
Tränen auf der Herzstation: Wenn die Sorgearbeit an ihre Grenzen stößt
Von Malmö bis Dhaka zeigt sich in den Berichten aus Kliniken, Gefängnissen und Gerichtssälen eine gemeinsame Erschöpfung – und ein leiser Aufschrei derer, die das System tragen.
Es war ein Dienstag im Frühsommer, irgendwann zwischen zwei Herzrhythmusstörungen und einer unerwarteten Reanimation, als eine Krankenschwester auf der kardiologischen Station des Universitätsklinikums in Malmö während der Schichtübergabe zu weinen begann. Sie hatte das Gefühl, unzulänglich gewesen zu sein, berichtete später der Sicherheitsbeauftragte Mattias Grentzelius. Die Kollegin, die die Abenddienste übernehmen sollte, weinte daraufhin ebenfalls – nicht aus Vorwurf, sondern aus Mitgefühl und eigener Überlastung. Es war ein stiller, intimer Moment, der doch eine ganze Arbeitswirklichkeit in sich trug.
Diese Wirklichkeit hat viele Adressen. In derselben Woche, in der die Tränen auf der Herzstation flossen, veröffentlichte das brasilianische Justizsystem Zahlen, die eine andere, aber verwandte Erschöpfung dokumentieren: Die Verfahren wegen Diskriminierung der LGBTQIAPN+-Bevölkerung haben sich nahezu verdreifacht. 221 neue Fälle von Vorurteilen aufgrund der Geschlechtsidentität wurden 2025 registriert, gegenüber 83 im Vorjahr. Der Nationale Justizrat spricht von einem „alarmierenden Anstieg“ und sieht darin nicht nur eine Zunahme der Gewalt, sondern auch eine größere Sichtbarkeit dieser Klagen im Rechtssystem. Die Justiz, so ließe sich sagen, weint nicht, aber sie zählt – und die Zahlen erzählen von einer Gesellschaft, in der die bloße Existenz einer Person zum juristischen Tatbestand wird.
Während in Brasilien die Gerichte mit der Anerkennung von Leid ringen, kämpfen in Schweden diejenigen, die dieses Leid lindern sollen, mit ihrer eigenen Erschöpfung. Eine Pflegekraft mit vierzig Jahren Berufserfahrung schreibt in der Lokalzeitung Blekinge Läns Tidning: „Wir schaffen es bald nicht mehr.“ Sie schildert, wie sie und ihre Kolleginnen keine Pausen mehr machen, die Zimmer der Bewohner nicht mehr reinigen, die Duschen ausfallen lassen – nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil die Zeit für das Wesentliche, die Zuwendung zu den alten Menschen, nicht mehr reicht. Es sind die Angehörigen, die sich beschweren, und es sind die Pflegerinnen, die sich entschuldigen müssen. „Wir sind es, die sich schämen, nicht die Leitung“, schreibt sie. Ein Satz, der die moralische Last der Sorgearbeit offenlegt.
Diese Last ist nicht auf Skandinavien beschränkt. In Bangladesch legte der Gesundheitsminister dem Parlament Zahlen vor, die eine Infrastruktur des Stillstands beschreiben: 485 Röntgengeräte und 395 Ultraschallgeräte in den ländlichen Gesundheitskomplexen sind außer Betrieb, viele davon irreparabel. Gleichzeitig sind fast ein Viertel der Arztstellen in staatlichen Krankenhäusern unbesetzt. Die Müttersterblichkeit liegt bei über 4.300 pro 100.000 Geburten – eine Zahl, die, so die Zeitung Prothom Alo, „für jede zivilisierte Gesellschaft beschämend“ sei. Die Diagnosegeräte, die stumm in den Fluren stehen, sind das stille Gegenstück zu den weinenden Schwestern in Malmö: beides Zeugnisse einer Fürsorge, die an ihren eigenen Voraussetzungen scheitert.
In Mexiko wiederum richtet die Nationale Menschenrechtskommission einen dringenden Appell an die Gefängnisbehörden: Menschen aus der sexuellen Diversität seien in Haftanstalten Gewalt, Ablehnung und unzulässiger Isolation ausgesetzt. Protokolle zur Prävention von Diskriminierung müssten endlich umgesetzt werden. Es ist eine weitere Facette desselben Bildes: Institutionen, die schützen sollen, werden zu Orten der Verletzlichkeit. Und während in Kalmar schwedische Politiker darüber streiten, ob eine Klimakteriumsschule für Pflegekräfte eingeführt werden soll, und in Kristianstad ein Antrag auf Gleichstellungsfortbildung abgelehnt wird, bleibt die Frage im Raum, die eine anonyme Angehörige in einer Leserzuschrift stellt: „Was habt ihr für einen Urlaub? Einzelne Tage, Angst, einbestellt zu werden, nervös, wenn das Telefon klingelt?“ Es ist die Frage nach der Menschlichkeit derer, die das Menschliche bewahren sollen – und sie hallt nach, leise, aber unüberhörbar, wie das Weinen zweier Frauen an einem Dienstagnachmittag in Malmö.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Das Pflegepersonal auf den Herzstationen in Schweden schlägt Alarm: unerträgliche Arbeitsbelastung, zu viele Patienten pro Pflegekraft und gestrichene Urlaube treiben die Beschäftigten in Tränen. Trotz jahrelanger Warnungen bleibt die Unterbesetzung bestehen, und die versprochene Verstärkung kommt nie. Das Versorgungssystem steht am Rande des Zusammenbruchs, und diejenigen, die es aufrechterhalten, sind erschöpft und demoralisiert.
Die Krise auf der Herzstation offenbart die tiefen Ungleichheiten eines Systems, das die Sorgearbeit abwertet, die überwiegend von Frauen geleistet wird. So wie die Diskriminierung von LGBTQIAPN+-Menschen angeprangert wird, muss die Ausbeutung des Gesundheitspersonals als Frage von Rechten und Würde angegangen werden. Der Staat hat die Pflicht, menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu gewährleisten und das stille Leiden derjenigen zu beenden, die sich um andere kümmern.
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