
Venedig plant drastische Erhöhung der Touristenabgabe – und im Iran wird Reisen zum Luxus
Während Venedig mit einer Eintrittstaxe von bis zu 50 Euro gegen Massentourismus vorgeht, steigen im Iran Bus-, Flug- und Ausreisepreise so stark, dass Reisen für viele unbezahlbar wird.
Der neu gewählte Bürgermeister Venedigs, Simone Venturini, hat angekündigt, die Eintrittstaxe für Tagestouristen an Tagen mit hohem Besucheraufkommen auf 30 bis 50 Euro anzuheben. Derzeit zahlen Kurzbesucher, die keine Übernachtung gebucht haben, je nach Vorlaufzeit 5 oder 10 Euro. Venturini, der das Amt Ende Mai von seinem Vorgänger Luigi Brugnaro übernahm und zuvor als Tourismusstadtrat die Abgabe mit einführte, begründet den Vorstoß mit der unzureichenden Lenkungswirkung des bisherigen Modells. „Das Eintrittsgeld ist derzeit das einzige wirksame Instrument, um die tägliche Besucherzahl zu kontrollieren“, wird er in der französischen Tageszeitung Le Figaro zitiert.
Zahlen der Stadtverwaltung, über die die italienische Nachrichtenagentur Mediaset berichtet, stützen diese Einschätzung. In den ersten 42 Tagen der diesjährigen Gebührenerhebung wurden 514.710 Beiträge entrichtet, davon 268.207 zum vollen Satz von 10 Euro und nur 245.503 zum ermäßigten Satz von 5 Euro. Die Preisdifferenzierung hat demnach kaum Anreize geschaffen, den Besuch vorauszuplanen oder auf weniger frequentierte Tage auszuweichen. Venedig empfängt jährlich zwischen 25 und 30 Millionen Besucher; die Einnahmen aus der Taxe – im ersten Jahr 2,4 Millionen Euro – sollen nach Angaben des Bürgermeisters in die Finanzierung kommunaler Dienstleistungen und den Unterhalt der auf dem Wasser errichteten Stadt fließen, deren Kosten jährlich über 100 Millionen Euro betragen.
Rechtlich ist der Spielraum der Kommune jedoch begrenzt. Die Obergrenze der Abgabe wird durch ein nationales Gesetz festgelegt, weshalb Venturini die Zustimmung der Regierung in Rom einholen muss. Der italienische Verfassungsrechtler Ludovico Mazzarolli äußerte im Corriere della Sera Bedenken, eine Gebühr von 50 Euro könne als Einschränkung der Freizügigkeit ausgelegt werden. Das Vorhaben zählt nach Angaben des Bürgermeisters zu den venezianischen Prioritäten, die er gegenüber der Zentralregierung vertreten will; ein konkreter Gesetzentwurf steht noch aus.
Während in Venedig der Preis gezielt als Steuerungsinstrument gegen Massentourismus eingesetzt werden soll, entwickelt sich in Iran das Reisen für breite Bevölkerungsschichten aus anderen Gründen zu einem Luxusgut. Wie die iranische Nachrichtenplattform Khabar Online meldet, sind die Preise für Überlandbusse – traditionell das günstigste Verkehrsmittel für Studenten und Geringverdiener – offiziell um 21 Prozent gestiegen. Der Vorsitzende des Busunternehmerverbands bestätigte die neuen Tarife: Die Strecke Teheran–Isfahan (rund 450 Kilometer) kostet nun zwischen 647.000 und 680.000 Toman, Teheran–Schiras etwa 1,39 Millionen Toman, und auf der Langstrecke Bandar Abbas–Rascht werden bis zu 2,8 Millionen Toman fällig. Gleichzeitig sind die Flugpreise stark gestiegen; für die Verbindung Teheran–Maschhad werden rund 5,5 Millionen Toman verlangt, sodass eine dreiköpfige Familie für Hin- und Rückflug mit Kosten von etwa 54 Millionen Toman rechnen muss.
Zusätzlich hat der iranische Gesetzgeber die Ausreisegebühr für Staatsbürger im Haushaltsgesetz für das Jahr 1405 (2026/2027) spürbar angehoben. Für die erste Auslandsreise steigt die Abgabe von 675.000 auf 900.000 Toman, für die zweite auf 1,5 Millionen und für die dritte und jede weitere auf 2,2 Millionen Toman. Ausgenommen sind lediglich Pilgerreisen nach Mekka, für die ermäßigte Sätze gelten. In der Summe führen Inflation, alternde Fahrzeugflotten und fiskalpolitische Entscheidungen dazu, dass Reisen – ob innerhalb des Landes oder ins Ausland – aus dem Konsumkorb der Mittelschicht zu verschwinden droht. Die venezianische Initiative und die iranische Preisentwicklung illustrieren, wie Kosten auf unterschiedliche Weise zu einem bestimmenden Faktor der Mobilität werden: hier als politisch gewollte Hürde, dort als unbeabsichtigte Folge wirtschaftlichen Drucks. Während die Taxerhöhung in Venedig noch der parlamentarischen Hürde in Rom bedarf, tritt die neue iranische Ausreisegebühr mit dem kommenden Haushaltsjahr in Kraft.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Der Bürgermeister von Venedig schlägt vor, die Eintrittsgebühr für Tagesbesucher an Spitzentagen auf bis zu 50 Euro anzuheben, da die derzeitige Gebühr von 5-10 Euro die Besucherzahlen nicht ausreichend gesenkt habe. Daten zeigen, dass weniger als die Hälfte den ermäßigten Tarif im Voraus gebucht hat, und die Verwaltung betrachtet das Ticket als einziges wirksames Instrument zur Steuerung der täglichen Ankünfte. Der Antrag an die nationale Regierung zielt darauf ab, die Stadt vor Overtourism zu schützen.
Explodierende Bus- und Flugpreise machen Reisen für die iranische Mittelschicht unerschwinglich: Intercity-Bustickets kosten jetzt Millionen Toman, Kurzstreckenflüge erreichen 54 Millionen. Gleichzeitig hat die Regierung die Ausreisesteuer für ausländische Reisende erhöht, die Gebühr für die erste Ausreise stieg auf 900.000 Toman, für weitere Reisen noch höher. Diese Erhöhungen werden als neuer Schock dargestellt, der einfache Iraner und Besucher weiter von bezahlbarer Mobilität abschneidet.
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