Anmelden
Ausgabe von 16:00 CETFreitag, 26. Juni 2026
307 Quellen · 17 Sprachen1125 Briefings heute
Geopolitik & PolitikFreitag, 26. Juni 2026

EU-Kommission will Schutzstatus für wehrpflichtige Ukrainer nicht mehr gewähren

Brüssel schlägt vor, die temporäre Schutzregelung bis 2028 zu verlängern, jedoch neu ankommende Männer im wehrfähigen Alter auf Bitten Kiews auszuschließen.

Die Europäische Kommission hat am Freitag vorgeschlagen, den vorübergehenden Schutz für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine um ein weiteres Jahr bis zum 4. März 2028 zu verlängern, zugleich aber eine bedeutsame Einschränkung einzuführen: Personen, die nach ukrainischem Recht aufgrund ihrer Militärpflicht das Land nicht verlassen dürfen, soll dieser Status künftig in der Regel nicht mehr gewährt werden. Betroffen sind vor allem Männer zwischen 23 und 60 Jahren, für die in der Ukraine ein Ausreiseverbot gilt. Nach Angaben der Brüsseler Behörde folgt der Vorschlag einer ausdrücklichen Bitte der Regierung in Kiew, die angesichts des andauernden russischen Angriffskriegs mit Rekrutierungsschwierigkeiten zu kämpfen hat. EU-Innenkommissar Magnus Brunner erklärte, die Maßnahme solle den Schutzrahmen mit der Verteidigungsfähigkeit der Ukraine in Einklang bringen.

Aus Sicht mehrerer Mitgliedstaaten, insbesondere Deutschlands, Polens und Tschechiens, die die größten Kontingente ukrainischer Schutzsuchender aufgenommen haben, wird die Einschränkung befürwortet. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte sich bei einem Ministertreffen Anfang Juni für eine solche Regelung starkgemacht. In Dänemark, das nicht am EU-Schutzsystem teilnimmt, gilt bereits eine vergleichbare Bestimmung: Ukrainische Männer müssen dort nachweisen, dass sie nicht wehrpflichtig sind, um bleiben zu dürfen. Die Kommission betonte, dass bereits in der EU lebende Personen Bestandsschutz genießen und die Neuregelung nur für künftig Ankommende gelten soll. Zudem bleibe das individuelle Asylrecht unberührt, auch wenn die Umgehung der Wehrpflicht für sich genommen kein anerkannter Asylgrund ist.

Kritik an dem Vorhaben äußerte der Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O’Flaherty. Pauschale Einschränkungen des temporären Schutzes für ganze Personengruppen würfen menschenrechtliche Bedenken auf, teilte er mit. Er forderte eine Einzelfallprüfung, insbesondere für Personen, die aus Gewissensgründen den Militärdienst verweigern oder legitime Befreiungsgründe geltend machen könnten. Die Kommission verwies hingegen auf die Möglichkeit, Asyl zu beantragen, und kündigte ein Pilotprogramm zur freiwilligen Rückkehr an, das praktische Informationen zu Sicherheitslage, Wohnraum, Schulen und Arbeit in den jeweiligen ukrainischen Regionen bereitstellen soll – ausdrücklich ohne finanzielle Anreize.

Gegenwärtig halten sich knapp 4,4 Millionen Ukrainer mit temporärem Schutzstatus in der EU auf, darunter rund 1,28 Millionen in Deutschland und 970.000 in Polen. Erwachsene Männer machen nach Eurostat-Daten etwa 26,7 Prozent dieser Gruppe aus, wobei ein Teil bereits über 65 Jahre alt ist. Die Kommission mahnte die Mitgliedstaaten, die Vorbereitungen für einen koordinierten Übergang nach dem Ende der Schutzregelung zu intensivieren – dies umfasse sowohl Wege in einen längerfristigen legalen Aufenthaltsstatus als auch die Rückkehrperspektive, sobald die Lage es erlaube. Der Vorschlag bedarf nun der Zustimmung des Rates der EU, wo eine qualifizierte Mehrheit von mindestens 15 Mitgliedstaaten, die 65 Prozent der EU-Bevölkerung vertreten, erforderlich ist. Mit einer Entscheidung wird in den kommenden Wochen gerechnet.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 6 Sprachen

50%
TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Kontinentaleuropäische PresseRussische & GUS-Presse
Kontinentaleuropäische Presse/ Mediterran
PragmatismusDistanz

Die Europäische Kommission schlägt vor, den vorübergehenden Schutz für ukrainische Flüchtlinge bis 2028 zu verlängern, macht jedoch eine Ausnahme für Männer im wehrpflichtigen Alter. Die Entscheidung folgt den Forderungen Kiews, das in einer kritischen Phase des Konflikts Schwierigkeiten hat, Soldaten zu rekrutieren. Sie zielt darauf ab, humanitäre Aufnahme und Unterstützung für die ukrainische Verteidigung in Einklang zu bringen.

