
Festnahme des Komikers Deniz Göktaş in Istanbul: Vorwurf der Beleidigung religiöser Werte und des Präsidenten
Nach einem viralen YouTube-Auftritt wurde der türkische Stand-up-Comedian am Flughafen festgenommen; die Behörden verweisen auf 185 Beschwerden, während Kritiker eine neue Stufe der Repression sehen.
Am Donnerstag wurde der türkische Komiker Deniz Göktaş bei der Einreise am Istanbuler Flughafen festgenommen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm die öffentliche Herabwürdigung religiöser Werte vor, später kam der Vorwurf der Präsidentenbeleidigung hinzu. Auslöser war ein auf YouTube veröffentlichtes Stand-up-Programm, das binnen weniger Tage fast neun Millionen Aufrufe erzielte und in dem Göktaş Präsident Recep Tayyip Erdoğan als „Diktator“ bezeichnete sowie satirisch über den Koran sprach. Die Behörden berufen sich auf 185 eingegangene Beschwerden.
Aus Sicht der türkischen Justiz handelt es sich um eine Straftat nach Paragraf 299 des Strafgesetzbuchs, der die Beleidigung des Staatsoberhaupts unter Strafe stellt und seit 2014 zu rund 160.000 Ermittlungsverfahren geführt hat. Regierungsnahe Kreise attackierten Göktaş in sozialen Medien scharf. Oppositionspolitiker und Bürgerrechtler hingegen loben den Komiker als mutig; der im deutschen Exil lebende Journalist Can Dündar sprach von einem Akt des Widerstands, der Millionen Menschen ermutigt habe. In europäischen Hauptstädten wird der Fall als weiteres Indiz für die schrumpfenden Freiräume in der Türkei gewertet.
Göktaş, der aus einer alevitischen Familie stammt, wurde ausgerechnet am 2. Juli festgenommen – dem Jahrestag des Pogroms von Sivas 1993, was in der Türkei als symbolträchtig gilt. Ihm drohen bei einer Verurteilung bis zu einem Jahr Haft wegen Beleidigung religiöser Werte, hinzu käme eine mögliche Strafe für die Präsidentenbeleidigung. Die Festnahme reiht sich in eine Serie von Verfahren gegen Künstler und Oppositionelle: Erst im April war die Komikerin Tuba Ulu wegen einer anzüglichen Bemerkung über Sultan Süleyman den Prächtigen festgenommen worden; Redakteure des Satiremagazins „LeMan“ stehen wegen einer Mohammed-Karikatur vor Gericht. Der Istanbuler Bürgermeister Ekrem İmamoğlu, wichtigster Rivale Erdoğans, sitzt seit Mai 2025 in Haft.
Die türkische Repression hat auch außenpolitische Folgen. So stoppte das schwedische Höchstgericht kürzlich die Auslieferung eines in Uppsala lebenden Mannes, der in der Türkei wegen Mitgliedschaft in der Gülen-Bewegung zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt worden war. Der Fall Göktaş wird nun von einem Haftrichter geprüft; Beobachter in Istanbul gehen davon aus, dass der Komiker nach einer Vernehmung freigelassen wird, die Festnahme aber als Einschüchterungssignal dient. Die Entscheidung wird für Freitag erwartet.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Russische Medien berichten über die Festnahme des türkischen Komikers Deniz Göktaş wegen Witzen über den Präsidenten und die Religion, unter Berufung auf Anklagen wegen Beleidigung religiöser Werte und des Staatsoberhaupts, mit möglicher Haftstrafe. Die Berichterstattung bleibt sachlich und verweist auf das YouTube-Video vom 24. Juni als Auslöser der Ermittlungen.
Die europäische Presse verurteilt die Festnahme als Schlag gegen die Meinungsfreiheit und hebt hervor, dass der Komiker es wagte, Präsident Erdoğan und den Islam offen zu verspotten. Die Verhaftung wird als Teil einer breiteren autoritären Entwicklung gesehen, mit Verweisen auf türkische Auslieferungsersuchen und die Verfolgung von Gülenisten.
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