
Russlands Benzinproduktion deckt nach ukrainischen Angriffen nur 65 Prozent des Bedarfs
Die Drohnenangriffe auf große Raffinerien haben ein tägliches Defizit von bis zu 45.000 Tonnen verursacht; die Regierung reagiert mit Exportstopps und Treibstoffimporten.
Die russische Benzinproduktion ist nach ukrainischen Drohnenangriffen auf ein Niveau von etwa 65 Prozent des saisonüblichen Verbrauchs gefallen. Nach Angaben von Branchenquellen und Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters fehlen derzeit täglich zwischen 40.000 und 45.000 Tonnen Kraftstoff – ein Defizit von rund 35 Prozent. Im Juni hatte die tägliche Unterdeckung noch bei 25 Prozent gelegen. Die Nachfrage erreicht in den Sommermonaten mit 115.000 bis 120.000 Tonnen pro Tag ihren Höhepunkt.
Auslöser der Versorgungslücke sind gezielte Angriffe auf zentrale Raffinerien. Betroffen sind unter anderem die beiden größten Benzinproduzenten des Landes – die Anlagen in Norsi und Omsk – sowie das Werk in Saratow. Die Schäden haben die Primär- und Sekundärverarbeitung unterbrochen, sodass die Herstellung von qualitativ hochwertigem Ottokraftstoff eingeschränkt ist. Das russische Energieministerium ließ eine Anfrage von Reuters unbeantwortet. Der stellvertretende Ministerpräsident Alexander Nowak räumte öffentlich ein, dass es „Probleme und ein Defizit“ gebe, und führte dies direkt auf die „Einschläge“ an den Raffinerien zurück. Zuvor hatten die Behörden die Engpässe vor allem mit Panikkäufen erklärt.
Die Auswirkungen sind in zahlreichen Regionen sichtbar: An Tankstellen bilden sich lange Schlangen, in der Schwarzmeerstadt Anapa unterstützen Kosaken die Ordnungskräfte. Die Regierung hat mit einem bis zum 31. Juli befristeten Exportverbot für Benzin, Diesel und Flugkraftstoff reagiert. Gleichzeitig werden die Importe hochgefahren: Aus Belarus gelangen nach Händlerangaben täglich bis zu 6.000 Tonnen Benzin nach Russland, zudem hat das Land mit seegestützten Lieferungen aus Indien begonnen. Auch die staatlichen Reserven werden angezapft. Nowak sprach von einer „komplexen“ Lage, die in der Bevölkerung Besorgnis auslöse, und kündigte an, den Schutz der Raffinerien zu verstärken.
Branchenkreise rechnen mit einer Entspannung in der zweiten Julihälfte, sofern keine neuen Angriffe erfolgen. Die Wiederinbetriebnahme beschädigter Anlagen und die steigenden Importe könnten das Angebot dann wieder ausweiten. Der nächste sachliche Prüfpunkt ist das Auslaufen des Exportverbots Ende Juli sowie der Fortschritt der Reparaturarbeiten in den betroffenen Werken.
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