
Israel greift trotz Washingtoner Rahmenabkommen erneut Ziele im Südlibanon an
Zwei Tage nach Unterzeichnung eines von den USA vermittelten Abkommens hat Israel neue Luftangriffe im Südlibanon durchgeführt; die Hisbollah lehnt die Vereinbarung als „null und nichtig“ ab.
Am 28. Juni 2026 hat Israel nach übereinstimmenden Berichten libanesischer Staatsmedien erneut Luftangriffe auf Orte im Südlibanon geflogen – nur zwei Tage nach der Unterzeichnung eines von den USA vermittelten Rahmenabkommens in Washington. Die israelische Armee bestätigte ihrerseits, in der Region Nabatieh gegen Hisbollah-Kämpfer vorgegangen zu sein und eine Raketenabschussvorrichtung zerstört zu haben. Zugleich räumte sie den Tod eines eigenen Soldaten „im Gefecht“ im Südlibanon ein. Die Angriffe erfolgten, obwohl das Abkommen einen stufenweisen israelischen Truppenrückzug aus zwei Pilotzonen und eine dauerhafte Waffenruhe vorsieht.
Aus israelischer Sicht ist das Abkommen an die vollständige Entwaffnung der Hisbollah gebunden. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete die Vereinbarung als „historisch“, während Verteidigungsminister Israel Katz die Truppen anwies, sich auf einen „verlängerten Aufenthalt“ vorzubereiten. Der israelische Generalstabschef Eyal Zamir genehmigte Pläne für fortgesetzte Operationen in der selbstdeklarierten „Sicherheitszone“, die bis zu zehn Kilometer in libanesisches Gebiet reicht. Aus dem rechtsnationalen Lager kam hingegen scharfe Kritik: Der Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, nannte die Übereinkunft einen „großen Fehler“, da der libanesische Staat nicht in der Lage sei, die Hisbollah zu entwaffnen. Die israelische Doktrin setzt zunehmend auf Pufferzonen, in denen die Zivilbevölkerung evakuiert und Bauten geschleift werden – eine Strategie, die bereits aus Gaza bekannt ist und stillschweigende US-Unterstützung findet.
Die libanesische Regierung unter Präsident Joseph Aoun hat zugesichert, „ihre Verantwortung“ bei der Umsetzung zu übernehmen, und kündigte über ihre Botschaft in Washington an, der Prozess beginne mit dem Abzug israelischer Truppen aus zwei Pilotgebieten im Süden. Die Hisbollah lehnt das Abkommen jedoch kategorisch ab. Ihr Anführer Naim Qassem erklärte es für „null und nichtig“ und brandmarkte es als „Kapitulation der Souveränität“. Der Hisbollah-Abgeordnete Hassan Fadlallah warnte, die Vereinbarung werde „niemals das Licht der Welt erblicken“ und drohte mit einem „inneren Konflikt“, falls die libanesischen Behörden auf der Entwaffnung bestünden. Aus Teheraner Sicht betonte der iranische Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf in einem Telefonat mit dem libanesischen Parlamentssprecher Nabih Berri, das Ziel sei ein Ende des Krieges, die Rückkehr der Flüchtlinge und der vollständige Abzug Israels aus libanesischem Gebiet.
Das in fünf Verhandlungsrunden ausgehandelte Abkommen sieht einen Mechanismus vor, bei dem die libanesische Armee schrittweise die Sicherheitsverantwortung übernehmen und nichtstaatliche bewaffnete Gruppen – gemeint ist die Hisbollah – unter Aufsicht des US-Zentralkommandos (CENTCOM) entwaffnen soll. US-Vermittler werten die Bereitschaft Beiruts, staatliche Souveränität im Süden durchzusetzen, als bedeutenden Fortschritt. Frankreich erklärte sich bereit, zur Umsetzung beizutragen und das staatliche Waffenmonopol sowie einen israelischen Abzug zu unterstützen. Dennoch bleibt die Kluft zwischen den Vertragspartnern groß: Während Israel auf einer dauerhaften militärischen Präsenz besteht, solange die Hisbollah bewaffnet ist, verlangt die Schiitenmiliz ein Ende der israelischen Besetzung ohne Vorbedingungen. Die ersten israelischen Truppenverlegungen aus den Pilotzonen wurden für den 28. Juni vorbereitet; der Kommandeur des US-Zentralkommandos, General Brad Cooper, reiste dazu nach Nordisrael. Der weitere Verlauf hängt maßgeblich davon ab, ob die libanesische Armee gegen die Hisbollah vorgeht – ein Szenario, das angesichts der Machtverhältnisse vor Ort und der ungebrochenen rhetorischen Eskalation fraglich erscheint.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Iran-nahe Medien stellen die fortgesetzten israelischen Angriffe als Verletzung des Waffenstillstands und als Zeichen israelischer Aggression dar. Sie heben die Entführung von sechs libanesischen Bauern als Beweis für Israels Missachtung des Abkommens hervor. Die Erzählung betont, dass Israel nicht vertrauenswürdig ist und dass das Rahmenabkommen als Deckmantel für weitere Angriffe dient.
Israelische Medien stellen das Abkommen als echten Schritt zum Frieden dar, betonen aber die Notwendigkeit von Realismus. Sie heben die Klausel hervor, die der IDF erlaubt, im Südlibanon zu bleiben, bis nichtstaatliche bewaffnete Gruppen entwaffnet sind. Die Erzählung ist vorsichtig optimistisch, erkennt die Hoffnung an, warnt aber, dass die Umsetzung vor erheblichen Herausforderungen steht.
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