Russische & GUS-Presse/ Staatlich
SkepsisRevanchismus

Brüssel verlängert den Schutz für ukrainische Flüchtlinge, verweigert aber Männern im wehrfähigen Alter den Flüchtlingsstatus. Damit zwingt die EU ukrainische Bürger faktisch zur Rückkehr und zum Kampf. Die Entscheidung entlarvt die europäische Heuchelei: Hinter den humanitären Appellen steckt der Wunsch, den Krieg zu verlängern.

Erweitere deinen Horizont

Mehr lesen
Aktuell
Nach Drohnenangriff auf Frachter: Trump wirft Iran Bruch der Waffenruhe vor·Europäische Hitzewelle überlastet Kliniken und verlagert sich nach Osten·Vance relativiert Watergate: Historische Parallelen und indische Irritationen·Googles Erdbebenwarnung in Venezuela: Rettung in letzter Sekunde – in Italien nicht verfügbar·Humanitäre Ausnahme: Washington setzt Venezuela-Sanktionen für Erdbebenhilfe temporär aus·Vance und Rubio setzen in der Iran-Politik unterschiedliche Akzente·Himmelblau und Schwarz: Zwei Filmstars, zwei Couture-Häuser, ein Abend·SpaceX-Aktien stürzen ab, während Konzern Mobilfunk- und Pipeline-Pläne vorantreibt und China mit SpaceSail kontert·Nach Drohnenangriff auf Frachter: Trump wirft Iran Bruch der Waffenruhe vor·Europäische Hitzewelle überlastet Kliniken und verlagert sich nach Osten·Vance relativiert Watergate: Historische Parallelen und indische Irritationen·Googles Erdbebenwarnung in Venezuela: Rettung in letzter Sekunde – in Italien nicht verfügbar·Humanitäre Ausnahme: Washington setzt Venezuela-Sanktionen für Erdbebenhilfe temporär aus·Vance und Rubio setzen in der Iran-Politik unterschiedliche Akzente·Himmelblau und Schwarz: Zwei Filmstars, zwei Couture-Häuser, ein Abend·SpaceX-Aktien stürzen ab, während Konzern Mobilfunk- und Pipeline-Pläne vorantreibt und China mit SpaceSail kontert·
Akt. 17:046 Sprachen · 10 Quellen
VorherigerGeopolitik & PolitikNächster
10 Quellen|6 Sprachen|3 Min. Lesezeit
Freitag, 26. Juni 2026

EU-Kommission will Schutzstatus für wehrpflichtige Ukrainer nicht mehr gewähren

Brüssel schlägt vor, die temporäre Schutzregelung bis 2028 zu verlängern, jedoch neu ankommende Männer im wehrfähigen Alter auf Bitten Kiews auszuschließen.

Die Europäische Kommission hat am Freitag vorgeschlagen, den vorübergehenden Schutz für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine um ein weiteres Jahr bis zum 4. März 2028 zu verlängern, zugleich aber eine bedeutsame Einschränkung einzuführen: Personen, die nach ukrainischem Recht aufgrund ihrer Militärpflicht das Land nicht verlassen dürfen, soll dieser Status künftig in der Regel nicht mehr gewährt werden. Betroffen sind vor allem Männer zwischen 23 und 60 Jahren, für die in der Ukraine ein Ausreiseverbot gilt. Nach Angaben der Brüsseler Behörde folgt der Vorschlag einer ausdrücklichen Bitte der Regierung in Kiew, die angesichts des andauernden russischen Angriffskriegs mit Rekrutierungsschwierigkeiten zu kämpfen hat. EU-Innenkommissar Magnus Brunner erklärte, die Maßnahme solle den Schutzrahmen mit der Verteidigungsfähigkeit der Ukraine in Einklang bringen.

