
EU-Parlament verschärft Rückführungspolitik – Jubel der Rechtsextremen löst Empörung aus
Mit 418 Stimmen verabschiedete das Europaparlament eine umstrittene Verordnung, die Abschiebehaft und Rückkehrzentren in Drittstaaten ermöglicht – während in Madrid und Stockholm Kritik laut wird.
Es war ein Bild, das die tiefe Spaltung Europas in der Migrationsfrage offenlegte: Als das Europäische Parlament am Mittwochmittag die neue Rückführungsverordnung mit 418 zu 218 Stimmen bei 30 Enthaltungen annahm, sprangen rechtsradikale Abgeordnete von ihren Sitzen auf, reckten die Fäuste in die Höhe und skandierten „Send them back!“ – „Schickt sie zurück!“. Der Jubel glich einer Fanfeier im Stadion und markierte einen symbolischen wie rechtlichen Wendepunkt. Die Verordnung ist Teil einer umfassenden Verschärfung, die mit dem Inkrafttreten des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems am 12. Juni bereits begonnen hatte und nun das Rückkehrregime grundlegend neu ordnet.
Im Kern erlaubt die Verordnung den Mitgliedstaaten, abgelehnte Asylbewerber künftig in sogenannte Return-Hubs außerhalb der EU zu verbringen – etwa nach Uganda oder in andere Drittstaaten, mit denen die Betroffenen keinerlei Verbindung haben. Ergänzt wird dies durch eine Ausweitung der administrativen Haft auf bis zu 24 Monate bei Fluchtgefahr oder Sicherheitsrisiken, die Möglichkeit zu Durchsuchungen privater Wohnungen sowie die Beschlagnahme elektronischer Geräte zur Identitätsfeststellung. Hinzu kommt eine ausdrückliche Mitwirkungspflicht der Ausreisepflichtigen. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International warnen vor unmenschlichen Bedingungen in diesen externen Lagern, während die niederländische Zeitung NRC kommentierte, die universellen Menschenrechte – das Fundament der Union – träten hinter dem politischen Willen zurück, Härte zu demonstrieren.
Die Reaktionen in den Hauptstädten folgen den bekannten Bruchlinien. In Madrid nannte Ministerpräsident Pedro Sánchez die Entscheidung eine falsche Botschaft Europas und kritisierte die Abstimmungsallianz zwischen Konservativen und extremer Rechter scharf. In Rom dagegen feierte Giorgia Meloni einen „historischen Erfolg“, und die Fratelli d’Italia sprachen von einer „Remigration mit Fakten“. Aus Stockholm kam ein differenzierteres Signal: Migrationsminister Johan Forssell von den Moderaten, dessen Partei der Verordnung zugestimmt hatte, verurteilte die Sprechchöre als „zutiefst unwürdig und unangemessen“; die Linkspartei hatte von „reinem Rassismus“ gesprochen. In Berlin begrüßte Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) die neuen Abschiebemöglichkeiten, während eine Frontex-Beraterin in Brüssel beteuerte, die Regelung führe kein repressives System ein – ein Kontrast zu den Warnungen zivilgesellschaftlicher Gruppen, die längst von einer „Deportationsverordnung“ sprechen.
Die Verordnung ist mehr als ein technischer Anpassungsschritt. Sie spiegelt den wachsenden Anti-Migrations-Druck wider, der den Aufstieg rechtspopulistischer Kräfte in vielen Mitgliedstaaten befeuert. Mit der Schaffung von Rückkehrzentren außerhalb des Unionsgebiets betritt die EU rechtliches Neuland, dessen Vereinbarkeit mit dem Non-Refoulement-Prinzip und der Europäischen Menschenrechtskonvention umstritten bleibt. Die Bilder aus dem Plenarsaal von Straßburg und die Sprache der „Remigration“ zeigen, dass die Debatte längst nicht mehr nur über Verfahren, sondern über das normative Selbstverständnis Europas geführt wird. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz – letztere als assoziiertes Schengen-Land – wird die praktische Umsetzung zur innenpolitischen Bewährungsprobe, bei der sich entscheiden muss, ob effektive Rückführung und rechtsstaatliche Grundsätze in ein neues Gleichgewicht finden oder ob die Union den menschenrechtlichen Kompass weiter verschiebt.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die neue EU-Rückführungsverordnung offenbart tiefe Gräben: Rechtsradikale Abgeordnete jubeln mit 'Send them back'-Rufen, während Spanien und Schweden den harten Kurs verurteilen. Frontex-Beamte spielen das repressive Potenzial herunter, doch Menschenrechtsorganisationen warnen vor unmenschlichen Bedingungen in Rückkehrzentren außerhalb Europas.
Lateinamerika betrachtet die EU-‚Abschiebeverordnung‘ mit Empörung und sieht darin eine weitere koloniale Zumutung des globalen Nordens. Ausgelagerte Haftzentren werden als Auslagerung von Grausamkeit verurteilt, und progressive Stimmen werfen Brüssel vor, menschliche Mobilität zu kriminalisieren.
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