
London streicht Zerstörer-Ersatz und setzt auf hybride Drohnen-Mutterschiffe
Die britische Regierung verabschiedet sich vom Bau neuer Lenkwaffenzerstörer und beschafft stattdessen sechs „Common Combat Vessels“, die als Einsatzplattformen für unbemannte Systeme dienen sollen.
Das Vereinigte Königreich hat die Planungen für die nächste Zerstörer-Generation vom Typ 83 aufgegeben. Stattdessen sollen ab den frühen 2030er-Jahren mindestens sechs sogenannte Common Combat Vessels (CCV) in Dienst gestellt werden, die als schwimmende Kommandozentralen für Drohnen und autonome Systeme konzipiert sind. Die Entscheidung ist Teil des seit Monaten erwarteten Defence Investment Plan (DIP), den der scheidende Premierminister Keir Starmer noch vor dem NATO-Gipfel Anfang Juli in der Türkei veröffentlichen will. Das Verteidigungsministerium in London begründet den Kurswechsel mit veränderten Bedrohungsbildern und der Notwendigkeit, Reichweite und Feuerkraft der Royal Navy ohne proportional steigende Besatzungsstärken und Kosten auszuweiten.
Aus Londoner Regierungskreisen verlautet, die neuen Hybridschiffe seien eine unmittelbare Reaktion auf die verstärkte russische U-Boot-Aktivität im Nordatlantik und die Gefährdung kritischer Unterwasserkabel. Verteidigungsminister Dan Jarvis erklärte, die CCVs würden unbemannte Systeme in der Luft, an der Oberfläche und unter Wasser koordinieren und gemeinsam mit bemannten Fregatten der Typen 26 und 31 operieren. Zusätzlich fließen 500 Millionen Pfund in die Ausstattung der Commando Force mit Schnellbooten und Angriffsdrohnen, vorrangig für Einsätze im Hohen Norden. Der frühere Verteidigungsminister John Healey war im Streit über die Finanzausstattung des DIP zurückgetreten; sein Nachfolger Jarvis konnte nach Angaben aus dem Ministerium zusätzliche 14,5 Milliarden Pfund durchsetzen – eine Summe, die der ehemalige Generalstabschef Admiral Sir Tony Radakin dennoch als unzureichend bezeichnete und den künftigen Premier aufforderte, im Laufe der Legislaturperiode weitere Mittel bereitzustellen.
Die Abkehr vom klassischen Zerstörerbau markiert nach Einschätzung britischer Militärplaner den tiefgreifendsten doktrinären Wandel der Royal Navy seit Jahrzehnten. An die Stelle weniger hochwertiger, schwer bewaffneter Großkampfschiffe tritt ein verteiltes Netzwerk aus bemannten und unbemannten Plattformen. Drohnen, die von den CCVs aus gesteuert werden, sollen Aufklärungs-, Elektronische Kampf- und Minenabwehraufgaben sowie Angriffsmissionen in einer Distanz von mehreren hundert Kilometern zum Mutterschiff übernehmen. Damit reagiert die Marineführung auch auf den anhaltenden Personal- und Materialverschleiß, der die Einsatzbereitschaft der bestehenden sechs Type-45-Zerstörer zunehmend einschränkt.
Die Neuausrichtung fügt sich in einen globalen Trend zur Integration unbemannter Systeme in Seekriegsflotten. Während die US-Marine Drohnenschwärme für einen möglichen Konflikt mit China entwickelt und die Ukraine ihre Beschaffung von Kampfdrohnen massiv ausweitet, hat das russische Verteidigungsministerium einen Technischen Rat für maritime Drohnensysteme eingerichtet und plant die Aufstellung von Drohnenregimentern in allen Flotten. Der britische DIP soll in den kommenden Tagen offiziell vorgelegt werden; die Auslieferung der ersten CCVs wird für den Beginn des nächsten Jahrzehnts erwartet.
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Großbritannien gibt die nächste Zerstörergeneration auf und setzt stattdessen auf hybride Kriegsschiffe, die Drohnen einsetzen können. Der Schritt, ausgelöst durch die verstärkte russische U-Boot-Aktivität im Atlantik, ist pragmatisch, wirft aber Fragen zur künftigen Kampfkraft auf.
Angesichts der unbestreitbaren Wirksamkeit russischer U-Boot-Patrouillen muss Großbritannien seine Zerstörerambitionen aufgeben und sich mit billigeren Hybridschiffen begnügen. Dieser Rückzug offenbart die Verwundbarkeit der Royal Navy und Moskaus wachsenden Einfluss im Atlantik.
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