
Tuchels Hymnen-Protest zwingt FIFA zu Protokolländerung bei der WM 2026
Nachdem der englische Trainer beim Auftaktspiel gegen Kroatien von einer Wand aus Fotografen blockiert wurde, passte der Weltverband die Regeln an – ein Problem, das durch das umgebaute Stadion in Dallas verschärft wurde.
Thomas Tuchel, der deutsche Trainer der englischen Nationalmannschaft, hat mit einer emotionalen Beschwerde nach dem WM-Auftaktspiel gegen Kroatien eine schnelle Reaktion des Weltverbands FIFA bewirkt. Während des Abspielens der Nationalhymne vor der Partie in Dallas versperrte eine dichte Reihe von rund 50 Fotografen unmittelbar vor der Trainerbank den Blick auf das Spielfeld. Tuchel, der diesen Moment als besonders bedeutsam für sein erstes WM-Spiel als Nationaltrainer empfand, bat die FIFA öffentlich, die Position der Fotografen zu ändern. Nur einen Tag später setzte der Verband neue Richtlinien in Kraft: Trainer dürfen sich nun links oder rechts der Fotografen positionieren, und die Fotografen selbst werden näher an der Mittellinie gruppiert, um eine freie Sicht zu gewährleisten. Die Regelung kam erstmals bei der Partie Tschechien gegen Südafrika in Atlanta zur Anwendung.
Die Ursache des Problems lag nicht allein in den üblichen Medienprotokollen, sondern in den baulichen Gegebenheiten des AT&T-Stadions, der Heimstätte der Dallas Cowboys aus der NFL. Da ein American-Football-Feld zu schmal für ein FIFA-konformes Spielfeld ist, musste der Rasen um 1,2 Meter angehoben werden. Dadurch verringerte sich der Raum an den Seitenlinien erheblich, sodass die Fotografen in unmittelbarer Nähe zu den Trainerbänken standen – ein Engpass, der in anderen WM-Stadien so nicht besteht. Aus texanischer Sicht war die Enge eine Folge der multifunktionalen Nutzung des Stadions, während aus Londoner Perspektive Tuchels Verärgerung über die verpasste emotionale Verbindung zu seinen Spielern im Vordergrund stand.
Tuchel selbst schilderte die Szene mit deutlichen Worten: „Ich stand vor einer Wand aus 50 Fotografen, einen halben Meter entfernt, und konnte keinen einzigen Spieler sehen. Das hat mir die Erfahrung ein wenig ruiniert.“ Der 52-Jährige, der zuvor Vereine wie Chelsea, Paris Saint-Germain und Bayern München trainiert hatte, betonte, dass er seit Jahren auf diesen Augenblick gewartet habe. Die englischen Medien griffen die Klage auf, und auch in Deutschland berichtete die Bild-Zeitung ausführlich über den „Schönheitsfehler“ des Abends. Die FIFA, deren Präsident Gianni Infantino erst kürzlich ein neues Hymnen-Protokoll eingeführt hatte, das alle Spieler auf dem Rasen versammelt, zeigte sich nun auch gegenüber den Trainern flexibel.
Ungeachtet der Randnotiz verlief der sportliche Auftakt für England erfolgreich. Der 4:2-Sieg gegen Kroatien, mit zwei Toren von Harry Kane sowie Treffern von Jude Bellingham und Marcus Rashford, zog in Großbritannien eine Rekord-TV-Quote von 15,4 Millionen Zuschauern in der Spitze an. Der frühere Weltmeister Toni Kroos, der das Turnier für eine deutsche TikTok-Show analysiert, zeigte sich beeindruckt: England sei für ihn in die Top 3 der Favoriten aufgerückt, das Spiel habe sich „wie Tag und Nacht“ von der vorsichtigen EM 2024 unterschieden. Kroos lobte insbesondere Kanes Abschlussqualitäten und Bellinghams Dynamik, die er bei Real Madrid zuletzt vermisst hatte.
Mit der neuen Regelung dürfte das Sichtproblem bei künftigen Partien behoben sein, doch der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, die sich aus der Nutzung von NFL-Stadien für ein Fußball-Weltturnier ergeben. Für Tuchel und sein Team geht der Fokus nun auf die nächste Gruppenpartie gegen Ghana in Boston, wo die räumlichen Bedingungen andere sein werden. Der Trainer, der am Tag nach dem Sieg in Kansas City den symbolischen ersten Wurf bei einem Baseballspiel der Royals ausführte, hat mit seinem Protest nicht nur eine persönliche Genugtuung erreicht, sondern auch eine Präzedenz für die Balance zwischen Medienzugang und Trainerperspektive geschaffen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Thomas Tuchel beklagte, dass Fotografen ihm die Sicht auf die Spieler während der Nationalhymne versperrten. Er bat die FIFA, sie umzusetzen, damit er den Moment miterleben könne. Er sagte, sein erstes WM-Erlebnis sei getrübt worden.
Trotz des 4:2-Sieges gegen Kroatien wurde Englands Spiel von Kontroversen überschattet. Fans kritisierten Harry Kane für einen umstrittenen Elfmeter, Tuchel geriet mit Torwart Jordan Pickford aneinander, und der Trainer beschwerte sich über Fotografen während der Hymne. Der Sieg war von internen Spannungen und öffentlicher Kritik getrübt.
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