen derzeit von amerikanischen Behörden verwaltet. Gleichzeitig wurden Sanktionen gegen die Ölindustrie gelockert, um Handelsströme zu ermöglichen. Beobachter in der Region weisen darauf hin, dass diese Maßnahmen vorrangig geostrategischen Interessen der USA an einer stabilen Energieversorgung dienen.
Die dritte Phase – der Übergang zur Demokratie – bleibt dagegen vage. Aus Oppositionsperspektive hat Washington der demokratischen Erneuerung bislang keine konkreten Schritte folgen lassen. Stattdessen lobte Präsident Donald Trump wiederholt die Arbeit der Interimsregierung und bezeichnete Venezuela als „glückliches Land“. In Caracas wird dies als Zeichen gewertet, dass die USA vorerst auf Kontinuität setzen, solange die Öllieferungen gesichert sind und die Ordnung aufrechterhalten wird.
Für die Bevölkerung hat sich die wirtschaftliche Lage indes kaum verbessert. Laut einer Umfrage des Instituts AtlasIntel für Bloomberg News sank die Zustimmungsrate für Rodríguez im Mai auf 25 Prozent – der dritte monatliche Rückgang in Folge. Die jährliche Inflation liegt nach wie vor bei 524 Prozent, die Löhne verharren auf niedrigem Niveau, und der Bolívar verliert weiter an Wert. Auf dem informellen Devisenmarkt kostet ein Dollar ein Viertel mehr als zum offiziellen Kurs, was die Kapitalflucht befeuert. „Alles ist eine Lüge“, zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg einen Juwelier aus Los Teques. Aus dem US-Außenministerium heißt es, die wirtschaftliche Normalisierung benötige Zeit; die monatliche Inflationsrate im Mai sei die niedrigste seit 2024 gewesen. Wann die von Rubio in Aussicht gestellten Bedingungen für Neuwahlen geschaffen sein sollen, bleibt offen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Nach der Festnahme Maduros hat Venezuela den richtigen Weg eingeschlagen. Die Diplomatie hat es ermöglicht, internationale Streitigkeiten beizulegen und die innere Stabilität zu festigen. Die vergangenen sechs Monate sind eine positive Wende in der nationalen Politik.
Die USA üben eine eiserne Kontrolle über den venezolanischen Übergang aus, ignorieren die Diplomatie und zwingen eine demütigende Bevormundung auf. Trotz Trumps Verkündungen eines glücklichen Landes wächst die Unzufriedenheit in der Bevölkerung, weil die Öleinnahmen nicht bei den einfachen Leuten ankommen.
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