Aus Sicht mehrerer Mitgliedstaaten, insbesondere Deutschlands, Polens und Tschechiens, die die größten Kontingente ukrainischer Schutzsuchender aufgenommen haben, wird die Einschränkung befürwortet. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte sich bei einem Ministertreffen Anfang Juni für eine solche Regelung starkgemacht. In Dänemark, das nicht am EU-Schutzsystem teilnimmt, gilt bereits eine vergleichbare Bestimmung: Ukrainische Männer müssen dort nachweisen, dass sie nicht wehrpflichtig sind, um bleiben zu dürfen. Die Kommission betonte, dass bereits in der EU lebende Personen Bestandsschutz genießen und die Neuregelung nur für künftig Ankommende gelten soll. Zudem bleibe das individuelle Asylrecht unberührt, auch wenn die Umgehung der Wehrpflicht für sich genommen kein anerkannter Asylgrund ist.

Kritik an dem Vorhaben äußerte der Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O’Flaherty. Pauschale Einschränkungen des temporären Schutzes für ganze Personengruppen würfen menschenrechtliche Bedenken auf, teilte er mit. Er forderte eine Einzelfallprüfung, insbesondere für Personen, die aus Gewissensgründen den Militärdienst verweigern oder legitime Befreiungsgründe geltend machen könnten. Die Kommission verwies hingegen auf die Möglichkeit, Asyl zu beantragen, und kündigte ein Pilotprogramm zur freiwilligen Rückkehr an, das praktische Informationen zu Sicherheitslage, Wohnraum, Schulen und Arbeit in den jeweiligen ukrainischen Regionen bereitstellen soll – ausdrücklich ohne finanzielle Anreize.

Gegenwärtig halten sich knapp 4,4 Millionen Ukrainer mit temporärem Schutzstatus in der EU auf, darunter rund 1,28 Millionen in Deutschland und 970.000 in Polen. Erwachsene Männer machen nach Eurostat-Daten etwa 26,7 Prozent dieser Gruppe aus, wobei ein Teil bereits über 65 Jahre alt ist. Die Kommission mahnte die Mitgliedstaaten, die Vorbereitungen für einen koordinierten Übergang nach dem Ende der Schutzregelung zu intensivieren – dies umfasse sowohl Wege in einen längerfristigen legalen Aufenthaltsstatus als auch die Rückkehrperspektive, sobald die Lage es erlaube. Der Vorschlag bedarf nun der Zustimmung des Rates der EU, wo eine qualifizierte Mehrheit von mindestens 15 Mitgliedstaaten, die 65 Prozent der EU-Bevölkerung vertreten, erforderlich ist. Mit einer Entscheidung wird in den kommenden Wochen gerechnet.

Divergenz der Quellen

Geopolitik & Politik · 10 Quellen · 6 Sprachen

50%Mittel

Wie stark die Quellen die gleichen Fakten unterschiedlich darstellen.

Wie sie sich aufteilen

Gunstig50%
Kritisch50%

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 6 Sprachen

TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Kontinentaleuropäische PresseRussische & GUS-Presse
Kontinentaleuropäische Presse/ Mediterran
PragmatismusDistanz

Die Europäische Kommission schlägt vor, den vorübergehenden Schutz für ukrainische Flüchtlinge bis 2028 zu verlängern, macht jedoch eine Ausnahme für Männer im wehrpflichtigen Alter. Die Entscheidung folgt den Forderungen Kiews, das in einer kritischen Phase des Konflikts Schwierigkeiten hat, Soldaten zu rekrutieren. Sie zielt darauf ab, humanitäre Aufnahme und Unterstützung für die ukrainische Verteidigung in Einklang zu bringen.

Russische & GUS-Presse/ Staatlich
SkepsisRevanchismus

Brüssel verlängert den Schutz für ukrainische Flüchtlinge, verweigert aber Männern im wehrfähigen Alter den Flüchtlingsstatus. Damit zwingt die EU ukrainische Bürger faktisch zur Rückkehr und zum Kampf. Die Entscheidung entlarvt die europäische Heuchelei: Hinter den humanitären Appellen steckt der Wunsch, den Krieg zu verlängern.

Diese Nachricht erschien in

10 Quellen · 6 Sprachen

Erweitere deinen Horizont

Aus Economy & Markets

Volkswagen erwägt Abbau von 100.000 Stellen und Schließung von vier deutschen Werken

10 Sprachen · 28 Quellen

Aus Technology

Googles Erdbebenwarnung in Venezuela: Rettung in letzter Sekunde – in Italien nicht verfügbar

4 Sprachen · 10 Quellen

Aus Science & Health

Weißes Haus dementiert Bericht über exklusiven Zugang Trumps zu Eli-Lilly-Medikament

3 Sprachen · 6 Quellen

Mehr lesen