
IAEA-Chef fordert robuste Kontrollen für Irans Atomprogramm nach Waffenstillstand
Rafael Grossi verlangt ein „sehr starkes“ Verifikationssystem, während Teheran Inspektionen beschädigter Anlagen ohne endgültiges Abkommen ablehnt.
Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), Rafael Grossi, hat nach dem vorläufigen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran ein „sehr starkes“ und „technisch solides“ Verifikationsregime für das iranische Atomprogramm gefordert. Anlässlich eines Besuchs in Japan erklärte Grossi am Freitag, das Ziel der jüngsten Vereinbarung sei es, jegliche Entwicklung von Kernwaffen im Iran zu unterbinden. Die Regierung in Teheran habe zwar bekundet, dies nicht zu beabsichtigen, doch „Absichten sind nicht genug“. Die IAEA habe lediglich erste Gespräche mit iranischen Stellen aufgenommen, um die Modalitäten einer Inspektion zu klären.
Aus Washingtoner Sicht ist der Zugang der Inspektoren zu sämtlichen relevanten Anlagen eine zentrale Bedingung für den Erfolg der auf 60 Tage angelegten Verhandlungen. Präsident Donald Trump hatte erklärt, der Iran habe der Rückkehr der UN-Kontrolleure „vollständig und uneingeschränkt“ zugestimmt. Außenminister Marco Rubio betonte in Bahrain, jedes Abkommen müsse die Sicherheit der Golfpartner gewährleisten und schloss iranische Gebühren für die Straße von Hormus als „Chaos“-Risiko aus. In Teheran hingegen wies Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi Berichte über eine Einladung an die IAEA zurück und stellte klar, dass es ohne ein endgültiges Abkommen und die Aufhebung von Sanktionen keinen Zugang zu den bombardierten Nuklearanlagen geben werde.
Die faktische Ungewissheit über den Verbleib des angereicherten Urans bleibt das drängendste technische Problem. Vor den israelisch-amerikanischen Angriffen im Juni 2025 verfügte der Iran nach IAEA-Schätzungen über rund 440 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran – eine Menge, die bei weiterer Anreicherung für etwa zehn Kernwaffen ausreichen könnte. Seitdem hat Teheran die Kooperation mit der Wiener Behörde ausgesetzt und den Inspektoren den Zutritt zu den getroffenen Standorten verwehrt. Grossi räumte ein, die IAEA habe eine „allgemeine Vorstellung“ vom Verbleib des Materials, benötige aber eine formelle Bestätigung. Das Memorandum of Understanding sieht eine Verdünnung („Downblending“) des Bestands unter IAEA-Aufsicht vor; alternativ, so Grossi, könne das Material auch direkt außer Landes gebracht werden.
Die Auseinandersetzung um Inspektionen reiht sich in eine lange Geschichte wechselseitigen Misstrauens ein. Der Iran betont sein Recht auf ein ziviles Nuklearprogramm und bestreitet jegliches Waffenbestreben, hatte jedoch nach dem zwölftägigen Krieg im vergangenen Jahr per Parlamentsgesetz die Zusammenarbeit mit der IAEA suspendiert. Das 2015 mit sechs Großmächten geschlossene Atomabkommen, das strikte Auflagen gegen Sanktionserleichterungen vorsah, war von Trump in seiner ersten Amtszeit aufgekündigt worden. Neben der nuklearen Frage verhandeln Washington und Teheran derzeit auch über die Kontrolle der Straße von Hormus und die Lage im Libanon. Die IAEA erwartet, in den kommenden Wochen technische Gespräche zu vertiefen und eine Inspektion vor Ort durchführen zu können; ein konkreter Termin steht noch aus.
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Die Atombehörde nutzt Inspektionen als Vorwand, um Druck auf den Iran auszuüben, und ignoriert, dass die Beendigung der Sanktionen Vorrang hat. Teheran bekräftigt, dass das Nuklearmaterial seit 2025 nicht bewegt wurde und der Zugang der Inspektoren von einer umfassenderen Vereinbarung abhängt. Grossis Forderung wird als ungerechtfertigte Einmischung dargestellt, während sich der Iran als geschädigte Partei präsentiert, die ihre Verpflichtungen einhält.
Der IAEA-Chef bestätigt einen vereinbarten Mechanismus für Inspektionen im Iran und betont, dass die Präsenz der Behörde für die Glaubwürdigkeit des Abkommens unerlässlich ist. Die iranischen Behörden haben erste Kontakte aufgenommen, aber die operativen Details werden in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran festgelegt. Die Verifikation wird als notwendiger technischer Schritt dargestellt, nicht als politische Stellungnahme.
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