
Als der Fußball zur Werbepause wurde: Die Milliarden-WM 2026
Mit Rekordeinnahmen, dynamischen Ticketpreisen und einer Finalpause nach Vorbild des Super Bowl veränderte die WM 2026 das Geschäftsmodell des Weltfußballs grundlegend.
Als im Finale der WM 2026 in New Jersey die Halbzeitpause auf 27 Minuten ausgedehnt wurde, um Platz für ein Bühnenprogramm mit Madonna und BTS zu schaffen, war das mehr als eine Showeinlage. Zusammen mit den erstmals obligatorischen Trinkpausen mitten in den Halbzeiten – offiziell dem Hitzeschutz geschuldet – offenbarte sich eine neue Logik: Das Geschäft begann, das Spiel selbst zu formen. Die Partie, jahrzehntelang in zweimal 45 Minuten mit einer 15-minütigen Pause gegliedert, zerfiel in verwertbare Segmente. Jede Unterbrechung geriet zu Werbeinventar, das dem US-Sender Fox aus den Kühlpausen allein geschätzte 250 Millionen Dollar einbrachte.
Die FIFA zog die wirtschaftliche Bilanz schon vor dem Endspiel. Der Umsatz im Vierjahreszyklus 2023–2026 kletterte auf 15 Milliarden Dollar – fast das Doppelte der Brasilien-WM 2014. Erstmals überflügelten die Einnahmen aus Eintrittskarten und Hospitality (über 5 Milliarden Dollar) die Fernsehrechte. Dynamische Preismodelle und eine eigene Wiederverkaufsplattform, auf der die FIFA pro Transaktion 30 Prozent Provision erhielt, trieben die Erlöse in die Höhe. Aus europäischer Sicht blieb die Vergabe der englischsprachigen Rechte für 2026 an Fox indes ein Ärgernis: Ohne Bieterwettbewerb erhielt der Sender den Zuschlag für nur 485 Millionen Dollar – ein Bruchteil dessen, was die heimischen NFL- oder NBA-Verträge einspielen.
Für die Gastgeberländer fiel die Rechnung je nach Vorarbeit unterschiedlich aus. Die USA, Kanada und Mexiko profitierten von bestehenden Stadien und vermieden so die berüchtigten „weißen Elefanten“, die Südafrika, Brasilien oder Russland nach ihren Turnieren belasteten. Daten des Zahlungsdienstleisters Visa zeigten, dass die grenzüberschreitenden Transaktionen in den mexikanischen Spielorten um bis zu 41 Prozent stiegen, während kleine Unternehmen besonders vom internationalen Publikum profitierten. In Saudi-Arabien und den Emiraten wiederum schnellten die Bestellungen von Fastfood und Streaming-Abos während der Spiele in die Höhe – ein globaler Konsumrausch, der laut einer Studie der FIFA und der Welthandelsorganisation rund 40,9 Milliarden Dollar zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt beitragen könnte.
Auf dem Transfermarkt zogen die Preise nach dem Turnier erneut an; mehrere Profis wechselten für Summen jenseits der 100-Millionen-Euro-Marke. Während die Stadien leerten, richteten die Funktionäre den Blick bereits auf 2038. US-Präsident Donald Trump hatte FIFA-Präsident Gianni Infantino im Fernsehen aufgefordert, die WM erneut in die USA zu holen. Die FIFA, die in diesem Jahr erstmals mehr mit Tickets als mit Fernsehbildern verdiente, dürfte diesem Wunsch nur zu gerne nachkommen – zumal die Statuten eine Rückkehr nach Nordamerika ermöglichen. Das nächste Spiel um die Milliarden hat begonnen.
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