
Trainerbeben in Vegas, Wechsel in Toronto: Nordamerikas Profiligen im Umbruch
John Tortorella muss die Golden Knights trotz Finaleinzug verlassen, die Maple Leafs tauschen Torhüter und Verteidiger, und die Blue Jays entlassen einen Pitcher in Bestform.
In Las Vegas endet ein nur knapp drei Monate währendes Experiment mit einem Paukenschlag: John Tortorella, der die Golden Knights Ende März als Feuerwehrmann übernommen und sensationell in die Stanley-Cup-Finalserie geführt hatte, wird nicht weiterbeschäftigt. Nach der 2:4-Niederlage gegen Carolina gab General Manager Kelly McCrimmon bekannt, dass der auslaufende Vertrag des 65-Jährigen nicht verlängert wird. Aus schwedischer Perspektive – Tortorellas hitziges Temperament und seine über 300.000 Dollar an Geldstrafen sind in Skandinavien wohlbekannt – überrascht der Schritt weniger: Der frühere Tampa-Bay-Meistertrainer von 2004 hat sich in Europa vor allem als Skandalprofi einen Namen gemacht, der Journalisten bedrohte und eigene Spieler öffentlich demontierte. Dass Vegas dennoch auf ihn setzte, war eine Verzweiflungstat nach der Entlassung von Bruce Cassidy – und der sportliche Ertrag mit sieben Siegen in den letzten acht Hauptrundenspielen sowie dem Gewinn der Western Conference gab dem Klub recht. Nun aber trennt man sich wieder, kaum dass die Playoffs vorbei sind.
Während in der Wüste Nevadas ein Trainer geht, verliert die Colorado Avalanche ihren Architekten. General Manager Chris MacFarland, der das Team in den vergangenen Jahren zu einem Spitzenklub formte, wechselt als Präsident und GM zu den Nashville Predators. Für Nathan MacKinnon, den 30-jährigen Superstar aus Cole Harbour, Nova Scotia, ändert sich auf dem Eis dagegen nichts. Der Stürmer krönte seine 13. NHL-Saison mit 53 Toren und der Maurice Richard Trophy, wurde zum dritten Mal ins zweite All-Star-Team berufen – und scheiterte mit Colorado dennoch im Western Conference Final. In kanadischen Medien wird MacKinnons individuelle Klasse gewürdigt, zugleich aber die Frage gestellt, ob der Abgang des Managers nicht doch größere Umbauten im Kader nach sich ziehen wird.
In Toronto sorgte unterdessen eine Personalie abseits des Eises für Stirnrunzeln. Die Blue Jays entließen den linkshändigen Pitcher Michael Plassmeyer, obwohl dieser in der Triple-A die beste Saison seiner Karriere spielt. Der Schritt ist Ausdruck einer angespannten Personalsituation: Das MLB-Team kämpft mit vielen Verletzungen und muss ständig Arme zwischen den Ligen hin- und herschieben, um im Playoff-Rennen der American League zu bestehen. Dass ein Werfer in Hochform gehen muss, zeigt, wie sehr kurzfristige taktische Zwänge die Kaderplanung dominieren.
Ebenfalls in der kanadischen Metropole, aber auf dem Eis, setzte der neue General Manager der Maple Leafs, John Chayka, ein deutliches Zeichen. In seinem ersten großen Trade schickte er Torhüter Joseph Woll und Verteidiger Simon Benoit zu den Philadelphia Flyers und erhielt dafür den schwedischen Verteidiger Emil Andrae, Goalie Samuel Ersson sowie ein Drittrunden-Wahlrecht für den Draft 2026. Andrae, 24, und Ersson, 26, sollen die Breite des Kaders erhöhen, während Philadelphia mit Woll einen potenziellen Stammtorhüter bekommt. Der Tausch unterstreicht, dass in Toronto nach einer enttäuschenden Saison ein Umbruch eingeleitet wird.
Für Beobachter in Europa zeigen diese Rochaden, wie flüchtig Erfolg in den nordamerikanischen Topligen ist. Ein Trainer, der bis ins Finale vordringt, erhält keinen neuen Vertrag; ein Pitcher in Bestform wird entlassen; ein langjähriger Manager verlässt ein Spitzenteam. Die kommenden Wochen werden offenbaren, ob Vegas ohne Tortorella, Colorado ohne MacFarland und Toronto mit neuem Personal den nächsten Schritt machen können – oder ob die Unruhe weitere Kaderbeben nach sich zieht.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die NHL setzt ihre üblichen Kaderanpassungen fort. Vegas entschied sich, Tortorella nach seinem kurzen Playoff-Lauf nicht zu halten, und Toronto tauschte Woll und Benoit gegen Andrae, Ersson und einen Draft-Pick mit Philadelphia. Die Schritte werden als technische Entscheidungen dargestellt, ohne emotionale Betonung.
Der skandalumwitterte Trainer John Tortorella verlässt die Vegas Golden Knights nach nur 79 Tagen, obwohl er das Team ins Stanley-Cup-Finale geführt hat. Sein Ruf als Hitzkopf mit Drohungen gegen Journalisten und hohen Geldstrafen beherrscht die Erzählung. Der Abschied wird als weiteres Kapitel einer turbulenten Karriere dargestellt, nicht als technische Entscheidung.
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