
Metformin verlangsamt Makuladegeneration – neue Daten, alte Lücken
Eine Beobachtungsstudie weist auf ein vermindertes Fortschreiten der altersbedingten Sehverschlechterung unter dem Diabetesmedikament hin; währenddessen bleibt die Zuckerkrankheit global oft unentdeckt.
Das Fortschreiten der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) war bei Typ-2-Diabetikern, die über fünf Jahre durchgängig Metformin einnahmen, um 37 Prozent geringer als ohne diesen Wirkstoff. Das zeigt eine Analyse von rund 2.000 Patientendaten, publiziert im BMJ Open Ophthalmology. Die Aktivierung des zellulären Energiesensors AMPK durch Metformin reduziert oxidativen Stress und Entzündungsvorgänge in der Netzhaut – einen plausiblen Mechanismus für den beobachteten Schutzeffekt. Allerdings handelt es sich um eine Beobachtungsstudie; eine Kausalität lässt sich daraus nicht ableiten. Für eine Änderung der klinischen Praxis bedarf es prospektiver, randomisierter Studien.
Die Verbindung von Diabetes und Sehverlust ist kein neues Phänomen. Katarakte, weltweit für rund 45 Prozent aller Erblindungen verantwortlich, werden oft als unvermeidliches Altersleiden hingenommen, obwohl ein kurzer chirurgischer Eingriff die Sehkraft wiederherstellt. In Ländern wie Indonesien bleiben derweil schätzungsweise 70 Prozent der schätzungsweise 20 Millionen Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes undiagnostiziert. Dadurch steigt das Risiko für Komplikationen an Niere, Herz und Augen. Fachgesellschaften drängen daher auf regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen schon ab dem 50. Lebensjahr.
Die individualisierte Therapie gewinnt an Bedeutung. So können SGLT2-Hemmer nicht nur den Blutzucker senken, sondern auch das Fortschreiten von Nierenschäden bremsen. Gleichzeitig fordern Endokrinologen, die Zielwerte des LDL-Cholesterins strikt nach kardiovaskulärem Risiko zu staffeln: für Patienten mit bereits erlittenem Herzinfarkt oder Schlaganfall gelten Werte unter 55 mg/dl, während bei fehlenden Komplikationen unter 100 mg/dl ausreichend sein können. Die Funktion der Niere entscheidet zudem über die Verträglichkeit vieler Antidiabetika.
Über die Augenheilkunde hinaus mehren sich Hinweise auf präventive Effekte durch Impfungen. Eine Studie mit über 500.000 Pflegeheimbewohnern in den USA zeigte eine um 5,8 Prozentpunkte niedrigere Demenzrate bei Personen, die eine Gürtelrose-Impfung erhalten hatten. Der Mechanismus – eine verminderte neuroinflammatorische Belastung nach Unterdrückung des Varicella-Zoster-Virus – wird intensiv beforscht. Vorerst bleibt die Früherkennung von Risikofaktoren das Gebot der Stunde, denn weder Metformin noch Impfungen können eine unerkannte Erkrankung ersetzen.
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