
Rückzug der libanesischen Armee aus Kfar Tebnit: Israelische Offensive im Südlibanon verschärft sich
Nach Evakuierungsbefehlen und dem Vorstoß auf strategische Höhen räumt das Militär einen Stützpunkt; die Waffenruhe vom November 2024 erweist sich als brüchig.
Am Samstag zog die libanesische Armee ihre Truppen aus der Kaserne von Kfar Tebnit im Süden des Landes zurück, während israelische Bodentruppen in das umliegende Gebiet vorrückten. Gleichzeitig erließ das israelische Militär Evakuierungsaufforderungen für rund zwanzig Ortschaften, darunter die Stadt Nabatiyeh. Wenige Minuten später begannen Luftangriffe auf Deir al-Zahrani, Rihan und Sujud; Artilleriegeschosse trafen Nabatiyeh selbst. In Deir al-Zahrani kamen zwei Menschen ums Leben. Die libanesische Nationale Nachrichtenagentur bestätigte die Angriffe, und ein hochrangiger Militärvertreter erklärte gegenüber der Associated Press, der Rückzug sei eine direkte Reaktion auf den israelischen Vorstoß.
Die Episode offenbart das Scheitern der unter internationaler Vermittlung zustande gekommenen Waffenruhe vom November 2024. Aus israelischer Sicht, so analysiert die Turiner Zeitung La Stampa, hatte das Abkommen von Anfang an zu viele offene Fragen gelassen: Die Hisbollah reorganisierte sich, ihr Raketenarsenal wurde teilweise wiederaufgebaut, und die militärische Präsenz der Miliz im Südlibanon blieb unangetastet. Israels Regierung unter Benjamin Netanjahu, so die italienische Einschätzung, setzte von Beginn an auf eine „entscheidende Kriegführung“, um diese Lücken zu schließen. Die libanesische Armee, ohnehin geschwächt und politisch eingebunden, gerät dabei zwischen die Fronten: Sie soll staatliche Souveränität demonstrieren, kann aber weder die Hisbollah entwaffnen noch dem israelischen Druck standhalten.
Berichte aus Jakarta verweisen auf die strategische Dimension der jüngsten Manöver. Demnach zielen die israelischen Truppen darauf ab, den Hügel Ali Taher einzunehmen, eine Anhöhe, die einen weiten Blick und damit die Feuerkontrolle über Nabatiyeh ermöglicht. Seit Anfang März, als die Kämpfe wieder aufflammten, sollen im Libanon mehr als 3.700 Menschen getötet worden sein – eine Zahl, die vermutlich auch die Opfer der vorangegangenen Eskalation seit Oktober 2023 einschließt. Auf israelischer Seite werden Dutzende Gefallene beklagt. Die humanitäre Lage im Südlibanon verschlechtert sich rapide, Zehntausende sind erneut auf der Flucht.
In europäischen Hauptstädten wächst die Besorgnis. Für Deutschland und Österreich, die beide Truppen für die UNIFIL-Mission im Libanon stellen, bedeutet die neue Gewalt eine unmittelbare Gefährdung der Blauhelme. Beobachter in Washington sehen die Gefahr einer unkontrollierten Eskalation, die den Iran zu einer direkteren Intervention verleiten könnte. Die libanesische Regierung, ohnehin in einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise, verliert weiter an Handlungsfähigkeit. Der Rückzug aus Kfar Tebnit ist mehr als ein taktisches Manöver – er symbolisiert die Erosion staatlicher Autorität in einem Land, das einmal mehr zum Schauplatz eines Stellvertreterkonflikts wird. Sollte Israel seine Offensive ausweiten, droht ein langanhaltender Abnutzungskrieg, der die gesamte Levante destabilisiert und über Energiepreise sowie Migrationsbewegungen auch auf Mitteleuropa ausstrahlt.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die libanesische Armee zog ihre Truppen aus der Kfar-Tebnit-Kaserne ab, nachdem israelische Streitkräfte vorrückten und für rund 20 Ortschaften im Südlibanon Evakuierungsaufforderungen erließen. Luftangriffe trafen Gebiete nahe Nabatiyeh, wobei zwei Menschen in Deir al-Zahrani getötet wurden.
Der Libanon ist Geisel von Netanjahus Fehlern. Israels Strategie eines entscheidenden Krieges hat zu Zwangsevakuierungen, Luftangriffen und zivilen Opfern geführt; die libanesische Armee musste dem Druck nachgeben. Das ist der Preis einer gescheiterten Politik.
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