
Russische Zentralbank drosselt Zinssenkungstempo – Märkte reagieren mit Abgaben
Der Leitzins wird nur um 25 Basispunkte auf 14,25 % gesenkt, während die Mehrheit der Analysten einen Schritt von 50 Punkten erwartet hatte.
Die russische Zentralbank hat am 19. Juni den Leitzins zum neunten Mal in Folge gesenkt, jedoch mit einem geringeren Schritt als von den Märkten antizipiert. Statt der erwarteten 50 Basispunkte reduzierte der Rat den Schlüsselsatz um 25 Basispunkte auf 14,25 %. Unmittelbar nach der Bekanntgabe fiel der MOEX-Index um mehr als 1,5 % auf ein Niveau unter 2.410 Punkte, den tiefsten Stand seit Dezember 2024. Auch die Kurse von Bundesanleihen (OFZ) drehten ins Minus, während der Rubel gegenüber dem Yuan leicht zulegte.
Ausschlaggebend für die vorsichtigere Gangart waren aus Moskauer Sicht mehrere sich verstärkende Inflationsrisiken. Die Währungsbehörde verwies auf einen temporären Rückgang der Treibstoffproduktion, der die Preise für Kraftstoffe in die Höhe getrieben habe und die Inflationserwartungen der Bevölkerung belasten könnte. Zugleich betonte sie, dass die Fiskalpolitik auf Dreijahressicht expansiver ausfalle als zuvor unterstellt. Das Fortbestehen eines strukturellen Primärdefizits bis 2029 könne eine straffere Geldpolitik erfordern als im Basisszenario vom April vorgesehen. Hinzu kommt eine Beschleunigung des Kreditwachstums, die nach Einschätzung der Notenbank signalisiert, dass die geldpolitischen Bedingungen von den Kreditnehmern zunehmend nicht mehr als restriktiv wahrgenommen werden.
Die Vorsitzende Elwira Nabiullina, die nach einer zweiwöchigen krankheitsbedingten Abwesenheit erstmals wieder öffentlich auftrat, erklärte, der Spielraum für weitere Zinssenkungen habe sich verengt. Der Rat habe sowohl eine Beibehaltung als auch eine Senkung um 50 Basispunkte diskutiert. Nabiullina wies darauf hin, dass der Beitrag des Budgets zur Geldmengenausweitung hoch bleibe und bei anhaltend starkem Kreditwachstum eine restriktivere Politik nötig werden könne. Das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung hingegen sieht weiterhin Potenzial für Zinssenkungen und verweist auf die aktuellen gesamtwirtschaftlichen Trends.
Westliche Beobachter und Marktteilnehmer werteten den Schritt als Zeichen eines verhärteten Konservatismus im Zentralbankrat. Die Chefökonomin von T-Investments, Sofia Donez, kommentierte, der Konservatismus nehme zu und der Manövrierraum werde enger. Sollte das Tempo beibehalten werden, bliebe der Leitzins zum Jahresende über 13 %. Die Financial Times berichtete unter Berufung auf Quellen, Nabiullina habe an einer schweren Atemwegsinfektion gelitten, was Spekulationen über einen möglichen Verlust der Gunst des Präsidenten genährt habe. Konkrete Anzeichen dafür gebe es jedoch nicht.
Die nächste Leitzinsentscheidung ist für den 24. Juli angesetzt. Dann wird die Zentralbank auch ihren aktualisierten mittelfristigen Prognosepfad vorlegen. Nabiullina deutete an, dass die Projektion für 2026 und 2027 eher nach oben als nach unten revidiert werden dürfte. Die Entwicklung der Inflation, die Mitte Juni bei 5,6 % lag, sowie die Dynamik der Inflationserwartungen und die Haushaltslage bleiben die zentralen Beobachtungsgrößen.
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Die russische Zentralbank senkte den Leitzins um bescheidene 25 Basispunkte auf 14,25% und signalisierte damit Vorsicht angesichts anhaltender Inflationsrisiken und einer expansiveren Haushaltspolitik. Gouverneurin Nabiullina, nach einer Erkältung zurück, wies Gerüchte über politische Ungnade zurück, während das Wirtschaftsministerium Spielraum für weitere Lockerungen sieht.
Die vorsichtige Zinssenkung der russischen Zentralbank um einen Viertelpunkt spiegelt die hohe Inflation wider, die durch den Iran-Krieg und ukrainische Drohnenangriffe auf die Ölinfrastruktur angeheizt wird. Die jüngste Abwesenheit von Gouverneurin Nabiullina, die auf eine schwere Atemwegsinfektion zurückgeführt wird, hat Spekulationen über ihre Position und eine mögliche Umstrukturierung der Bank genährt.
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