
Das Summen der Freiheit: 25.000 Vespen feiern in Rom ihren 80. Geburtstag
Zehntausende Enthusiasten aus aller Welt pilgerten mit ihren Motorrollern nach Rom, um den 80. Jahrestag einer Designikone zu feiern, die aus der Nachkriegsnot geboren wurde und längst zum globalen Symbol für Dolce Vita geworden ist.
Es war ein Geräusch, das Rom an diesem Samstagmorgen in eine andere Zeit versetzte: kein Hupen, kein Dröhnen, sondern ein vieltausendfaches, hohes Knattern, das sich vom Startpunkt an den Caracalla-Thermen ausbreitete. In der gleißenden Junisonne standen sie dicht an dicht, die Fahrerinnen und Fahrer auf ihren Vespen, manche mit Blumen und Stofftieren am Lenker, andere mit Hunden auf dem Soziussitz. Natalie Dunand, eine französische Rentnerin, die an diesem Tag ihren 61. Geburtstag feierte, brachte die Stimmung auf den Punkt: „Die Leidenschaft für die Vespa gilt dem italienischen Stil, der Freiheit, den Sechzigern. Ich liebe es.“
Rund 25.000 dieser zweirädrigen Legenden, so die offizielle Zählung, hatten sich zu einer der größten Paraden der Markengeschichte formiert. Sie kamen aus 67 Ländern, von Kuwait bis Australien, und folgten einer Route, die an den steinernen Zeugen der Antike vorbeiführte: am Kolosseum entlang, durch die Kaiserforen, vorbei an der Bocca della Verità. Der Bürgermeister Roms gab den Startschuss, dann ergoss sich der Strom aus Blech und Chrom in einem disziplinierten, aber fröhlichen Defilee durch das Herz der Ewigen Stadt. Es war ein rollendes Museum, das alle 160 Modellvarianten von der Ur-Vespa 98 aus dem Jahr 1946 bis zur modernen, elektrisch angetriebenen GTS umfasste.
Die Vespa, deren Patent Enrico Piaggio am 23. April 1946 anmeldete, war eine Antwort auf die Mobilitätsbedürfnisse eines zerstörten Landes. Der Ingenieur Corradino D’Ascanio, der eigentlich Hubschrauber konstruierte und Motorräder verabscheute, schuf ein Gefährt mit selbsttragender Karosserie und einem schützenden Blechkleid, das es auch Frauen erlaubte, im Rock zu fahren, ohne die Beine zu zeigen. Der Name, so will es die Legende, entstand, als Piaggio den Prototyp von oben betrachtete und das surrende Geräusch des 98-Kubik-Motors hörte: „Ma sembra una vespa“ – die Wespe war geboren. Ihren globalen Mythos aber begründete das Kino: Als Audrey Hepburn und Gregory Peck 1953 in „Ein Herz und eine Krone“ auf einer Vespa durch Rom kurvten, schnellten die Verkaufszahlen weltweit in die Höhe. Seither trat der Roller in über tausend Filmen auf und wurde zum Inbegriff von Dolce Vita und unbeschwerter Eleganz.
Die Anziehungskraft der Vespa speist sich aus einer Nostalgie, die auch jene erfasst, die jene Zeit nicht selbst erlebt haben. Ein deutscher Teilnehmer trug die Worte „La Dolce Vita“ in geschwungener Schrift auf seiner Wade tätowiert, daneben das Vespa-Logo. Ein Mann aus Tokio tauschte mit einem Italiener die Fahnen ihrer Heimatvereine. Viele der Anwesenden, so berichteten sie, seien von größeren Motorrädern auf die wendigeren, leichteren Vespen umgestiegen – „Aufsteigen, Gas geben, losfahren. Ganz einfach“, fasste es Andrew Walton, ein 59-jähriger Lastwagenfahrer aus Newcastle, zusammen, der acht Tage lang von England nach Rom gefahren war. Das Treffen war nicht nur eine Feier der Marke, sondern auch ein Beweis für die Kraft eines industriellen Erbes, das eine transnationale Gemeinschaft stiftet, die weit über den reinen Produktnutzen hinausreicht.
Als die letzten der 25.000 Vespen am späten Vormittag wieder an den Caracalla-Thermen eintrafen und das hohe Summen langsam verebbte, blieb das Bild einer Stadt, die für einen Tag nicht von Autokolonnen, sondern von einem Schwarm fröhlicher Zweiräder erobert worden war. Vor der Kulisse des Kolosseums, das einst die Triumphzüge der Cäsaren sah, schien die kleine Wespe für einen Moment selbst zum Monument geworden zu sein – nicht aus Stein, aber aus dem leichteren Stoff, aus dem die Träume der Moderne sind.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die Vespa-Kundgebung unter dem Titusbogen, einem Denkmal für die Zerstörung Jerusalems, wirft einen Schatten auf die Feier des italienischen Stils. Die Veranstaltung hebt unbeabsichtigt die Seltenheit jüdischer Gesichter im öffentlichen Leben Roms und die ungelöste Spannung zwischen festlichem Gedenken und historischem Trauma hervor.
Rom verwandelte sich in ein Freilichttheater italienischer Genialität, als 25.000 Vespas durch die antiken Straßen paradierten und 80 Jahre eines Rollers feierten, der zum globalen Symbol für Freiheit und Design wurde. Die Veranstaltung, eine Hommage an die Vision von Corradino d'Ascanio, vereinte Generationen in einem fröhlichen Motorengebrüll unter dem Kolosseum und den Kaiserforen.
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