
Licht als Gesundheitsfaktor: Hautkrebszahlen steigen, während künstliche Helligkeit den Schlaf stört
Die Melanom-Inzidenz in Kanada sprang binnen eines Jahres um 17 Prozent; parallel warnen Schlafforscher vor den Langzeitfolgen nächtlicher Beleuchtung.
Die Zahl der diagnostizierten Melanome in Kanada ist zwischen 2023 und 2024 um 17 Prozent gestiegen, wie Mélanome Canada mitteilt. Jährlich erhalten rund 11.300 Menschen im Land die Diagnose, etwa 1.200 sterben daran. Diese Entwicklung fällt in eine Zeit, in der in sozialen Netzwerken zunehmend grundlose Warnungen vor angeblichen Gefahren von Sonnenschutzmitteln kursieren. Aus Québecer Sicht betont der Dermatologe Joël Claveau, dass von pharmazeutisch geprüften Sonnencremes keine Todesfälle oder schweren Nebenwirkungen bekannt seien – im Gegensatz zu den Tausenden, die jährlich an Hautkrebs sterben. Die kanadische Dermatologenvereinigung rät zu einem multimodalen Schutz: Mittagssonne meiden, UV-Schutzkleidung tragen und auf unbedeckte Haut eine ausreichend dicke Schicht Sonnencreme auftragen.
Bei der Wahl des Produkts empfehlen die Fachgesellschaften einen Lichtschutzfaktor (LSF) von 30 bis 50, der bereits 98 Prozent der UVB-Strahlung blockiert. Entscheidend sei zudem der Schutz vor UVA-Strahlen, die vorzeitige Hautalterung und ebenfalls Krebs verursachen können; entsprechende Präparate tragen das Logo „UVA im Kreis“ oder den Hinweis „Breitspektrum“. Unterschieden wird zwischen physikalischen Filtern mit Titandioxid und Zinkoxid, die eine Barriere bilden, und chemischen Filtern, die UV-Strahlung absorbieren. Aus Schweden kommt indes eine Warnung vor Sonnenschutzsprays: Die eingeatmeten Aerosolpartikel können Titandioxid in die Lunge bringen, das dort als potenziell krebserregend gilt – eine Erkenntnis, die auf tierexperimentellen Studien und arbeitsmedizinischen Beobachtungen beruht. Der Aerosolforscher Jakob Löndahl von der Universität Lund rät, Sprays nicht bei Kindern anzuwenden und sie nur im Freien hautnah aufzusprühen, keinesfalls direkt ins Gesicht.
Der Schutz der Augen wird oft vernachlässigt. US-amerikanische Ophthalmologen der Johns Hopkins University bezeichnen Sonnenbrillen als „Sonnenschutz für die Augen“. UV-Strahlung kann Katarakte früher auslösen, Makuladegeneration verschlimmern und Wucherungen wie Pterygium hervorrufen, die im fortgeschrittenen Stadium die Sehkraft beeinträchtigen. Zudem entstehen fünf bis zehn Prozent aller Hautkrebsfälle an den Augenlidern. Moderne Brillengläser aus Polycarbonat bieten meist eingebauten UV-Schutz; eine getönte Brille reduziert zusätzlich Blendung und beugt Ermüdungserscheinungen vor.
Während tagsüber der Schutz vor solarer Strahlung im Vordergrund steht, warnen spanische Chronobiologen vor den Folgen künstlicher Beleuchtung in der Nacht. Das Schlafen bei eingeschaltetem Licht, sei es eine Lampe oder der Fernseher, hemmt die Melatoninproduktion und fragmentiert den Schlaf. María José Martínez Madrid von der Spanischen Schlafgesellschaft verweist auf die Verwirrung des zirkadianen Systems durch selbst schwaches Kunstlicht. Beobachtungsstudien bringen die nächtliche Lichtexposition mit Stoffwechselerkrankungen, Herz-Kreislauf-Leiden und einem erhöhten Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson in Verbindung. Die Spanische Gesellschaft für Neurologie unterstreicht, dass besonders junge Menschen empfindlich auf Lichtreize reagieren und völlige Dunkelheit für einen erholsamen Schlaf unabdingbar sei. Die Gesundheitsbehörden in Kanada und Europa intensivieren derzeit ihre Aufklärungskampagnen, um der Fehlinformation in den sozialen Medien entgegenzuwirken.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Licht hat zwei Seiten: Mit eingeschaltetem Licht zu schlafen stört den zirkadianen Rhythmus und kann langfristig zu Schlaf- und Gesundheitsproblemen führen. Andererseits ist der Schutz der Augen vor der Sonne mit einer Sonnenbrille ein echtes Bedürfnis, das jedoch von der individuellen Situation abhängt und für Brillenträger nicht immer zwingend ist. Fachleute geben sachliche, praktische Ratschläge und mahnen zu einem bewussten Umgang mit Licht und Schutz.
Angesichts einer Hautkrebsepidemie ist Sonnenschutz unverzichtbar, und Sonnencremes sind sicher – trotz der Falschmeldungen in den sozialen Medien. Dermatologen sind verärgert über wissenschaftlich haltlose Alarmmeldungen und betonen, wie wichtig die richtige Auswahl und Anwendung der Produkte ist. Die eigentliche Gefahr geht von Online-Desinformation aus, während die Wissenschaft wirksame Mittel zur langfristigen Vorbeugung bereitstellt.
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