
Nach WM-Auftakt: Vielstimmige Kritik an Cristiano Ronaldo – Portugals Kapitän im Zentrum des Sturms
Ein 41-jähriger Stürmer, eine enttäuschende Nullnummer und eine Schwester, die Öl ins Feuer gießt – der missglückte WM-Start Portugals gegen die DR Kongo entfacht eine Debatte über Ego, Alter und die Grenzen einer Legende.
Das 1:1-Unentschieden Portugals gegen die Demokratische Republik Kongo zum Auftakt der Weltmeisterschaft 2026 hat eine Welle der Kritik losgetreten, deren Zentrum unverrückbar Cristiano Ronaldo ist. Der 41-jährige Kapitän, der mit seinem Einsatz zum ältesten Feldspieler in der Startelf einer WM-Partie wurde, blieb nicht nur torlos, sondern lieferte eine insgesamt blasse Vorstellung ab. Mit nur 25 Ballkontakten in 90 Minuten – dem niedrigsten Wert seiner Karriere in einem großen Turnier – und zwei vergebenen Chancen war der Auftritt des Al-Nassr-Stürmers Wasser auf die Mühlen derer, die seine Rolle im Team seit Langem hinterfragen. Dass Lionel Messi nur einen Tag zuvor mit einem Hattrick Argentinien zum Sieg geführt hatte, verschärfte die vergleichende Wahrnehmung auf globaler Ebene zusätzlich.
Die Kritik speist sich aus unterschiedlichsten Quellen und geografischen Perspektiven. Aus Kinshasa kam die wohl entlarvendste Analyse: Der kongolesische Mittelfeldspieler Ngal’ayel Mukau erklärte unumwunden, sein Team habe keinen speziellen Plan für Ronaldo entworfen, da dieser „nicht mehr derselbe sei wie früher“ und „ein bisschen älter“ geworden sei. In den europäischen Studios legte der französische Weltmeister Thierry Henry den Finger in eine andere Wunde. Er warf Ronaldo Egoismus vor und sezierte eine Szene, in der der Stürmer einen Pass auf den besser postierten Bruno Fernandes abfing, anstatt den Raum für den Mitspieler zu öffnen. „Das Team muss Tore schießen, nicht du“, lautete Henrys vernichtendes Urteil, das von Medien in Spanien, Italien und Indonesien aufgegriffen wurde. In Lissabon wiederum goss Ronaldos Schwester Katia Aveiro zusätzlich Öl ins Feuer, indem sie in den sozialen Medien einen Beitrag likte, der Fernandes mangelnde Leistung für das Nationalteam im Vergleich zu Manchester United vorwarf – ein familiärer Seitenhieb, der die innere Geschlossenheit der Seleção fraglich erscheinen lässt.
Während die portugiesische Presse von „A Bola“ bis „Record“ mit Titeln wie „So funktioniert es nicht“ und „Erschreckende Leistung“ kaum ein gutes Haar an der Mannschaft ließ, richtete sich der Blick der Analysten zunehmend auf Trainer Roberto Martínez. Der Spanier verteidigte seine Entscheidung, Ronaldo trotz Wirkungslosigkeit durchspielen zu lassen, mit dem Argument, man nehme den besten Torschützen der Welt nicht vom Feld, wenn man ein Tor brauche. Britische Experten wie Chris Sutton nannten dies „beschämend“ und warfen Martínez vor, Angst vor dem Superstar zu haben. Der mit Ronaldo befreundete Journalist Edu Aguirre hingegen sprang dem Kapitän im spanischen Fernsehen bei und forderte, das „Super-Mittelfeld“ um Vitinha, Bruno Fernandes und Bernardo Silva müsse endlich die Hälfte von Ronaldos Siegermentalität zeigen.
Jenseits der persönlichen Befindlichkeiten offenbart der Fehlstart ein strukturelles Dilemma. Ronaldo hat nun in zehn aufeinanderfolgenden Spielen bei Welt- und Europameisterschaften kein Tor mehr erzielt; seit seinem letzten Treffer gegen Ghana 2022 gab er 33 Schüsse ab, elf davon aufs Tor, allesamt erfolglos. Die Statistiken untermauern, was Beobachter aus Washington bis Peking konstatieren: Der einstige Flügelstürmer, der sich zum Mittelstürmer wandelte, findet in der Box nicht mehr die Räume, die er einst selbst schuf. Martínez’ Alternative, Gonçalo Ramos, saß zunächst auf der Bank und kam erst spät für einen Mittelfeldspieler – ein Signal, das die Hierarchie im Team zementiert.
Die nächste Partie gegen Usbekistan wird so zur richtungsweisenden Prüfung. Ein erneuter Fehltritt könnte Portugal in der Gruppe K, in der Kolumbien bereits vorlegt hat, in arge Bedrängnis bringen und die Debatte um Ronaldo endgültig vom Feuilleton in die taktische Realität zwingen. Noch beschwört der Kapitän in den sozialen Medien den Glauben an eine Wende: „Es ist weit entfernt vom Ende.“ Doch die Indizien mehren sich, dass der unbedingte Wille allein nicht mehr genügt, um die Gesetze der sportlichen Biologie auszuhebeln.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
2 Mediengruppen · 3 Sprachen
Lateinamerikanische Medien weiden sich am Flop von Cristiano Ronaldo. Kommentatoren nennen ihn einen 'Ex-Spieler in Aktivität', ein kongolesischer Gegner sagt, er sei 'alt, nicht mehr derselbe', und Thierry Henry wirft ihm Egoismus vor. Der Ton trieft vor Ironie und Schadenfreude über den Niedergang des Superstars.
Golf-Medien, insbesondere saudische, berichten mit einer Mischung aus Distanz und subtiler Sympathie über die heftigen Angriffe der portugiesischen Presse auf Cristiano Ronaldo. Sie heben die Verteidigung von Trainer Martínez hervor, es wäre sinnlos, den besten Torschützen der Geschichte auszuwechseln, und merken an, dass der Al-Nassr-Star von den Medien seiner Heimat keine Gnade bekam. Der Rahmen trägt einen Unterton von Opferrolle und deutet an, die Kritik sei übertrieben.
Verwandte Artikel
Cunha-Doppelpack und Vinícius-Tor: Brasilien siegt 3:0 gegen Haiti
6 Sprachen · 29 Quellen
Kriminalität & KatastrophenGüterzugkollision in München: Ein Toter, zwei Waggons stürzen von Brücke
10 Sprachen · 17 Quellen
SportPionier des neuen Mundschutz-Verbots: Almiron sieht historischen Platzverweis
7 Sprachen · 23 Quellen