
Trump droht Europa mit 100-Prozent-Zöllen auf digitale Dienstleistungen
Nach der EU-Zustimmung zum Handelsabkommen warnt der US-Präsident vor sofortigen Strafzöllen, sollte die Digitalsteuer für amerikanische Technologiekonzerne eingeführt werden.
Die Ankündigung fiel am späten Freitagabend über den Kurznachrichtendienst Truth Social und traf Brüssel nur einen Tag, nachdem der Rat der Europäischen Union einem mühsam ausgehandelten Handelsabkommen mit Washington zugestimmt hatte. US-Präsident Donald Trump drohte darin mit einem sofortigen Zoll von 100 Prozent auf sämtliche Waren aus Ländern, die eine Digitalsteuer auf Dienstleistungen amerikanischer Unternehmen erheben. Diese Strafabgabe, so Trump, werde alle bestehenden Handelsverträge – ob in Kraft, unterzeichnet oder noch in Verhandlung – außer Kraft setzen. Die Drohung richtet sich ausdrücklich gegen europäische Staaten, die nach Darstellung des Präsidenten kurz vor der Einführung einer solchen Abgabe stünden.
Aus Washingtoner Sicht handelt es sich um eine längst angekündigte Eskalation. Bereits im August des vergangenen Jahres hatte Trump digitale Steuern und Regulierungen als Maßnahmen bezeichnet, die darauf abzielten, amerikanische Technologie zu schädigen oder zu diskriminieren. Die nun angedrohten Zölle sollen auf Grundlage von Section 301 des Handelsgesetzes von 1974 verhängt werden – jener Bestimmung, die bereits im ersten Handelskrieg mit China umfassende Zölle ermöglichte. Parallel dazu läuft eine Section-301-Untersuchung gegen Deutschland wegen angeblicher Unterbezahlung innovativer Arzneimittel, was die Breite der handelspolitischen Offensive unterstreicht. Die US-Regierung betrachtet die europäischen Digitalsteuerpläne als protektionistischen Angriff auf die heimischen Technologiekonzerne, deren globale Dominanz sie als strategischen Vorteil verteidigt.
In Brüssel reagierte man umgehend. Ein Sprecher der Europäischen Kommission erklärte, die Union und ihre Mitgliedstaaten besäßen das souveräne Recht, wirtschaftliche Aktivitäten auf ihrem Territorium zu regulieren. Die geplanten Abgaben seien nicht diskriminierend, da sie unterschiedslos für alle großen Unternehmen gälten, unabhängig von deren Herkunft. Sollte Washington die Zölle tatsächlich verhängen, werde die EU „schnell und entschlossen“ reagieren. Frankreich, das bereits 2019 eine dreiprozentige Digitalsteuer auf die Umsätze großer Technologiekonzerne eingeführt hat, zeigte sich zuletzt unbeeindruckt von ähnlichen Drohungen. Das Vereinigte Königreich, das seit 2020 eine Abgabe von zwei Prozent auf digitale Erlöse erhebt, sieht sich ebenfalls im Fadenkreuz. Kanada hingegen zog seine Pläne nach massivem Druck aus Washington zurück, und Indien ist von der aktuellen Warnung ausgenommen, da es seine Digitalsteuer im Rahmen laufender Handelsgespräche bereits abgeschafft hat.
Die Drohung fällt in eine entscheidende Phase der transatlantischen Handelsbeziehungen. Das am Vortag gebilligte Abkommen, das die Zölle auf die meisten EU-Exporte in die USA auf 15 Prozent deckelt, soll bis zum 4. Juli in Kraft treten. Die Digitalsteuer war ausdrücklich nicht Teil dieser Vereinbarung und bleibt ein zentraler Streitpunkt. Sollte die EU an ihren Plänen festhalten, droht eine neue Eskalationsstufe, die das gerade erst stabilisierte Handelsregime gefährden könnte. Der nächste faktische Meilenstein ist der Stichtag Anfang Juli, an dem sich zeigen wird, ob die Drohgebärde in konkrete Handelsmaßnahmen mündet oder ob beide Seiten doch noch eine Verhandlungslösung suchen.
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.60 | critical |
| Russische & GUS-Presse | +0.30 | aligned |
| Chinesische Presse | 0.00 | neutral |
Washington defends its fiscal sovereignty and uses the tariff threat as a negotiating lever to rebalance trade.
The threat is framed as a normal negotiating tactic, normalizing the use of punitive tariffs as a diplomatic tool.
Details on concrete damages for European and American businesses, as well as criticism from European allies, are omitted.
Europe suffers an unjustified trade aggression and must react with unity and determination to defend its fiscal sovereignty.
The threat is presented as a unilateral attack on European sovereignty, mobilizing a language of collective defense.
The context of previous negotiations and possible legitimate reasons for the US are omitted.
The West is tearing itself apart, showing that its trade rules are only a tool of hegemony.
The dispute is framed as a struggle between imperialist powers, where both sides are guilty, legitimizing Russia's non-alignment.
Russia's role as a possible beneficiary of trade tensions and its own disputes with the EU are omitted.
Tariffs are a mistake that hurts everyone, and China presents itself as a defender of free trade and multilateralism.
The news is placed within a frame of decline of the liberal order, with China as a rational and responsible actor.
Criticism of Chinese trade practices and its own role in global trade tensions are omitted.
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