
Zwölf Jahre Haft für Ex-Autobahnchef Castellucci – erstes Urteil zum Einsturz der Morandi-Brücke in Genua
Ein Gericht in Genua verurteilte 32 Angeklagte, darunter den früheren Aspi-Chef Giovanni Castellucci, wegen des Brückeneinsturzes von 2018 mit 43 Toten.
Knapp acht Jahre nach dem Einsturz der Morandi-Brücke in Genua hat das Strafgericht der ligurischen Hafenstadt am 16. Juli 2026 ein erstes Urteil gesprochen. Der frühere Verwaltungsratsvorsitzende des Autobahnbetreibers Autostrade per l’Italia (Aspi), Giovanni Castellucci, wurde wegen fahrlässiger Tötung und Herbeiführens eines Einsturzes zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Insgesamt sprach das Gericht 32 der 57 Angeklagten schuldig; 25 Personen wurden freigesprochen oder profitierten von Verjährung. Die verhängten Strafen summieren sich auf annähernd 180 Jahre Haft. Unter den Verurteilten befinden sich weitere ehemalige Führungskräfte von Aspi und der Ingenieurgesellschaft Spea sowie ein früherer Beamter des italienischen Infrastrukturministeriums.
Die Staatsanwaltschaft Genua hatte dem Management vorgeworfen, über Jahre hinweg notwendige Instandhaltungsarbeiten an dem 1967 eröffneten Viadukt unterlassen und Warnsignale ignoriert zu haben, während Gewinne erwirtschaftet und ausgeschüttet wurden. Die Verteidigung machte dagegen einen verborgenen Konstruktionsfehler geltend: Die Korrosion eines tragenden Stahlseils im Inneren des Pfeilers Nummer neun sei nicht erkennbar gewesen und habe auch durch Wartungsprogramme nicht verhindert werden können. Das Gericht folgte mit seinen Schuldsprüchen in weiten Teilen der Anklage, blieb bei den Strafmaßen jedoch deutlich unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft, die für Castellucci 18 Jahre und sechs Monate beantragt hatte.
Aus Sicht der Hinterbliebenen markiert das Urteil einen ersten Schritt zur juristischen Aufarbeitung. Egle Possetti, Sprecherin des Opferkomitees, nannte die Strafe für Castellucci „akzeptabel“, forderte aber eine genaue Prüfung der Urteilsbegründung, da zahlreiche Anklagepunkte fallengelassen wurden. Der amtierende Aspi-Vorstandsvorsitzende Arrigo Giana hatte am Vorabend der Entscheidung in einem offenen Brief erstmals im Namen des Unternehmens um Entschuldigung gebeten – eine Geste, die von Angehörigen als verspätet zurückgewiesen wurde. Die italienische Regierung wertete das Urteil als wichtigen Schritt auf dem Weg zu Wahrheit und Gerechtigkeit; der stellvertretende Verkehrsminister Edoardo Rixi erklärte, der Einsturz sei kein Schicksalsschlag, sondern das Ergebnis schwerer Fehler und Unterlassungen gewesen.
Der Prozess, der nach vierjähriger Hauptverhandlung mit 284 Sitzungstagen zu Ende ging, gilt als einer der umfangreichsten in der italienischen Rechtsgeschichte. Er warf ein Schlaglicht auf den Zustand der Verkehrsinfrastruktur des Landes und auf die Praxis der privatisierten Autobahnbewirtschaftung. Die damalige Regierung unter Giuseppe Conte entzog der Holding Atlantia der Familie Benetton nach der Katastrophe die Konzession und führte Aspi in staatliche Hände zurück. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig; die Verteidigung kündigte Berufung an. Mit einer endgültigen Entscheidung des Kassationsgerichtshofs in Rom wird frühestens in zwei bis drei Jahren gerechnet. Die schriftliche Urteilsbegründung muss binnen sechs Monaten vorgelegt werden.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.40 | critical |
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| Atlantische / angloamerikanische Presse | 0.00 | neutral |
Das Urteil von Genua ist ein Akt der Gerechtigkeit, der endlich die Schuld der Unternehmensführung anerkennt. Die 43 verlorenen Leben werden nicht vergessen, und die 12-jährige Haftstrafe signalisiert, dass Fahrlässigkeit nicht ungestraft bleiben kann.
Die Erzählung betont die lange Wartezeit der Familien und die Schwere der Fahrlässigkeit und verwandelt das Urteil in ein Symbol kollektiver Verantwortung. Die Verwendung emotionaler Details und der Katastrophenzeitlinie verstärkt die Idee, dass Gerechtigkeit verzögert, aber notwendig war.
Das Gericht hat ein Urteil gefällt. Die Fakten sind klar: Der ehemalige CEO wurde für schuldig befunden und zu 12 Jahren verurteilt.
Die Berichterstattung beschränkt sich auf die wesentlichen Fakten ohne Kommentar oder emotionalen Kontext und präsentiert das Urteil als routinemäßiges Justizereignis.
Die atlantische Berichterstattung lässt den detaillierten Kontext der Fahrlässigkeit, die Geschichten der Opfer und die langfristigen Auswirkungen auf die Infrastruktursicherheit aus und reduziert das Ereignis auf eine einfache juristische Tatsache.
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