
Papst Leo XIV. eröffnet Konsistorium: „Konflikte als Menschen lösen, nicht als Bestien“
Beim zweiten außerordentlichen Konsistorium in Rom verurteilt der Papst den Krieg als unwürdig und bittet die Kardinäle um offene Unterstützung – ein Treffen, das seinen kollegialen Führungsstil unterstreicht.
Die Stimme hallte durch den Petersdom, als Papst Leo XIV. am Freitagmorgen die Messe zur Eröffnung des Konsistoriums zelebrierte. Vor den in Scharlachrot gewandeten Kardinälen aus allen Kontinenten sprach er Worte, die in ihrer Schlichtheit eine scharfe Kante trugen: „Internationale Spannungen und Konflikte verwunden die Menschheitsfamilie schwer.“ Dann setzte er hinzu, der Schöpfer habe uns mit Intelligenz und freiem Willen ausgestattet, „um Konflikte als Menschen zu lösen und nicht als Bestien, mögen diese auch mit hypertechnologischen Waffen ausgerüstet sein“. Es war eine unverhohlene Antikriegsbotschaft, die – so vermerkten Beobachter in Rom – auch als Replik auf die scharfe Kritik von US-Präsident Donald Trump an Leos Friedensappellen gelesen werden konnte.
Das geschlossene Treffen, das am Samstag endet, ist bereits das zweite dieser Art seit der Wahl des aus den Vereinigten Staaten stammenden Papstes im Mai 2025. Die regelmäßige Einberufung aller 241 Kardinäle entwickelt sich zu einem zentralen Instrument seines Pontifikats. Die italienische Zeitung „Il Fatto Quotidiano“ charakterisierte Leo als „Tessitore“, als Weber, der ein Klima der Zusammenarbeit schaffen wolle, um die Gräben zwischen sozialem Schwung, theologischer Motivation und traditionellen Fundamenten zu überwinden. In seiner Predigt bat der Papst das Kardinalskollegium denn auch explizit um Beistand: „Ich brauche Ihre starke, ausdrückliche, öffentliche Unterstützung. Begleiten Sie mich nicht nur an diesen Tagen, sondern jeden Tag.“
Dass ein Pontifex derart offen um Rückhalt wirbt, verweist auf die bewusst synodale Ausrichtung seines Amtes. In den Workshops und Plenarsitzungen des Konsistoriums sollen die „Sofferenze e i problemi“ der internationalen Lage ebenso zur Sprache kommen wie die Vorbereitung einer großen Kirchenversammlung im Jahr 2028. Aus Algier meldete sich Kardinal Jean-Paul Vesco zu Wort und sagte der Nachrichtenagentur AFP: „Es wird einen echten Austausch unter uns geben. Es ist klar, dass Papst Leo will, dass wir ein Kollegium bilden, einander kennenlernen … Je öfter wir diese Treffen haben, desto geeinter werden wir sein.“
Wie es zu dieser Wahl kam, die viele Beobachter im Nachhinein als überraschend treffsicher bezeichnen, beleuchtet ein in diesen Tagen erscheinendes Buch. „L’Ultimo Conclave“ (Lindau) der argentinischen Journalistin Elisabetta Piqué und des Iren Gerard O’Connell zeichnet die schleppende Kandidatenfindung im Vorkonklave nach. Demnach gab es zunächst keine organisierte Gruppe hinter dem späteren Papst; konservative Kreise favorisierten den Budapester Erzbischof Erdő, viele Progressive setzten auf einen Europäer. Erst der Druck des globalen Südens und der Widerstand gegen eine Rückkehr zu alten Mustern ließen die Waage zugunsten des damaligen Außenseiters ausschlagen.
Am Ende der Eröffnungsmesse stand eine Bitte, die über das Kirchenpolitische hinauswies. Leo verlangte von den Kardinälen „Freimut und Loyalität“ und versprach, auch vertrauliche Reflexionen entgegenzunehmen. Während die Purpurträger in die Aula Paolo VI. hinübergingen, blieb das Bild eines Papstes, der sein Amt nicht allein zu führen gedenkt – und der die leise, aber beharrliche Arbeit des Webens dem lauten Wortgefecht vorzieht.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Papst Leo führt einen aggressiven Feldzug gegen die Lehre vom gerechten Krieg und argumentiert, sie sei zu einem Vorwand für Angriffe auf Feinde geworden. Seine Antikriegsbotschaft beim Konsistorium und in seiner ersten Enzyklika hat scharfe Kritik des US-Präsidenten hervorgerufen und die Haltung des Vatikans als direkte Herausforderung der Sicherheitspolitik dargestellt.
Papst Leo, ein geschickter Weber der Einheit, versammelte die Kardinäle, um globales Leid und die Kultur der Macht anzugehen, und forderte, Konflikte als Menschen und nicht als Bestien zu lösen. Das Konsistorium wird als weiterer Beweis seiner inspirierten Führung gefeiert, die darauf abzielt, Brücken zu bauen und die Brüche der heutigen Welt im Namen des Evangeliums zu heilen.
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