
Costa verteidigt Moskau-Kontakte gegen Kritik aus Paris und Berlin
Der EU-Ratspräsident bestätigte diplomatische Sondierungen beim Kreml und stieß im Kreis der Mitgliedstaaten auf Widerspruch, während Moskau Dialog ohne Ultimaten in Aussicht stellt.
Der Präsident des Europäischen Rates, António Costa, hat am Rande des Brüsseler Gipfels eingeräumt, dass sein Büro in den vergangenen Wochen „kurze diplomatische Kontakte“ mit dem Kreml aufgenommen hat. Nach Darstellung Costas dienten die von seinem Kabinettschef Pedro Lourtie geführten Gespräche allein dem Aufbau eines direkten Kommunikationskanals, um künftig nicht auf die Interpretation russischer Botschaften durch Dritte angewiesen zu sein. Die Initiative war zuvor durch Medienberichte öffentlich geworden und hatte innerhalb der Union eine Kontroverse ausgelöst, die Costa am Donnerstag in einer Sitzung der Staats- und Regierungschefs zu erklären zwang.
Aus Paris und Berlin wurde dem Portugiesen entgegengehalten, die Sondierungen seien ohne ausreichende Abstimmung mit den Mitgliedstaaten erfolgt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz äußerten nach übereinstimmenden Diplomatenangaben Unmut über den gewählten Weg; auch die baltischen Staaten, Dänemark und die Niederlande signalisierten Vorbehalte. Demgegenüber stellte sich eine Reihe anderer Hauptstädte hinter Costa, der nach den EU-Verträgen für die Außenvertretung des Rates zuständig ist. Der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten fasste die ungelöste Frage zusammen: Es sei „noch zu früh, um zu bestimmen, wer dieser europäische Unterhändler sein könnte“.
Aus Moskauer Sicht wurde die Kontaktaufnahme mit der grundsätzlichen Bereitschaft zu Gesprächen quittiert, zugleich aber mit scharfen Bedingungen verknüpft. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, die Logik des gesunden Menschenverstandes diktiere die Notwendigkeit solcher Kontakte angesichts der Vielzahl komplexer Fragen. Er warf den Europäern jedoch ein „sehr großes Missverständnis“ vor: Sie gingen davon aus, mit Russland aus einer Position der Stärke und unterstellter Schwäche Moskaus verhandeln zu müssen – „der größte Fehler“. Peskow betonte, Präsident Wladimir Putin sei offen für einen Dialog, der ohne Moralisieren und Ultimaten geführt werde. Die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, verspottete Costas Vorstoß mit dem Hinweis, die EU unterhalte bereits Botschafter in Moskau, und fragte ironisch, ob man zur Brieftaubenpost zurückkehren wolle.
Die Debatte fällt in eine Phase, in der die Vereinigten Staaten ihre Vermittlungsbemühungen im Ukraine-Konflikt zugunsten des Iran-Engagements zurückgestellt haben und in Brüssel die Sorge wächst, bei künftigen Friedensgesprächen außen vor zu bleiben. Costas Büro begründete die Sondierungen denn auch mit spezifischen EU-Interessen – etwa bei Sanktionen, eingefrorenen russischen Vermögenswerten oder Sicherheitsgarantien für die Ukraine –, die eine eigene Stimme am Verhandlungstisch erforderten. Parallel hatten bereits die Botschafter Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens im Juni in Moskau Gespräche geführt; Österreichs Kanzler Christian Stocker warb in einem Interview dafür, die „Dynamik“ um Friedensgespräche zu nutzen.
Ein Mandat für Verhandlungen besteht derzeit nicht, und Costa stellte klar, dass die Union weder als Vermittler auftrete noch die Unterstützung Kiews aufgebe. Die Diskussion über die Vorbereitung auf einen möglichen Dialog mit Moskau wird die EU indes weiter begleiten, während die Mitgliedstaaten über Zeitpunkt, Format und Personalfragen uneins bleiben.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Moskau signalisiert Gesprächsbereitschaft mit der EU, lehnt jedoch jegliche Ultimaten oder Verhandlungen aus einer Position der Stärke entschieden ab und nennt diesen Ansatz den größten Fehler Europas. Der Kreml betont, dass der gesunde Menschenverstand Kontakte zur Bewältigung komplexer Herausforderungen erfordert, und macht europäische Inkompetenz oder Fehlinformationen für die verfehlte Haltung verantwortlich. Russland stellt sich als offen und pragmatisch dar und verweist darauf, dass es nie den Abbruch der Beziehungen eingeleitet hat.
Der Kremlsprecher erklärte, Russland sei stets offen für Kontakte mit Europa gewesen und Moskau habe deren Aussetzung nicht veranlasst. Er fügte hinzu, die Europäer irrten, wenn sie meinten, aus einer Position der Stärke verhandeln zu müssen. Die Nachricht wurde neutral und ohne redaktionelle Kommentierung wiedergegeben.
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