
Meta verlässt Ökostrom-Initiative – KI-Boom überfordert Klimaziele der Tech-Konzerne
Der Austritt Metas aus der RE100-Allianz offenbart, wie die rapide Expansion von Rechenzentren die Energie- und Wasserversorgung weltweit unter Druck setzt und Unternehmensversprechen aushöhlt.
Mit dem Austritt aus der globalen Ökostrom-Initiative RE100 hat Meta ein deutliches Signal gesetzt: Die Expansion der eigenen Rechenzentren verträgt sich nicht länger mit dem Versprechen, den Stromverbrauch vollständig aus erneuerbaren Quellen zu decken. Der Konzern, der 2016 der Allianz beigetreten war, begründet den Schritt mit Investitionen in neue Gaskraftwerke – allein zehn sollen das Rechenzentrum Hyperion in Louisiana versorgen. Ein ähnliches Bild bei Microsoft: Der Windows-Konzern kauft künftig direkt Gasstrom von Chevron für ein Rechenzentrum in West-Texas und meldete zugleich einen Anstieg der eigenen Treibhausgasemissionen um 25 Prozent. Die rapide wachsende Nachfrage durch KI-Anwendungen und Cloud-Dienste hebelt mühsam aufgebaute Klimafortschritte aus, so der Tenor von Umweltorganisationen.
Die quantitativen Dimensionen sind erheblich. Mexikos nationales Stromnetz registrierte jüngst mit 54.300 Megawatt einen neuen Höchstwert. Die staatliche Elektrizitätsgesellschaft CFE führt dies maßgeblich auf die energieintensive Industrie und neue Datenzentren zurück, deren Projekte heute mit 200 bis 300 Megawatt das Dreissigfache klassischer Industrieparks beanspruchen. In Italien summieren sich die Anschlussgesuche für das Hochspannungsnetz auf 96 Gigawatt – das 160-Fache der derzeit in Rechenzentren installierten Leistung. Der Netzbetreiber Terna wertet die Anträge als überwiegend spekulativ, doch schon ein Bruchteil realisierter Projekte würde das System in wenigen Jahren an Belastungsgrenzen führen. Irland liefert einen Vorgeschmack: Dort absorbieren Serverfarmen bereits ein Viertel der landesweit erzeugten Elektrizität.
Neben dem Stromhunger tritt der immense Wasserverbrauch. Ein einzelnes Hyperscale-Rechenzentrum kann täglich 19 Millionen Liter Wasser für die Kühlung benötigen – so viel wie eine Stadt mit 50.000 Einwohnern. In Querétaro, Mexikos Zentren-Hochburg mit ohnehin angespannter Wasserversorgung, berichten Gemeinden von vermehrten Stromausfällen und Wasserknappheit. Google hat zwar ein 500-Millionen-Dollar-Programm aufgelegt, um bis 2030 „wasserpositiv“ zu werden, und plant 165 Projekte in 97 gefährdeten Wassereinzugsgebieten. Doch die Lücke zwischen Anspruch und Praxis wächst. Aus Brüsseler Sicht existieren strikte Umweltauflagen, doch gerade in Lateinamerika erlaubt ein regulatorisches Vakuum den Bau ohne umfassende Folgenabschätzung.
Die entscheidende Frage lautet, ob die Netzinfrastruktur – vor allem in Europa – mit dem Tempo des KI-Booms mithalten kann. Netzbetreiber wie Terna müssen über die Dringlichkeit der Anschlüsse entscheiden und spekulative Buchungen aussortieren. Gleichzeitig zwingt die EU-Berichterstattung nachhaltiger Unternehmensführung die Tech-Konzerne zu mehr Transparenz. Der nächste Stolperstein zeichnet sich ab: Sollten immer mehr Betreiber auf fossile Brückentechnologien setzen, dürften strengere Regulierung oder Marktmechanismen den Kostenvorteil zunichtemachen. Die Diskrepanz zwischen digitaler Modernisierung und ökologischen Zusagen wird damit zu einem zentralen wirtschaftspolitischen Prüfstein der kommenden Jahre.
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