
Nach Ultimatum xenophober Gruppen: Massenflucht aus Südafrika und diplomatischer Streit
Afrikanische Regierungen evakuieren tausende Landsleute, während Pretoria Kompensationsforderungen Nigerias ablehnt und die Debatte über irreguläre Migration eskaliert.
Nachdem anti-migrantische Gruppierungen in Südafrika eine selbst gesetzte Frist zum 30. Juni für die freiwillige Ausreise undokumentierter Ausländer durchgesetzt hatten, befinden sich tausende afrikanische Migranten auf der Flucht. Videos in sozialen Netzwerken zeigen, wie Bewaffnete Hausdurchsuchungen durchführen und Familien auf offener Straße vertreiben; in Kapstadt, Durban und Johannesburg kam es zu gewaltsamen Übergriffen. Aus nigerianischen Regierungskreisen verlautete, dass mindestens zwei Mosambikaner, ein Äthiopier und ein Malawier getötet wurden, während ghanaische Diplomaten den Tod eines ihrer Staatsbürger als Folge der Unruhen beklagen – eine Darstellung, die Pretoria als „faktisch falsch“ zurückweist.
Mehrere afrikanische Staaten haben in den vergangenen Wochen Evakuierungsflüge organisiert. Nigeria, Kenia, Ghana, Malawi und Mosambik brachten in staatlich koordinierten Missionen insgesamt mehrere tausend Menschen außer Landes. Allein Nigeria repatriierte nach Angaben des amtierenden Hochkommissars mit drei Flügen 801 seiner Bürger; die letzte Maschine landete am 3. Juli mit 268 Personen in Lagos. Das kenianische Außenministerium meldete die Rückkehr von 151 Staatsbürgern und setzte eine Registrierungsfrist bis zum 7. Juli für einen abschließenden Flug am 9. Juli. Von den nach südafrikanischen Schätzungen 25.000 ausgereisten Ausländern blieb jedoch ein Teil zurück: Aus Sicherheitskreisen hieß es, Nigerianer hätten sich in der Provinz Gauteng mit Macheten bewaffnet, um ihr Eigentum zu verteidigen; die Polizei versuchte, eine Konfrontation zu verhindern.
Die humanitäre Krise wird von einem sich zuspitzenden diplomatischen Konflikt überlagert. Die nigerianische Regierung kündigte an, Verluste ihrer Bürger an Geschäfts- und Immobilienwerten zu dokumentieren, um auf offiziellem Weg Entschädigungszahlungen von Südafrika zu fordern. Die Ministerin im Präsidialamt, Khumbudzo Ntshavheni, wies dies scharf zurück: Rechtmäßig erworbene Immobilien seien im Grundbuch registriert und könnten jederzeit veräußert werden; für Hütten in illegalen Squatter-Camps komme eine Kompensation nicht in Betracht. Zudem forderte sie die nigerianische Seite auf, „die Drogenhöhlen der Nigerianer zu zeigen“, was der ehemalige Senator Shehu Sani als „Straßensprache“ eines hochrangigen Regierungsvertreters brandmarkte. Ntshavheni bekräftigte ihre Aussage und bestand darauf, dass illegal erworbenes Eigentum nicht entschädigt werde. Auch zwischen Accra und Pretoria hat sich eine diplomatische Verstimmung ergeben, nachdem die Versionen über den Tod des Ghanaers Bashiru Isak auseinandergehen.
Beobachter in Johannesburg führen das Wiederaufflammen der fremdenfeindlichen Gewalt auf eine Mischung aus wirtschaftlichem Niedergang und institutioneller Erosion zurück. Die Arbeitslosigkeit unter jungen Südafrikanern liegt bei über 45 Prozent, und die regierende Partei ANC steht wegen grassierender Korruption und Versagens bei den öffentlichen Diensten in der Kritik. In der südafrikanischen Öffentlichkeit wird die Präsenz von geschätzten drei bis vier Millionen Migranten – viele davon aus Simbabwe, Mosambik und Malawi – verbreitet als Bedrohung für Arbeitsplätze und soziale Leistungen wahrgenommen. Afrikanische Regierungen in Lagos, Nairobi und Accra verurteilen die Gewalt, bestehen jedoch gleichzeitig auf einer strikteren Trennung zwischen der Bekämpfung irregulärer Migration mit rechtsstaatlichen Mitteln und bürgerkriegsähnlichen Exzessen. Beide Seiten haben Gespräche auf höchster Ebene angekündigt; eine unmittelbare Einigung über Entschädigungen oder Schutzmaßnahmen zeichnet sich nicht ab.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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