
Exportgetriebenes Wachstum und sinkende Inflation verdecken soziale Verwerfungen
Während Argentinien und Mexiko positive Konjunkturdaten vermelden, zeigen Brasilien und Spanien, dass die Teuerung die Ärmsten überproportional trifft und der Konsum nur dank Bevölkerungszuwachs steigt.
Das argentinische Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Quartal 2026 um 2,3 Prozent zum Vorjahr, getragen von Agrarwirtschaft, Fischerei, Bergbau und Exporten. Die Industrieproduktion schrumpfte dagegen um 1,7 Prozent, der Einzelhandel um 0,3 Prozent. Präsident Milei wertete die Zahlen als Widerlegung von „Lügen“ über eine angebliche Depression. Ökonomen in Buenos Aires verweisen jedoch darauf, dass der private Konsum (+2,7 Prozent) stark von Importen und Auslandsausgaben sowie von Einkommenszuwächsen im informellen Sektor gespeist wird. Die Arbeitslosigkeit stieg auf 7,8 Prozent, die Informalität auf 44 Prozent, und die Bankenmora erreichte mit 12,1 Prozent den höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten. Die Investitionsquote fiel auf 17,2 Prozent der Wirtschaftsleistung – einer der niedrigsten Werte der Geschichte.
In Mexiko sank die Gesamtinflation in der ersten Junihälfte überraschend auf 3,55 Prozent, den tiefsten Stand seit Oktober. Der Rückgang geht fast vollständig auf die volatilen Preise für Obst und Gemüse zurück; die Kerninflation verharrt bei 4,12 Prozent, getrieben von Dienstleistungen (4,57 Prozent), die laut Analysten in Mexiko-Stadt auch durch den Tourismus rund um die Fußball-Weltmeisterschaft gestützt werden. Die Notenbank Banxico dürfte am heutigen Donnerstag den Leitzins unverändert bei 6,50 Prozent belassen. Die Wirtschaftsaktivität legte im April um 1,2 Prozent zum Vormonat zu, vor allem dank Bau und Dienstleistungen.
Brasiliens Inflationsdaten für Mai offenbaren eine regressive Lastenverteilung: Für Haushalte mit sehr niedrigem Einkommen betrug die Teuerung 0,83 Prozent, mehr als das Doppelte der 0,38 Prozent für Spitzenverdiener. Nahrungsmittel im Haushalt (+1,65 Prozent) und Strom (+3,67 Prozent) trafen die Armen überproportional, wie das Institut für angewandte Wirtschaftsforschung (Ipea) hervorhebt. Die Mitte des Monats erwartete IPCA-15-Vorabschätzung dürfte sich zwar abschwächen, bleibt aber erhöht. Der jüngste Ölpreisrückgang schlägt wegen staatlicher Preiseingriffe und der verzögerten Weitergabe von Dieselkosten noch nicht auf die Zapfsäulenpreise durch. Zudem birgt das Wetterphänomen El Niño Aufwärtsrisiken für die Nahrungsmittelpreise.
Spanien bestätigte ein Quartalswachstum von 0,6 Prozent, getrieben vom privaten Konsum (+0,6 Prozent), der jedoch maßgeblich auf das Bevölkerungswachstum durch Zuwanderung zurückgeht; der reale Pro-Kopf-Verbrauch hat seit der Pandemie kaum zugelegt. Das Wirtschaftsministerium verwies auf einen Anstieg der Stundenproduktivität um 1,0 Prozent. Die nächsten Wegmarken sind die heutige Zinsentscheidung der Banxico, die morgige Veröffentlichung des brasilianischen IPCA-15 sowie die weitere fiskalische und monetäre Feinsteuerung in Argentinien, während die Ölpreisentwicklung und die globalen Handelsspannungen als externe Risikofaktoren fortbestehen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die mexikanische Inflation sank Anfang Juni auf 3,55 % und lag damit die zweite Zweiwochenperiode in Folge im Zielkorridor der Zentralbank, begünstigt durch sinkende Agrarpreise. Doch das argentinische BIP-Wachstum von 2,3 % im Jahresvergleich verdeckt tiefe sektorale und soziale Gräben: Während Agrarexporte und Finanzwesen boomen, schrumpfen verarbeitendes Gewerbe und Einzelhandel, und die Kaufkraft schwindet weiter.
Der gemeldete Rückgang der mexikanischen Inflation auf 3,55% wird mit Skepsis aufgenommen, da die Dienstleistungspreise hartnäckig bleiben und der offizielle Optimismus an jene Beschwichtigungen erinnert, die oft unangenehmen Überraschungen vorausgehen. Die Erfolgsgeschichte wirkt angesichts anhaltender Kostendrücke verfrüht, ganz ähnlich wie die anderswo zu hörenden Dementis von Benzinpreissprüngen.
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