
Israel setzt Wahltermin auf 27. Oktober fest – erstmals seit Jahrzehnten volle Legislaturperiode
Die Knesset-Wahl im Herbst wird zur Machtprobe für Ministerpräsident Netanyahu; Umfragen sehen eine offene Ausgangslage und erhebliche Verschiebungen im Parteienspektrum.
In Israel werden die nächsten Parlamentswahlen am 27. Oktober 2026 stattfinden, wie der Vorsitzende des Knesset-Hausausschusses, Ofir Katz (Likud), am Sonntag bekannt gab. Die Koalition unter Ministerpräsident Benjamin Netanyahu verzichtet damit auf eine vorzeitige Auflösung des Parlaments, sodass die 25. Knesset erstmals seit 1988 ihre volle vierjährige Amtszeit absolviert. Zugleich wird es die erste Regierung seit über 50 Jahren sein, die bis zum regulären Ende durchregiert. Die Wahl gilt laut Beobachtern in Israel als Referendum über Netanyahus Führung nach dem Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 und den folgenden Kriegen in Gaza und im Libanon.
Laut Umfragen des Israelischen Demokratie-Instituts und verschiedener Fernsehsender zeichnet sich ein knappes Rennen ab. Netanyahus Likud-Block kommt demnach auf etwa 54 der 120 Knesset-Sitze, während das Oppositionslager rund 65 Mandate erreichen könnte – für eine Regierungsmehrheit sind 61 Sitze nötig. Stärkste Einzelpartei könnte jedoch die neu gegründete Liste „Jaschar“ („Geradeaus“) des ehemaligen Generalstabschefs Gadi Eisenkot werden, die in manchen Erhebungen gleichauf mit dem Likud liegt. Eisenkot, der erst im September 2025 seine eigene Partei formierte, wird nach Stichproben inzwischen häufiger als Netanyahu für das Amt des Regierungschefs für geeignet gehalten. Das Wahlrecht in Israel folgt dem landesweiten Verhältniswahlrecht mit einer 3,25-Prozent-Hürde; die derzeitige Regierungskoalition aus Likud, zwei ultraorthodoxen sowie zwei rechtsnationalen Parteien wird von Kommentatoren als die am weitesten rechts stehende in der Geschichte des Landes beschrieben.
Entscheidend könnten die religiösen Parteien werden. Rabbi Jitzchak Josef, das geistliche Oberhaupt der Schas, sagte in einer Ansprache, Netanyahu werde „nicht bereuen“ – Eisenkot hingegen schon. Medienberichten zufolge erwägt Schas gemeinsam mit dem Vereinigten Thora-Judentum, nach der Wahl ein Bündnis mit Eisenkot einzugehen. Eisenkot selbst signalisierte im Gespräch mit ultraorthodoxen Medien Gesprächsbereitschaft unter bestimmten Bedingungen, schloss in der Frage der Wehrpflicht für strengreligiöse Juden jedoch Kompromisse aus. Die ausbleibende Einigung über eine gesetzliche Neuregelung der Ausnahmeregelungen für Haredim hatte die Koalition zuletzt belastet und die Entscheidung für eine planmäßige Wahl begünstigt.
Aus europäischer und amerikanischer Sicht wird der Urnengang mit Spannung erwartet. Ein Regierungswechsel könnte weitreichende Folgen für die israelische Politik in den Palästinensergebieten, das Verhältnis zu Iran sowie für die Normalisierungsabkommen in der Region haben. Netanyahu hatte zuletzt angekündigt, eine „breite nationale Regierung“ anstreben zu wollen – weder eine rechte noch eine linke, die auf arabische Parteien angewiesen sei. Die Opposition um Avigdor Liberman (Jisra’el Beitenu) und das Mitte-Bündnis „Behajad“ („Zusammen“) von Jair Lapid und Naftali Bennett erklärte hingegen, die „Regierung des Massakers vom 7. Oktober“ ablösen zu wollen. Die Einreichungsfrist für die Wahllisten endet am 7. September; die Knesset geht am 17. Juli in die Wahlpause.
| Israelische Presse | +0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Arabische Levante-Maghreb-Presse | −0.50 | critical |
| Chinesische Presse | −0.40 | critical |
The Netanyahu government celebrates completing a full term, a historic event that demonstrates the solidity of Israeli leadership despite challenges. The coalition prepares to compete for a new mandate, focusing on stability and experience.
Emphasizing the rarity of the full term serves to normalize Netanyahu's continued rule, turning an administrative fact into a political success.
The war in Gaza and the perception of political crisis that dominate Arab and Chinese coverage are absent or minimized.
Netanyahu faces the election burdened by war and political crisis: the voters' choice is presented as a judgment on his handling of the conflict and the country's stability.
Using the term 'referendum' turns a routine electoral deadline into a personalized vote of confidence, potentially delegitimizing a Netanyahu victory as the product of exceptional circumstances.
The historic milestone of an Israeli government finishing a full term for the first time in decades is entirely absent or downplayed.
The Israeli elections are a test for Netanyahu, with most voters desiring change. Chinese coverage observes from a distance, highlighting internal contradictions in Israeli politics.
Citing polls showing desire for change allows presenting the challenge to Netanyahu as objective and widely shared, without taking an explicit stance.
The historic milestone of a full government term and internal stability dynamics are almost entirely overlooked.
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