
Schuldenwelle erfasst Amerika: Von US-Studienkrediten bis zu Südamerikas Staatsfinanzen
Rekordzahl an Zahlungsausfällen bei US-Bildungskrediten trifft auf fiskalische Ermüdung in Brasilien, Argentinien und Kolumbien – während eine Philanthropin Millionen spendet.
In den Vereinigten Staaten sind binnen zwölf Monaten mehr als 4,2 Millionen Kreditnehmer mit ihren Studienkrediten in Verzug geraten; insgesamt gelten nun rund 9,5 Millionen Bundesdarlehen als notleidend – das ist jeder fünfte Schuldner. Die Summe der ausgefallenen Forderungen beläuft sich auf 233,3 Milliarden Dollar. Auslöser war das Ende der pandemiebedingten Zahlungspause, deren letzte Schonfrist im Herbst 2024 auslief. Seit Juni 2025 steigen die Ausfälle sprunghaft, und eine zweite Welle zeichnet sich ab, nachdem die Regierung in Washington das einkommensabhängige SAVE-Programm gestrichen hat, das Millionen Geringverdienern niedrige Raten sicherte.
Die regionalen Schwerpunkte der Zahlungsausfälle liegen im Süden der USA: Mississippi weist mit 28,3 Prozent die höchste Ausfallquote auf, gefolgt von Louisiana, Alabama und weiteren Staaten, die mehrheitlich von Präsident Trump gewonnen wurden. Betroffen sind vor allem Absolventen gewinnorientierter Privathochschulen sowie working-class-Haushalte, die parallel steigende Lebenshaltungskosten stemmen müssen. Die Bundesregierung hält Lohn- und Sozialversicherungspfändungen derzeit noch zurück, doch eine Analyse von Moody’s Analytics warnt, dass solche Zwangseintreibungen binnen eines Jahres beginnen dürften und die fragile Konjunktur zusätzlich belasten würden.
Parallel dazu kämpfen südamerikanische Staaten mit fiskalischen Schieflagen. In Brasilien zeigt eine Studie der Haushaltsberatung der Abgeordnetenkammer, dass die Staatsverschuldung ohne Korrektur zwischen 2032 und 2035 die Marke von 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts überschreiten wird. Um das Schuldenwachstum zu stoppen, wäre ein jährlicher Primärüberschuss von 2 Prozent des BIP nötig – rund 250 bis 300 Milliarden Real. Da das diskretionäre Budget nur 250 Milliarden Real umfasst, führt der Anpassungsweg zwingend über Pflichtausgaben und eine Entkopplung von Lohn- und Inflationsindizes. Argentinien verfehlte unterdessen das mit dem Internationalen Währungsfonds vereinbarte Halbjahresziel: Statt der anvisierten 6,9 Billionen Pesos Überschuss wies der Staatssektor im Juni ein Defizit von über einer Billion Pesos aus, womit eine Ausnahmegenehmigung (Waiver) nötig wird. Kolumbiens neue Regierung unter Präsident De la Espriella hat ein Sparprogramm von 60 Billionen Pesos angekündigt, das den Haushalt von 27,7 auf 23 Prozent des BIP drücken soll – vor allem zulasten der Infrastrukturinvestitionen.
Während Staaten und Privathaushalte unter der Schuldenlast ächzen, setzt die Philanthropin MacKenzie Scott einen Kontrapunkt: Sie spendete 20 Millionen Dollar an die Organisation Active Minds, die sich der psychischen Gesundheit Jugendlicher widmet – der größte Einzelbetrag in der Geschichte der Organisation. Scott, die einst selbst Zahnkleber nutzte, weil sie sich keine Behandlung leisten konnte, hat in den vergangenen sieben Jahren durchschnittlich fast 10 Millionen Dollar täglich abgegeben. In Brasilien, wo 83,5 Millionen Erwachsene mit Zahlungsrückständen registriert sind, raten Verbraucherschützer zu einer Priorisierung existenzieller Ausgaben und zur Nutzung staatlich vermittelter Umschuldungsprogramme, um den Teufelskreis aus Kreditaufnahme und Überschuldung zu durchbrechen. Der nächste Prüfstein für die Region wird die Visite von IWF-Chefin Kristalina Georgieva Ende Juli in Buenos Aires sein, bei der über den argentinischen Waiver und weitere Auflagen verhandelt wird.
| Indische & südasiatische Presse | +1.00 | aligned |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | −0.70 | critical |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.30 | critical |
MacKenzie Scott, die selbst Armut erlebt hat, zeigt, dass Philanthropie junge Leben retten kann.
Die Geschichte ihrer früheren Not macht die Spende nicht zu einem Akt der Distanz, sondern gelebter Solidarität.
Sie erwähnt weder die Studienkredite als systemisches Problem noch die notwendigen öffentlichen Maßnahmen.
Brasilien steht am Rande einer Haushaltskrise; die Regierung muss Austerität und einen Überschuss durchsetzen.
Nutzt Schuldenprognosen und IWF-Ziele, um ein Gefühl der Unvermeidlichkeit und Dringlichkeit zu erzeugen.
Ignoriert individuelle Schuldengeschichten und philanthropische Lösungen und konzentriert sich nur auf die fiskalische Verantwortung des Staates.
Millionen Amerikaner ertrinken in Studienkrediten; das System hat sie im Stich gelassen.
Nutzt persönliche Geschichten und Ausfalldaten, um die Krise zu humanisieren und zum Handeln zu drängen.
Geht nicht auf die globalen Dimensionen der Verschuldung oder philanthropische Lösungen ein, sondern konzentriert sich nur auf das US-amerikanische Inlandsproblem.
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