
Musk nennt Le Pen „letzte Hoffnung Frankreichs“ – Paris reagiert mit Distanz
Der amerikanische Milliardär Elon Musk hat sich offen für die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen ausgesprochen, während die Kandidatin selbst und die Regierung in Paris auf Abstand gehen.
Elon Musk, Eigentümer der Plattform X, hat Marine Le Pen am Mittwoch öffentlich als „letzte Hoffnung Frankreichs“ bezeichnet und damit erstmals nach der offiziellen Wiederaufnahme ihrer Präsidentschaftskampagne eine ausdrückliche Wahlempfehlung abgegeben. Die Vorsitzende des Rassemblement National (RN) hatte wenige Tage zuvor ihre Kandidatur für die Wahl 2027 bekräftigt, nachdem ein Berufungsgericht ihre Sperre für öffentliche Ämter auf fünfzehn Monate verkürzt hatte – eine Frist, die durch die erstinstanzliche Verurteilung vom März 2025 bereits als verbüßt gilt. Musk, der zuvor lediglich von einer „Verfolgung“ Le Pens gesprochen und sie ermutigt hatte, trotz des Verfahrens anzutreten, verband sein Bekenntnis nun mit der Weiterverbreitung von Umfragedaten, die die RN-Chefin mit 35 bis 36 Prozent der Stimmen deutlich in Führung sehen.
Aus der französischen Regierung kam eine kühl-distanzierte Reaktion. Außenminister Jean-Noël Barrot verwies auf X mit dem Sprichwort „Nur Narren ändern ihre Meinung nicht“ auf die Möglichkeit eines Sinneswandels, ohne den Vorgang direkt als Einmischung zu werten. Deutlicher wurde die europapolitische Opposition: Die Horizons-Abgeordnete Nathalie Loiseau nannte Musk einen „Mann, der europäische Gesetze missachtet und die extremsten Parteien überall in Europa unterstützt“, während der Linksfraktionspolitiker Antoine Léaument von „ausländischer Einmischung“ sprach und die Medienaufsichtsbehörde Arcom zum Einschreiten aufforderte. Das RN selbst hüllte sich in auffälliges Schweigen; bis zum Abend hatte keine Führungsfigur die Äußerung kommentiert.
Die Zurückhaltung der Partei erklärt sich aus Sicht Pariser Beobachter durch das strategische Bemühen, sich von Donald Trump und dessen Umfeld zu distanzieren. Le Pen hatte zuletzt mehrfach betont, der amerikanische Präsident habe „genau das Gegenteil dessen getan, was er versprochen hat“, und warf ihm eine Rückkehr zu „einer Form von Imperialismus“ vor. Die offene Unterstützung durch Musk, der als Architekt des Trump-nahen „MAGA“-Lagers gilt und bereits der deutschen AfD sowie dem rumänischen Nationalisten Călin Georgescu seine Gunst bezeugt hatte, droht diese Abgrenzungslinie zu verwischen. In Brüssel wird Musks Vorgehen als Teil einer längerfristigen Strategie gedeutet, mit der er über algorithmische Reichweite und öffentliche Stellungnahmen die politischen Kräfteverhältnisse in Europa zugunsten populistischer und nationalistischer Bewegungen zu verschieben sucht.
Die rechtliche Grundlage für Le Pens Kandidatur bleibt prekär. Das Pariser Berufungsgericht verhängte neben der bereits abgelaufenen Ämtersperre eine einjährige Haftstrafe mit elektronischer Fußfessel, deren Vollstreckung Le Pen durch eine Revision vor dem Kassationshof hinauszögert. Die höchstrichterliche Entscheidung steht noch aus; bis dahin kann sie formal unbehelligt Wahlkampf führen. Die nächste Präsidentschaftswahl ist für April 2027 angesetzt, und der RN betrachtet sie als seine bislang aussichtsreichste Gelegenheit, nach einem Jahrzehnt macronistischer Präsidentschaften den Élysée-Palast zu erobern.
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