
Humanitäre Ausnahme: Washington setzt Venezuela-Sanktionen für Erdbebenhilfe temporär aus
Nach den schwersten Beben seit über einem Jahrhundert genehmigt das US-Finanzministerium bis Oktober 2026 Transaktionen für Hilfslieferungen, ohne die Sanktionsarchitektur grundsätzlich anzutasten.
Das Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums hat am Donnerstag eine Generallizenz erteilt, die sämtliche Finanztransaktionen im Zusammenhang mit der Erdbebenhilfe für Venezuela von den bestehenden Sanktionen ausnimmt. Die bis zum 23. Oktober 2026 befristete Ausnahmeregelung reagiert auf zwei Erdstöße der Magnituden 7,2 und 7,5, die in der Nacht zum 25. Juni die Nordküste des Landes erschütterten und nach offiziellen Angaben mindestens 589 Todesopfer sowie Tausende Verletzte forderten. Die Lizenz stellt ausdrücklich klar, dass eingefrorene Vermögenswerte nicht freigegeben werden und andere untersagte Aktivitäten unberührt bleiben.
Aus Washingtoner Sicht handelt es sich um eine eng begrenzte humanitäre Geste, nicht um eine politische Neuausrichtung. Das Außenministerium kündigte Hilfen in Höhe von 150 Millionen Dollar an – davon 100 Millionen für das UN-Nothilfebüro OCHA in Venezuela und 50 Millionen für Einsätze vor Ort. Zudem entsandte das Südkommando der US-Streitkräfte Generalleutnant Joseph Jarrard nach Caracas, um die Rettungs- und Hilfsoperationen zu koordinieren; Militärhubschrauber und Transportflugzeuge wurden aus Honduras in die Katastrophenregion verlegt. Die Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez dankte Präsident Trump für die Solidarität und hatte zuvor formell um amerikanische Unterstützung ersucht.
Die Maßnahme ermöglicht es internationalen Helfern, finanzielle und kommerzielle Transaktionen ohne Furcht vor Sekundärsanktionen abzuwickeln. Seit 2017, verschärft ab 2019, haben die US-Sanktionen den venezolanischen Ölsektor, den Schuldendienst und den Zugang zum internationalen Finanzsystem massiv eingeschränkt. Nach der Festnahme des früheren Präsidenten Nicolás Maduro durch amerikanische Kräfte im Januar 2026 hatte Washington bereits vereinzelte Lizenzen für die Erdölwirtschaft erteilt, was Beobachter in der Region als schrittweise Lockerung werteten. Die jetzige Ausnahmegenehmigung geht humanitär weiter, lässt die eigentliche Sanktionsarchitektur jedoch unangetastet.
Die Beben gelten als die zerstörerischsten in der jüngeren Geschichte Venezuelas; Erschütterungen waren noch im rund 1700 Kilometer entfernten brasilianischen Amazonasgebiet zu spüren. Die US-Erdbebenwarte USGS hatte mit 44-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Opferzahl zwischen 10.000 und 100.000 prognostiziert. Neben den USA entsandten zahlreiche Staaten – darunter Brasilien, Kolumbien, Chile, Mexiko und mehrere europäische Länder – Rettungsteams und Hilfsgüter. Die venezolanischen Behörden riefen den Notstand aus und stuften den Bundesstaat La Guaira als Katastrophenzone ein.
Die Lizenz gilt bis zum 23. Oktober 2026; eine Verlängerung oder Ausweitung wurde nicht angekündigt. Die weitere Entwicklung des Sanktionsregimes dürfte nach Einschätzung von Diplomaten in westlichen Hauptstädten vom Kurs der Übergangsregierung und den Fortschritten bei politischen Verhandlungen abhängen. Vorerst konzentrieren sich die internationalen Bemühungen auf die Bergung von Verschütteten und die Versorgung der Überlebenden.
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Das US-Finanzministerium erteilte eine befristete Lizenz für Finanztransaktionen zur Erdbebenhilfe in Venezuela. Die bis zum 23. Oktober 2026 gültige Genehmigung setzt bestehende Beschränkungen gezielt aus. Die Berichterstattung bleibt sachlich und registriert lediglich die technische Entscheidung ohne Kommentar zum Sanktionsregime.
Die USA setzten Sanktionen aus, um Rettungsarbeiten nach Erdbeben mit Hunderten Toten und Tausenden Vermissten nicht zu behindern. Der Schritt, so notwendig er auch begrüßt wird, erfolgt nach Jahren der Isolation durch Restriktionen. Regionale Medien betonen die humanitäre Tragödie und die verspätete Erleichterung, mit leiser Kritik an Washingtons Strafpolitik.
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