
Abbas ruft Parlamentswahlen aus – Hamas löst Verwaltung in Gaza auf
Die palästinensische Führung kündigt erste Legislativwahlen seit fast zwei Jahrzehnten an, während die Hamas ihre Regierungsstruktur im Gazastreifen auflöst.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat per Dekret für den 28. November Wahlen zum Legislativrat ausgerufen. Es wären die ersten Parlamentswahlen in den palästinensischen Gebieten seit dem Urnengang von 2006, der mit einem Sieg der Hamas und einer bis heute andauernden administrativen Spaltung zwischen Westjordanland und Gazastreifen endete. Die Ankündigung aus Ramallah folgt auf die Erklärung der Hamas vom 6. Juli, ihr sogenanntes Regierungs-Notstandskomitee im Gazastreifen aufzulösen und die zivile Verwaltung dem Nationalen Komitee für die Verwaltung Gazas (NCAG) zu übergeben. Aus Kairo verlautete, eine Hamas-Delegation unter Leitung von Chalil al-Haja sei zu Gesprächen über die zweite Phase der Waffenruhe und die Übergabe der Regierungsverantwortung eingetroffen.
Die Entscheidung der Hamas wird in der arabischen Öffentlichkeit unterschiedlich bewertet. Während der katarische Sender Al Jazeera einen Analysten mit der Einschätzung zitierte, der Schritt beende Spekulationen über eine angestrebte Alleinherrschaft der Hamas und erleichtere den von Washington forcierten Wiederaufbauplan, sprachen Kommentatoren in Kairo und Abu Dhabi von einem „taktischen Manöver“. Der emiratische Sender Sky News Arabia verwies auf israelische Vorbehalte, wonach die Hamas ihre militärischen Strukturen nicht angetastet habe. Aus israelischer Sicht, so berichtete die Jerusalem Post unter Berufung auf palästinensische Quellen, sei die Auflösung der Hamas-Verwaltung eine „Illusion“. Die Palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah, die das NCAG zunächst abgelehnt hatte, signalisierte unterdessen Gesprächsbereitschaft: Präsident Abbas telefonierte erstmals öffentlich mit dem NCAG-Leiter Ali Schaath.
Die Vereinten Nationen lenkten parallel den Blick auf die humanitäre Lage. Die unabhängige internationale Untersuchungskommission der UNO für die besetzten palästinensischen Gebiete forderte die sofortige und bedingungslose Freilassung des Direktors des Kamal-Adwan-Krankenhauses, Hussam Abu Safija. Der Mediziner war im Dezember 2024 von israelischen Streitkräften festgenommen worden und wird seither ohne Anklage festgehalten. Die Kommission erklärte, sie habe glaubwürdige Berichte über anhaltende Misshandlungen und Folter erhalten, und stufte die gezielte Zerstörung des Gesundheitssystems in Gaza als mögliches Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein. Israel wies die Vorwürfe zurück.
Die Wahlankündigung Abbas’ ist auch vor dem Hintergrund internationaler Reformforderungen zu sehen. Mehrere Geberländer, darunter Staaten der Europäischen Union, haben finanzielle Hilfen an Fortschritte bei Regierungsführung und Rechenschaftspflicht geknüpft. Abbas, 90 Jahre alt, regiert seit 2009 ohne neues Präsidentschaftsmandat per Dekret. Ein früherer Anlauf zu Wahlen war 2021 mit Verweis auf fehlende israelische Garantien für eine Stimmabgabe in Ostjerusalem abgesagt worden. Ob die Abstimmung im November tatsächlich stattfindet, hängt nach Angaben aus Ramallah wesentlich von der Haltung Israels zur Wahlbeteiligung im annektierten Ostteil der Stadt ab. Für Anfang 2027 sind zudem Präsidentschaftswahlen vorgesehen.
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Die Hamas managt den Übergang pragmatisch, sie kapituliert nicht.
Die Kontinuität der Rolle der Hamas in den Verhandlungen wird betont, die Auflösung als bloße administrative Umorganisation heruntergespielt.
Die Einberufung von Wahlen durch die Palästinensische Autonomiebehörde wird ausgelassen, was die Erzählung der Kontrolle der Hamas untergraben würde.
Die Hamas positioniert sich strategisch neu, sie kapituliert nicht.
Der Schritt wird als schrittweiser und kontrollierter Übergang erklärt, wobei die fortgesetzte Rolle der Hamas in den Verhandlungen und ihre Anpassungsfähigkeit betont werden.
Die Einberufung von Wahlen durch die PA und die Möglichkeit, dass die Auflösung ein Zugeständnis ist, werden ausgelassen.
Die Palästinensische Autonomiebehörde erlangt die legitime Kontrolle zurück, die Hamas ist ein terroristisches Hindernis.
Der Begriff 'terroristisch' wird verwendet, um die Hamas zu delegitimieren, und die Einberufung von Wahlen wird als Akt demokratischer Normalisierung dargestellt, der die Legalität der PA der Illegalität der Hamas gegenüberstellt.
Die strategische Begründung der Hamas und ihre Beteiligung an Waffenstillstandsverhandlungen werden ausgelassen, die Auflösung wird als einfache Kapitulation dargestellt.
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