
IWF senkt globale Wachstumsprognose – doch die Annahmen wackeln bereits
Der Internationale Währungsfonds erwartet 2026 nur noch 3,0 Prozent Wachstum und eine auf 4,7 Prozent steigende Inflation, doch die Wiederaufnahme der US-Bombardierungen Irans stellt das Basisszenario noch am Tag der Veröffentlichung infrage.
Die am Mittwoch veröffentlichte Juli-Ausgabe des Weltwirtschaftsausblicks des Internationalen Währungsfonds (IWF) korrigiert die globale Wachstumserwartung für 2026 auf 3,0 Prozent – nach 3,1 Prozent im April und einem Durchschnitt von 3,5 Prozent in den beiden Vorjahren. Zugleich hebt der Fonds die Inflationsprognose deutlich von 4,1 auf 4,7 Prozent an, getrieben von einem angenommenen durchschnittlichen Ölpreis von 89 Dollar je Barrel. Noch während der IWF seine Zahlen präsentierte, erklärte US-Präsident Trump die Waffenruhe mit Iran für beendet und ließ die Bombardierungen wieder aufnehmen. Die zentrale Annahme des IWF – eine schrittweise Öffnung der Straße von Hormuz ab Mitte Juli – ist damit unmittelbar nach Publikation fraglich geworden.
Der IWF beschreibt eine Weltwirtschaft, die von zwei gegenläufigen Kräften geprägt wird: dem negativen Angebotsschock des Krieges im Nahen Osten und einem positiven Technologieschock durch den beschleunigten KI-Investitionszyklus. Diese Gleichzeitigkeit erzeugt eine gespaltene Konjunktur. Länder, die tief in die globalen Technologieketten eingebunden sind – darunter Malaysia, das laut IWF 2026 um 4,7 Prozent wachsen dürfte, sowie Südkorea und China – können die Belastungen durch höhere Energiekosten teilweise kompensieren. Energieexporteure außerhalb der Konfliktzone profitieren von verbesserten Terms of Trade. Dagegen schwächt sich die Aktivität in energieimportierenden Volkswirtschaften mit geringer Technologieintegration spürbar ab, einer Gruppe, die viele einkommensschwache Länder umfasst.
Für Ägypten senkte der IWF die Wachstumserwartung für das Fiskaljahr 2026/27 von 4,8 auf 4,4 Prozent und verweist auf schwache Investitionen, hohe Finanzierungskosten und anhaltende Unsicherheit. Aus Kairoer Sicht wird betont, dass die tatsächliche Entwicklung in der Vergangenheit häufig über den IWF-Schätzungen lag. In Europa drückt die Schwäche der Industrie auf die Konjunktur; die Gasreserven, die zu Beginn des Krieges preisdämpfend wirkten, sind vor dem Winter niedrig, sodass die Wiederbefüllung den Preisdruck neu anfachen könnte. Die US-Wirtschaft als Nettoenergieexporteur bleibt von diesen Belastungen weitgehend verschont und wird vom IWF für 2026 sogar stärker eingeschätzt als 2025.
Die IWF-Ökonomin Petya Koeva Brooks sprach von einer V-förmigen Erholung und einem bisher glimpflicheren Verlauf als befürchtet, weil strategische Reserven, Produktionsausweitungen außerhalb der Golfregion und der private Sektor mit alternativen Lieferwegen dämpfend wirkten. Doch der Fonds selbst warnt vor hoher Unsicherheit: Eine erneute Eskalation könne Rohstoffpreise weiter treiben, die Finanzierungsbedingungen verschärfen und die Ernährungssicherheit in einkommensschwachen Ländern gefährden. Die nächste Wegmarke ist die tatsächliche Entwicklung der Schifffahrt in der Straße von Hormuz in den kommenden Wochen, von der die Gültigkeit der IWF-Annahmen abhängt.
| Iranische & verwandte Presse | −0.90 | critical |
|---|---|---|
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.70 | critical |
| Kontinentaleuropäische Presse | +0.10 | neutral |
Der Iran leidet unter den Folgen eines von den USA und Israel aufgezwungenen Krieges, der die Weltwirtschaft geschädigt hat.
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