
Libanon beharrt auf Eigenständigkeit in Israel-Verhandlungen trotz US-Iran-Deal
Präsident Aoun betont Souveränität, während Hisbollah das Abkommen feiert und innenpolitische Spannungen zunehmen.
Die Ankündigung einer Grundsatzvereinbarung zwischen Washington und Teheran zur Beendigung des Nahostkriegs hat die Karten im Libanon neu gemischt. Während Iran und der Vermittler Pakistan erklärten, dass die Waffenruhe auch den Libanon einschließe, pocht Beirut auf seine Souveränität. Präsident Joseph Aoun stellte am Mittwoch unmissverständlich klar, dass die direkten Gespräche mit Israel in Washington „unabhängig“ von diesem regionalen Abkommen seien. „Niemand verhandelt für uns“, ließ er über den Kurznachrichtendienst X verbreiten. Die libanesische Führung begrüße zwar jeden Schritt zur Deeskalation, doch der Staat allein treffe seine Entscheidungen.
Seit April verhandeln Libanon und Israel erstmals seit Jahrzehnten direkt in der US-Hauptstadt, um die Feindseligkeiten zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah von dem größeren regionalen Konflikt zu entkoppeln. Die fünfte Gesprächsrunde ist für den 23. bis 25. Juni angesetzt. Präsident Aoun und Ministerpräsident Nawaf Salam bereiten sich nach Angaben des Präsidialamts intensiv darauf vor. US-Präsident Donald Trump kündigte am Rande des G7-Gipfels an, Aoun werde „in den nächsten ein bis zwei Wochen“ das Weiße Haus besuchen – der erste Besuch eines libanesischen Staatschefs dort seit über einem Jahrzehnt. Trump nannte Aoun einen „guten Mann“, was in Beirut als Zeichen amerikanischer Wertschätzung für den Kurs der Eigenständigkeit gedeutet werden könnte.
Doch die innenpolitischen Gräben vertiefen sich. Hisbollah-Chef Naim Qassem feierte das US-iranische Memorandum als „großen Sieg“ und dankte dem iranischen Parlamentspräsidenten Mohammad Bagher Ghalibaf ausdrücklich dafür, die „libanesische Arena“ in das Abkommen eingebunden und Israel zur Einstellung der Aggression gezwungen zu haben. Qassem forderte die libanesischen Behörden sogar auf, die direkten Gespräche mit dem „israelischen Feind“ einzustellen – die „Widerstandsbewegung“ habe den Waffenstillstand bereits durchgesetzt. Demgegenüber äußerte der christliche Block der Libanesischen Kräfte tiefe Skepsis. Die Partei betrachtet das Abkommen als rein bilaterale Angelegenheit zwischen Washington und Teheran, die den Libanon nicht binde, und verlangt die vollständige Entwaffnung der Hisbollah. Diese gegensätzlichen Reaktionen offenbaren den grundlegenden Konflikt um das staatliche Gewaltmonopol und die außenpolitische Ausrichtung des Landes.
Für die kommende Verhandlungsrunde bedeutet dies eine schwere Hypothek. Aoun hofft zwar auf „positivere“ Gespräche, doch die von Teheran und seiner libanesischen Verbündeten propagierte Lesart, der Libanon sei bereits Teil eines größeren Deals, untergräbt die Verhandlungsposition des Staates. Aus europäischer Sicht ist die Stabilität des Libanon von erheblichem Interesse – nicht zuletzt mit Blick auf Migrationsbewegungen und die Sicherheit im östlichen Mittelmeer. Ein tragfähiges Abkommen zwischen Beirut und Jerusalem, das ohne fremde Vormundschaft zustande kommt, könnte die staatlichen Institutionen stärken und den Einfluss der Hisbollah-Miliz zurückdrängen. Ob dieser Weg gelingt, hängt maßgeblich davon ab, ob die libanesische Führung ihre Souveränität auch gegen den Druck aus dem eigenen Lager behaupten kann.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die Hisbollah feiert den Sieg Irans und dankt dem Unterhändler für die Beendigung der israelisch-amerikanischen Aggression. Der Parteiführer fordert die libanesischen Behörden auf, die direkten Gespräche mit dem Feind einzustellen und den Moment zu nutzen, um die Besatzungstruppen zu vertreiben. Das Abkommen wird als Triumph dargestellt, der die Arroganz der amerikanischen Tyrannei zerschmettert hat.
Israelische Medien betonen die tiefe Skepsis der Hisbollah-Gegner im Libanon, die die vollständige Entwaffnung der Miliz fordern. Qassems Dankesbrief an den Iran wird als anmaßend angesehen, während christliche Rivalen die tatsächliche Fähigkeit Teherans in Frage stellen, einen israelischen Rückzug durchzusetzen. Das US-Iran-Abkommen wird mit Besorgnis über seine Sicherheitsfolgen aufgenommen.
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