
Neue Pegasus-Enthüllungen: Marokkos Spionageapparat und die digitale Konfrontation
Eine internationale Recherche deckt die Struktur des marokkanischen Überwachungsapparats auf, während Rabat die Vorwürfe bestreitet und eine Studie parallele digitale Angriffe auf das Königreich dokumentiert.
Ein von Forbidden Stories koordiniertes Konsortium aus 39 Journalisten hat neue Details zur Nutzung der israelischen Spähsoftware Pegasus durch marokkanische Sicherheitsbehörden veröffentlicht. Laut Zeugenaussagen ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter, die unter dem Pseudonym „Safir“ auftraten, betrieb die Generaldirektion für Territorialüberwachung (DGST) unter der Aufsicht des als „Vizekönig“ bezeichneten Fouad Ali El Himma ein strukturelles Überwachungssystem. Die Software sei über die Vereinigten Arabischen Emirate finanziert und für hochrangige Ziele eingesetzt worden, darunter Journalisten, Menschenrechtsverteidiger, Diplomaten sowie Staatschefs wie Emmanuel Macron und Pedro Sánchez. Das forensische Labor von Amnesty International hat die technischen Belege unabhängig verifiziert.
Aus marokkanischer Sicht handelt es sich um eine Fortsetzung haltloser Anschuldigungen, die seit 2021 erhoben werden. Die Regierung in Rabat bestreitet Besitz und Einsatz von Pegasus und hat in Frankreich und Spanien Verleumdungsklagen eingereicht. Das marokkanische Medium Hespress verweist auf Widersprüche in den Zeugenaussagen: Ein ehemaliger NSO-Mitarbeiter und eine weitere Quelle aus dem Technologiesektor erklärten, keine Kenntnis von Zahlungen der Emirate für Marokko zu haben. Die frühere französische Verteidigungsministerin Florence Parly gab vor dem Untersuchungsrichter an, sich an nichts zu erinnern und hege keinen Verdacht gegen einen bestimmten Dienst. Das spanische Nationalgericht stellte das Verfahren im Juli 2023 mangels Beweisen und wegen fehlender Kooperation Israels ein. Ungeachtet der Vorwürfe erkannte Frankreich im Oktober 2024 die marokkanische Souveränität über die Westsahara an, und die Beziehungen zwischen Madrid und Rabat entwickelten sich zu einer strategischen Partnerschaft.
Algerische Medien und Betroffene werten die Enthüllungen als Beleg für ein repressives Bündnis zwischen Marokko, Israel und den Emiraten. Die algerische Botschafterin in Madrid, Taous Feroukhi, gehörte laut dem spanischen Blatt El Confidencial zu den ausgespähten Diplomaten. Der sahrauische Akademiker Mohamed Bachir Lahsen, selbst Opfer der Überwachung, erklärte gegenüber Echorouk, der Einsatz israelischer Technologie offenbare den Charakter eines „Besatzungsregimes“, das Spionagemittel statt Entwicklung fördere. Die Betroffenen kündigten an, vor europäischen Gerichten Klage einzureichen.
Parallel zu den Spionagevorwürfen hat das Marokkanische Observatorium für Medien- und Digitalwachsamkeit eine Studie zur digitalen Begleitung der marokkanischen Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 vorgelegt. Die Untersuchung, die über 500 Beiträge auswertete, stellt fest, dass Marokko im digitalen Raum nicht nur sportlich, sondern auch als Projektionsfläche für identitätspolitische Polarisierung dient. Insbesondere von algerischen und ägyptischen Konten seien provokative und spöttische Inhalte verbreitet worden. Die Studie warnt, dass emotionale Reaktionen auf solche Inhalte die Gefahr digitaler Manipulation erhöhten.
Die spanische Justiz hat das Verfahren abgeschlossen, doch die neuen Recherchen könnten in anderen europäischen Ländern zu rechtlichen Schritten führen. Das Observatorium fordert eine verstärkte digitale Wachsamkeit. Der Fall Pegasus bleibt ein Brennpunkt im Spannungsfeld zwischen nordafrikanischer Sicherheitsarchitektur und europäischer Rechtsstaatlichkeit.
| Arabische Levante-Maghreb-Presse | −0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Südostasiatische Presse | −0.70 | critical |
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.80 | critical |
Marokkos Verteidiger weisen die Pegasus-Vorwürfe als unbegründet zurück und verweisen auf die diplomatischen Erfolge des Landes, während Kritiker dem Staat vorwerfen, israelische Spyware einzusetzen, um Dissens zum Schweigen zu bringen.
Durch die Gegenüberstellung der WM-Feierlichkeiten mit dem Spionageskandal schafft der Block eine moralische Gleichwertigkeit, die es jeder Seite ermöglicht, das moralische Überlegenheitsgefühl für sich zu beanspruchen.
Die defensiven Narrative lassen das detaillierte Zeugnis eines ehemaligen marokkanischen Geheimdienstagenten aus, das die Nutzung von Pegasus bestätigt.
Der ehemalige Agent und das Untersuchungskonsortium decken Marokkos systematischen Einsatz von Pegasus zur Überwachung von Kritikern auf und enthüllen ein Missbrauchsmuster, das die höchsten Sicherheitsebenen betrifft.
Indem die Erzählung das Zeugnis eines Whistleblowers in den Mittelpunkt stellt, gewinnt sie durch direkte Zeugenaussagen an Glaubwürdigkeit, was die Vorwürfe schwer abweisbar macht.
Der Bericht enthält weder Marokkos offizielle Dementis noch das Gegennarrativ einer Verleumdungskampagne.
Die Untersuchung enthüllt den 'Vizekönig' von Marokko und sein Bureau 21 als die Drahtzieher eines riesigen Spionageapparats, der sowohl inländische Dissidenten als auch internationale Führungspersönlichkeiten ins Visier nimmt.
Indem die Erzählung das Überwachungssystem in einer einzigen mächtigen Figur personifiziert, vereinfacht sie einen komplexen Staatsapparat zu einem klaren Bösewicht, was die Geschichte fesselnder und anklagender macht.
Der Artikel lässt den WM-Kontext und Marokkos diplomatische Errungenschaften aus und konzentriert sich ausschließlich auf die Spionagedimension.
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