
Hamas wählt Chefunterhändler Khalil al-Hayya zum neuen Politbüro-Chef
Die Wahl des bisherigen Verhandlungsführers signalisiert eine Verhärtung der Positionen und stellt die internationalen Bemühungen um eine Entwaffnung der Organisation vor neue Hindernisse.
Die im Gazastreifen herrschende Hamas hat am Montag Khalil al-Hayya zu ihrem neuen Politbüro-Chef gewählt. Der 65-Jährige setzte sich in einer Stichwahl gegen den früheren Auslandschef Khaled Meshaal durch, wie die Organisation mitteilte. Al-Hayya tritt die Nachfolge von Yahya Sinwar an, der im Oktober 2024 von israelischen Streitkräften getötet worden war. Mit der Wahl endet eine fast zweijährige Übergangsphase, in der ein fünfköpfiger Führungsrat unter dem Vorsitz von Mohammed Darwish die Geschäfte leitete. Dieser Rat wird nun aufgelöst; das Politbüro soll in den kommenden Tagen in Istanbul zusammentreten, um die Führungsgremien neu zu strukturieren.
Aus Sicht der Hamas-Führung im Gazastreifen und des militärischen Flügels, der Al-Hayya seine volle Unterstützung erklärte, steht der neue Chef für die Fortsetzung des bewaffneten Kampfes und die Ablehnung jeglicher Entwaffnung ohne einen garantierten Weg zur palästinensischen Staatlichkeit. Beobachter in Washington und europäischen Hauptstädten werten die Entscheidung als Signal der Verhärtung, da Al-Hayya als Vertrauter Sinwars und enger Verbündeter Irans gilt. Israelische Regierungskreise äußerten sich zunächst nicht offiziell, hatten Al-Hayya jedoch bereits im September 2025 bei einem Luftangriff in Doha ins Visier genommen, den er überlebte. In Teheran und bei der libanesischen Hisbollah dürfte die Wahl auf Zustimmung stoßen, da Al-Hayya die Beziehungen zur „Achse des Widerstands“ in den vergangenen Jahren konsequent ausgebaut hat.
Die personelle Weichenstellung erschwert die ohnehin festgefahrenen indirekten Waffenstillstandsverhandlungen, die unter Vermittlung Katars, Ägyptens und der USA geführt werden. Der von Washington vorgelegte Friedensplan, der eine Entwaffnung der Hamas und den Abzug israelischer Truppen vorsieht, stößt bei der Organisation auf Ablehnung. Al-Hayya selbst hatte die Anschläge vom 7. Oktober 2023 als „großartige Tat“ bezeichnet und die Rückkehr der palästinensischen Frage auf die internationale Agenda als Erfolg verbucht. Seine persönliche Geschichte – er verlor mehrere Familienmitglieder durch israelische Angriffe, zuletzt einen Sohn bei dem Attentat in Doha – verleiht ihm innerhalb der Bewegung eine symbolische Autorität, die kompromisslose Positionen begünstigt.
Al-Hayya, 1960 in Gaza geboren, gehört der Hamas seit ihrer Gründung 1987 an und war zuvor in der Muslimbruderschaft aktiv. Er leitete die Verhandlungsdelegationen bei den Gesprächen über eine Waffenruhe und einen Gefangenenaustausch und lebte zuletzt im Exil in Katar. Seine Amtszeit ist bis zu den regulären Neuwahlen 2027 befristet. Die Europäische Union, die Hamas als Terrororganisation einstuft, wird die Entwicklung ebenso aufmerksam verfolgen wie die Bundesregierung, die sich in der Nahostpolitik für eine Zweistaatenlösung einsetzt. Die nächsten konkreten Schritte sind die für die kommende Woche erwartete formelle Amtsübernahme Al-Hayyas und die Neukonstituierung der Führungsgremien in Istanbul, während die Vermittler weiter auf eine Wiederbelebung der stockenden Gespräche drängen.
| Israelische Presse | −0.80 | critical |
|---|---|---|
| Iranische & verwandte Presse | +0.80 | aligned |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | 0.00 | neutral |
Israel verurteilt die Wahl der Hamas und betont die terroristische Bedrohung durch den neuen Führer.
Es verwendet den Begriff 'Terrorist', um die Gruppe zu delegitimieren und israelische Operationen zu rechtfertigen, und stellt die Ernennung als Fortsetzung der Gewalt dar.
Es lässt den internen Wahlprozess der Hamas und al-Hayyas Doktortitel aus, die politische Legitimität verleihen könnten.
Der Iran feiert die Wahl eines Widerstandsführers und bekräftigt die Unterstützung für den palästinensischen Kampf.
Es betont das Martyrium früherer Führer und die Kontinuität des Widerstands, um die Ernennung zu legitimieren und Unterstützung zu mobilisieren.
Es lässt al-Hayyas Rolle als Chefunterhändler in den Waffenstillstandsgesprächen mit Israel aus, die die Widerstands rhetorik untergraben könnte.
Der Westen beobachtet die Ernennung eines mit dem Iran verbundenen Unterhändlers vorsichtig, ohne Stellung zu beziehen.
Er konzentriert sich auf Fakten und Verbindungen zum Iran und stellt die Ernennung als bedeutendes Ereignis dar, jedoch ohne unmittelbare Auswirkungen, und bewahrt einen distanzierten Ton.
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