
Schwedens furioser WM-Auftakt: Ayari-Doppelpack und eine Geste des Respekts
Mit einem 5:1 gegen Tunesien übernimmt Schweden die Führung in Gruppe F – doch die Geschichte des Abends schrieb Yasin Ayari, der seinen ersten Treffer aus Rücksicht auf die tunesische Herkunft seines Vaters nicht bejubelte.
Der erste Auftritt Schwedens bei einer Weltmeisterschaft seit 2018 geriet zu einer Machtdemonstration. Im Estadio BBVA im mexikanischen Monterrey deklassierte die Mannschaft von Graham Potter Tunesien mit 5:1 und setzte sich damit an die Spitze der Gruppe F, in der zuvor die Niederlande und Japan ein 2:2-Unentschieden erreicht hatten. Die Partie war bereits nach sieben Minuten entschieden, als der 22-jährige Mittelfeldspieler Yasin Ayari von Brighton & Hove Albion einen Abpraller aus gut zwanzig Metern mit einem wuchtigen Halbvolley ins obere Eck jagte. Doch statt in Jubel auszubrechen, hob Ayari beschwichtigend die Hände und verzichtete auf jede überschwängliche Geste – eine Reaktion, die weltweit für Aufsehen sorgte.
Der Grund für diese Zurückhaltung liegt in der Familiengeschichte des in Schweden geborenen Profis: Sein Vater Azzouz stammt aus Tunesien, seine Mutter aus Marokko. Ayari selbst wäre für die tunesische Nationalmannschaft spielberechtigt gewesen, entschied sich jedoch für den schwedischen Verband. Aus Respekt vor seinen Wurzeln und dem Gegner, so erklärten übereinstimmend Medien aus Asien, Europa und Lateinamerika, unterdrückte er den Jubel nach dem frühen Führungstreffer. Erst beim zweiten Tor, einem erneuten Fernschuss in der sechsten Minute der Nachspielzeit, ließ er seinen Emotionen freien Lauf und vollzog eine Sujud Syukur – eine rituelle Niederwerfung des Dankes, die vor allem in indonesischen und malaysischen Berichten hervorgehoben wurde. Diese religiös konnotierte Geste verlieh dem sportlichen Ereignis eine zusätzliche, zutiefst menschliche Dimension.
Abseits der symbolträchtigen Ayari-Szenen überzeugte Schweden mit einer geballten Offensivkraft, die das Team zum Geheimfavoriten des Turniers machen könnte. Alexander Isak, der nach seinem 125-Millionen-Pfund-Wechsel zum FC Liverpool lange von Verletzungen geplagt war, erzielte in der 30. Minute mit einem präzisen Abschluss ins lange Eck das 2:0. Viktor Gyökeres, Stürmer des FC Arsenal, legte das 3:0 nach (59.) und bereitete zudem Isaks Treffer vor. Mattias Svanberg traf nur Sekunden nach seiner Einwechslung zum 4:1 (84.), ehe Ayari den Schlusspunkt setzte. Tunesien, das in der Qualifikation ohne Gegentor geblieben war, gelang durch Omar Rekik lediglich der zwischenzeitliche Anschlusstreffer per Kopf (43.).
Mit diesem Kantersieg untermauert Schweden seine Ambitionen in einem ausgeglichenen Gruppe-F-Umfeld. Die Kombination aus Premier-League-erprobten Angreifern und einem taktisch disziplinierten System unter Potter lässt aufhorchen. Für Tunesien hingegen wird die Aufgabe, gegen die Niederlande und Japan noch das Achtelfinale zu erreichen, nach der demontierten Defensive ungleich schwerer. Der Abend von Monterrey wird indes nicht nur wegen der fünf Tore in Erinnerung bleiben, sondern vor allem wegen der stillen Verbeugung eines jungen Mannes vor seiner Herkunft – ein Bild, das in den kommenden Wochen des Turniers nachhallen dürfte.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Das Spiel wird als dominanter schwedischer Sieg dargestellt, der die tunesische Abwehr zerlegte und die Kontrolle über Gruppe F übernahm. Die Berichterstattung konzentriert sich auf das Ergebnis, die Premier-League-Stars Isak und Gyökeres sowie die Gruppenplatzierungen, mit wenig Aufmerksamkeit für emotionale oder kulturelle Gesten.
Die Geschichte hebt Yasin Ayaris Doppelpack und seine religiöse Niederwerfung der Dankbarkeit hervor und feiert seine 'Bomber'-Leistung. Sie schlägt auch Alarm für andere Gruppenrivalen wie die Niederlande und Japan und warnt vor der schwedischen Angriffsgefahr. Die Erzählung vermischt Triumph mit einem warnenden Ton.
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