
Gleichzeitiger Anpfiff in Gruppe L: Englands Zittern, Kroatiens letzte Chance
Während England gegen das bereits ausgeschiedene Panama die Tabellenführung sichern will, kämpft Kroatien gegen Ghana um das direkte Weiterkommen – ein Unentschieden könnte beiden reichen.
Mit dem synchronen Anstoß der beiden letzten Gruppenspiele in der Gruppe L erreichte die Spannung am Samstagabend ihren Höhepunkt. Im MetLife Stadium von New Jersey und im Lincoln Financial Field von Philadelphia fiel zeitgleich die Entscheidung über die direkten Qualifikanten für das Sechzehntelfinale. Während England mit vier Punkten und einem Torverhältnis von 4:2 gegen Panama antrat, standen sich in der anderen Partie Kroatien (3 Punkte, 3:4 Tore) und Ghana (4 Punkte, 1:0 Tore) gegenüber. Die Ausgangslage war von einer bemerkenswerten Asymmetrie geprägt: Ghana war bereits unabhängig vom Ausgang für die K.-o.-Runde qualifiziert, da es selbst als Gruppendritter zu den acht besten Drittplatzierten zählen würde. Kroatien hingegen benötigte zwingend einen Sieg, um nicht auf Schützenhilfe angewiesen zu sein.
Die taktischen Vorzeichen spiegelten diese unterschiedlichen Drucksituationen wider. Aus südamerikanischer und asiatischer Perspektive wurde die Partie Kroatiens gegen Ghana als das eigentliche Endspiel der Gruppe wahrgenommen. Indonesische Medien wie Jawa Pos und CNN Indonesia bezeichneten das Duell als „Laga Hidup Mati“ – ein Spiel auf Leben und Tod für die Kroaten. Die von Zlatko Dalić trainierte Mannschaft um den 40-jährigen Kapitän Luka Modrić, der sein 200. Länderspiel bestritt, hatte nach der 2:4-Auftaktniederlage gegen England mit einem knappen 1:0 über Panama reagiert. Doch die Offensive blieb blass, und die Defensive zeigte sich anfällig. Ghana hingegen, unter dem portugiesischen Trainer Carlos Queiroz, präsentierte sich als defensiv diszipliniertes Kollektiv, das in zwei Spielen noch kein Gegentor zugelassen hatte – ein 1:0 gegen Panama und ein beachtliches 0:0 gegen England. Brasilianische Analysten von Metrópoles und CNN Brasil hoben hervor, dass Ghana in der Lage sei, das Spiel zu kontrollieren und auf Konter zu setzen, während Kroatien den Ballbesitz dominieren, aber an der Durchschlagskraft leiden dürfte.
Die englische Perspektive, wie sie in den britischen und italienischen Medien (Adnkronos, BBC-ähnliche Quellen) durchklang, war von einer Mischung aus Zuversicht und leiser Sorge geprägt. Das Team von Thomas Tuchel, das nach dem furiosen 4:2 gegen Kroatien gegen Ghana nur ein torloses Remis erreichte, musste gegen Panama die Tabellenführung verteidigen. Ein Sieg würde den ersten Platz sichern, ein Unentschieden könnte bei einem gleichzeitigen kroatischen Erfolg noch zum Verlust der Spitzenposition führen. Die englische Aufstellung mit Harry Kane, Jude Bellingham und Marcus Rashford signalisierte Entschlossenheit, doch die Abwesenheit des verletzten Reece James und die angeschlagene Form von Declan Rice warfen Fragen auf. Panama, das nach zwei 0:1-Niederlagen bereits ausgeschieden war, wollte sich mit dem ersten Punktgewinn der WM-Geschichte verabschieden – ein Ziel, das in mittelamerikanischen Medien wie La Nación aus Costa Rica und El Universal aus Mexiko als realistisches Minimalziel formuliert wurde.
Die paneuropäische und arabische Berichterstattung (El Espectador, An-Nahar) betonte die strategische Dimension des Gleichzeitigkeitsprinzips. Ein Unentschieden zwischen Kroatien und Ghana hätte beiden Mannschaften das Weiterkommen ermöglicht – ein Szenario, das in Italien als „biscotto“ (Keks) bezeichnet wird und das die FIFA durch die parallele Ansetzung eigentlich verhindern will. Doch die Kroaten, so die einhellige Meinung, würden sich nicht auf eine solche Rechnung verlassen, da sie bei einer Niederlage und einem gleichzeitigen Sieg Panamas gegen England sogar noch auf den vierten Platz abrutschen könnten. Die mathematischen Modelle, auf die sich unter anderem die brasilianische Band und die argentinische La Nación beriefen, sahen England als klaren Favoriten auf den Gruppensieg, während Kroatien als leichter Favorit gegen Ghana galt – ein Spiegel der höheren individuellen Klasse, aber auch der größeren Notwendigkeit.
Unabhängig vom Ausgang der Spiele standen die möglichen Achtelfinalpaarungen bereits im Raum. Der Gruppensieger der Gruppe L würde auf einen Drittplatzierten aus den Gruppen E, H, I, J oder K treffen, wobei Ecuador als wahrscheinlichster Gegner gehandelt wurde. Der Zweitplatzierte müsste gegen den Zweiten der Gruppe K antreten, also entweder Portugal oder Kolumbien. Für den Fall, dass Kroatien als einer der besten Dritten weiterkäme, winkte ein Duell mit dem Sieger der Gruppe K. So war die letzte Runde der Gruppe L nicht nur ein Kampf ums Überleben, sondern auch ein Taktieren für die kommenden Aufgaben – ein Schachspiel, das mit dem Schlusspfiff in eine neue Phase überging.
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