
Lula nennt Neymar „ersten Home-Office-Nationalspieler“ – ein Scherz mit politischem Nachhall
Brasiliens Präsident ironisierte die verletzungsbedingte Abwesenheit des Stürmers bei der WM und rührte damit an die politische Aufladung des Nationaltrikots.
Während eines Krankenhausbesuchs in Belo Horizonte hat der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva am Freitag den verletzten Stürmer Neymar als „ersten Home-Office-Nationalspieler der Welt“ bezeichnet. Die Bemerkung fiel, als Lula im Gespräch mit einem Kind auf die fußballerische Referenz des Jungen reagierte und feststellte, Neymar spiele derzeit gar nicht. Der Präsident griff damit einen im Internet kursierenden Scherz auf und fügte hinzu, man werde womöglich bald eine „Auswahl mit künstlicher Intelligenz – elf Pelés“ benötigen. Neymar fehlt der Seleção auch im zweiten Gruppenspiel gegen Haiti an diesem Abend, weil er sich von einer Wadenverletzung erholt, die er sich Mitte Mai im Trikot des FC Santos zugezogen hatte.
Aus dem Umfeld der brasilianischen Regierung wurde die Äußerung als spontane, humorvolle Interaktion während einer Veranstaltung zur Stärkung des öffentlichen Gesundheitswesens dargestellt. Beobachter in Brasilien verweisen jedoch auf die politische Vorgeschichte: Neymar hatte sich im Präsidentschaftswahlkampf 2022 offen für den rechten Amtsinhaber Jair Bolsonaro ausgesprochen, während das gelbe Nationaltrikot zu einem Symbol der Bolsonaro-Anhänger wurde. Vor diesem Hintergrund wertet ein Teil der brasilianischen Medien die Bemerkung Lulas nicht allein als scherzhafte Spitze, sondern auch als unterschwelligen Kommentar zur Distanz zwischen dem Staatschef und dem Starspieler. Internationale Agenturen wie AFP und die argentinische Zeitung „La Nación“ heben ebenfalls die politische Spannung hervor und erinnern an einen ähnlichen Vorfall aus dem Jahr 2006, als Lula vor der WM in Deutschland den damaligen Stürmer Ronaldo nach dessen Körpergewicht gefragt hatte.
Für die sportliche Leitung um Trainer Carlo Ancelotti steht indes die medizinische Vorsicht im Vordergrund. Nach Angaben des brasilianischen Fußballverbandes CBF soll Neymar in New Jersey ein individuelles Aufbauprogramm absolvieren, um für das dritte Gruppenspiel gegen Schottland am 24. Juni einsatzfähig zu sein. Der 34-Jährige hat seit Oktober 2023 kein Länderspiel mehr bestritten und war erst unmittelbar vor der WM in den Kader berufen worden, obwohl er sich am Tag zuvor erneut verletzt hatte. Die begrenzte Spielpraxis und die wiederkehrenden muskulären Probleme nähren in Teilen der brasilianischen Öffentlichkeit die Debatte, ob die Berufung des Rekordtorschützen primär sportlichen oder auch symbolischen Kriterien folgte.
Die Episode fügt sich in eine länger schwelende Auseinandersetzung um die Vereinnahmung der „Seleção“ im polarisierten politischen Klima Brasiliens. Während Lula bei früheren Gelegenheiten betonte, das Trikot müsse wieder ein einigendes nationales Symbol werden, hatte die bolsonaristische Bewegung es gezielt als Erkennungszeichen genutzt. Neymar selbst hat sich zu Lulas jüngstem Scherz bislang nicht öffentlich geäußert. Die nächste Gelegenheit für eine sportliche Antwort böte sich ihm frühestens im abschließenden Vorrundenspiel gegen Schottland in Miami.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Lulas Scherz über Neymar als ersten 'Homeoffice'-Einberufenen ist mehr als ein lockerer Spruch; er lässt die politischen Spannungen zwischen dem linken Präsidenten und dem Star, der 2022 offen Bolsonaro unterstützte, wieder aufleben. Die bei einem Krankenhaus-Termin gefallene Bemerkung wird als versteckte Spitze gegen die Abwesenheit des Spielers und seine politische Haltung gelesen.
Brasiliens Präsident scherzte, Neymar sei der erste Fußballer, der für eine WM einberufen wurde und im Homeoffice arbeitet – eine Anspielung auf seine Verletzungspause. Die Bemerkung wurde als lockerer Moment bei einem öffentlichen Termin wiedergegeben, ohne politische Untertöne.
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