
Kokainfunde in Mexiko: Experten vermuten Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft
Nach der Beschlagnahmung von über drei Tonnen Kokain in zwei Bundesstaaten sehen Sicherheitsexperten einen möglichen Zusammenhang mit der gestiegenen Nachfrage während des Turniers.
Sicherheitskräfte in Mexiko haben am 22. Juni innerhalb eines Tages mehr als drei Tonnen Kokain sichergestellt. Die Funde ereigneten sich in zwei voneinander entfernten Regionen: im westlichen Bundesstaat Guerrero und – für Beobachter überraschend – im zentral gelegenen Tlaxcala, einem Binnenstaat ohne eigene Küste, der bislang nicht als typische Transitroute für Drogen galt.
Sechs von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Sicherheitsexperten bringen die ungewöhnlich große Menge, insbesondere in Tlaxcala, mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Verbindung. Andrés Sumano vom Colegio de la Frontera Norte in Tijuana erklärte, die erwartete Nachfragesteigerung in der Hauptstadt habe kriminelle Gruppen veranlasst, ihre Lagerbestände in der Nähe von Mexiko-Stadt aufzustocken. Drei Drogenhändler aus der Hauptstadt berichteten gegenüber Reuters übereinstimmend von einem bereits spürbaren Anstieg der Nachfrage im Umfeld des Turniers, zu dem Mexiko rund 5,5 Millionen Besucher erwartet. Ein nicht namentlich genannter Händler bezeichnete internationale Großereignisse als „gute Gelegenheit“, um den Absatz zu steigern.
Die Behörden widersprechen dieser Deutung. Ein Sprecher der Regierung von Tlaxcala, Antonio Martínez, betonte, der Fund stelle keinen Beleg dafür dar, dass der Bundesstaat ein Operations- oder Verteilzentrum der organisierten Kriminalität sei, und es gebe keine Informationen, die eine Verbindung zu internationalen Veranstaltungen herstellten. Auch die Regierung von Mexiko-Stadt und das Präsidialamt äußerten sich auf Anfrage nicht. Der Forscher Vicente Sánchez vom Sistema Nacional de Investigadores hält die Weltmeisterschafts-Hypothese dennoch für die plausibelste Erklärung für die Lagerung einer solchen Kokainmenge in Tlaxcala, gerade wegen der Nähe zur Hauptstadt.
Die Vorfälle fügen sich in ein breiteres Bild der Drogenmärkte in Nordamerika. Ein aktueller Bericht des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) verweist auf die anhaltende Stärke illegaler Märkte, selbst in Ländern mit legalen Regulierungsmodellen. Mexiko wird darin als bedeutende Quelle für illegales Cannabis genannt, das preislich und in der Wirkstoffkonzentration mit regulierten Produkten in Kanada und den USA konkurriert. Zugleich beklagen Fachverbände aus dem Suchtbereich in Europa das grundsätzliche Scheitern der Prohibition von Stimulanzien wie Kokain, da die Verfügbarkeit unvermindert hoch bleibe und die organisierte Kriminalität gestärkt werde. In Mexiko selbst warnen Organisationen wie Revolución con Flores vor den Folgen der fehlenden Cannabis-Regulierung für die Sicherheit der WM-Besucher; Schätzungen zufolge bekundet fast ein Drittel der US-amerikanischen Touristen Interesse an cannabisbezogenen Aktivitäten während ihres Aufenthalts. Die Ermittlungen zu den Kokainfunden dauern an.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die Weltmeisterschaft treibt einen Anstieg des Kokainschmuggels nach Mexiko-Stadt voran, da die Kartelle die Nachfrage von Touristen und Feiernden bedienen wollen. Große Sicherstellungen in Guerrero und Tlaxcala zeigen, dass die Sicherheitskräfte größere Lieferungen abfangen, doch der Zustrom wirft Bedenken hinsichtlich Gewalt und öffentlicher Sicherheit während des Turniers auf.
Analysten stellen eine neue Hypothese auf: Die Weltmeisterschaft veranlasst die Kartelle, mehr Kokain in die Hauptstadt zu bringen. Zwei große Sicherstellungen, darunter eine in einem ungewöhnlichen Transitstaat, deuten darauf hin, dass die Schmuggler ihre Routen anpassen, um den erwarteten Konsumanstieg zu bedienen.
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