
Afrikanische Entwicklungsbank beziffert Schäden eines Super-El-Niño auf bis zu 20 Milliarden Dollar
Erstmals legt eine multilaterale Bank eine Schätzung vor; betroffene Länder in Afrika und Lateinamerika zeigen sich unterschiedlich vorbereitet.
Erstmals hat eine multilaterale Entwicklungsbank die wirtschaftlichen Folgen eines extremen El-Niño-Ereignisses für Afrika in Zahlen gefasst. Anthony Nyong, Klimachef der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB), warnte, ein drohender „Super-El-Niño“ könne auf dem Kontinent Schäden von 10 bis 20 Milliarden Dollar verursachen und das Bruttoinlandsprodukt besonders betroffener Staaten um ein bis zwei Prozent schmälern. Meteorologen sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die anhaltende Erwärmung des Pazifiks eine der stärksten Ausprägungen des Wetterphänomens seit 1950 hervorbringt – mit Dürren im südlichen Afrika, Überschwemmungen im Osten und verheerenden Stürmen.
Die Folgen reichen weit über die unmittelbare Gefährdung von Nahrungsmittel- und Wassersicherheit hinaus. Die AfDB befürchtet, dass beschädigte Infrastruktur die Staatsfinanzen und den Bankensektor belastet und hochverschuldete Länder in eine „Klimafinanzierungsfalle“ treibt, weil sie Mittel aus Gesundheit, Bildung und Infrastruktur für die Krisenbewältigung abziehen müssen. Der Preis für Mais, Grundnahrungsmittel in vielen betroffenen Regionen, könnte sich verdoppeln. Besonders verwundbar sind nach Bankangaben Sudan, Südsudan, die Demokratische Republik Kongo, Somalia, Mali, Burundi und Nigeria. Dort droht eine Massenflucht, warnte Nyong.
Während in Afrika erste Schadensszenarien beziffert werden, offenbart sich in Lateinamerika eine mangelhafte Vorbereitung. In Peru kritisierte die Handelskammer, dass der Staat in den Jahren 2022 bis 2024 mehr als 17 Milliarden Soles (rund 4,2 Milliarden Euro) zur Rettung des Staatsölkonzerns Petro-Perú aufwandte, zugleich aber Präventionsprojekte im Umfang von über 11,6 Milliarden Soles weitgehend unausgeführt blieben. Kolumbiens Versorger EPM müht sich, die Pegel der Stauseen zu heben, ist jedoch bei der zentralen Hidroituango-Talsperre durch Umweltauflagen und Betriebsvorschriften gebremst, die ein vorsorgliches Auffüllen verhindern. In Nigeria prognostiziert das Hungersfrühwarnsystem FEWS NET für Januar 2027 zwischen 16 und 17 Millionen Menschen mit akutem Nahrungsmangel – ein saisonaler Rückgang nach der Ernte, der aber über dem Fünfjahresdurchschnitt liegt.
Die AfDB bereitet für September ein bankweites Seminar vor, um die Folgen des El Niño für laufende und geplante Projekte zu analysieren. Sie ist bereit, Investitionen umzustrukturieren und zusätzliche Mittel bei internationalen Klimafonds wie dem Green Climate Fund zu mobilisieren. Afrika benötige in diesem Jahr bis zu 100 Milliarden Dollar für Klimaanpassung, so Nyong – eine Summe, die auch an die Adresse der großen Geberländer gerichtet ist.
| Arabische Levante-Maghreb-Presse | −0.30 | critical |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | −0.70 | critical |
| Chinesische Presse | 0.00 | neutral |
| Subsaharisch-afrikanische Presse | −0.50 | critical |
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