
Vance: Watergate-Skandal hätte heute keine Präsidentschaft zu Fall gebracht
Der US-Vizepräsident zieht Parallelen zwischen Nixon und Trump und löst damit scharfe Kritik von Historikern sowie Irritationen in Indien aus.
Bei einem Auftritt in der Richard-Nixon-Präsidentenbibliothek im kalifornischen Yorba Linda hat US-Vizepräsident J. D. Vance die historische Bedeutung der Watergate-Affäre relativiert und eine direkte Verbindung zu den Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump gezogen. Vance erklärte, der Skandal wäre in der heutigen Medienlandschaft lediglich eine zwölfstündige Nachrichtengeschichte, und nannte es „verrückt“, dass er eine Präsidentschaft zu Fall gebracht habe. Zugleich machte er einen „Deep State“ für Nixons Sturz verantwortlich – dieselben Kräfte, so Vance, hätten auch versucht, Trump aus dem Amt zu drängen.
Aus dem Umfeld der Trump-Administration wird diese Deutung offen gestützt. Der umstrittene Begnadigungsbeauftragte Ed Martin hatte Watergate zuvor als „Schwindel“ der CIA bezeichnet, und Protokollchefin Monica Crowley sprach von einer „Deep-State-Falle“, aus der Nixon noch rehabilitiert werde. In Washingtoner Historikerkreisen und bei politischen Beobachtern stoßen solche Aussagen dagegen auf scharfe Ablehnung. Der frühere Obama-Berater David Axelrod nannte die Äußerungen „unfassbar“, und der Journalist Garrett Graff warf Vance ein „schockierend ahistorisches“ Verständnis der Affäre vor. Kolumnist David French merkte an, die kurze Halbwertszeit eines heutigen Watergate-Skandals sei nicht auf Unschuld, sondern auf die Normalisierung eklatanten Fehlverhaltens in der gegenwärtigen Politik zurückzuführen.
Aus indischer Perspektive erhält der Vorgang eine zusätzliche diplomatische Dimension. Die „Times of India“ verweist auf die historische Hypothek Nixons, der in freigegebenen Tonbandaufzeichnungen mit rassistischen und sexistischen Äußerungen über Inder und Premierministerin Indira Gandhi dokumentiert ist und dessen Pakistan-Politik während des Bangladesch-Krieges 1971 das bilaterale Verhältnis nachhaltig belastete. Dass Vance, verheiratet mit einer indischstämmigen Amerikanerin, nun ausgerechnet Nixon als verkannten Visionär preist, wird in Neu-Delhi mit Befremden registriert – zumal die Beziehungen unter der Regierung Trump-Vance ohnehin als angespannt gelten.
Die Watergate-Affäre begann 1972 mit einem Einbruch in die Wahlkampfzentrale der Demokraten und mündete nach der Aufdeckung einer systematischen Vertuschung durch Nixon in dessen Rücktritt 1974. Die nun von Vance und anderen Regierungsvertretern vorgetragene Umdeutung reiht sich in eine breitere Kampagne ein, mit der Anhänger Trumps die historische Rechenschaftspflicht als illegitimen Angriff umzudeuten versuchen. Eine unmittelbare politische oder rechtliche Folge ist mit den Äußerungen nicht verbunden; sie dürften jedoch die öffentliche Wahrnehmung des Skandals weiter verschieben und das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Institutionen untergraben. Eine offizielle Reaktion aus Indien steht bislang aus.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Der Vizepräsident deutete in der Nixon-Bibliothek halb im Scherz an, dass der Watergate-Skandal heute eine 12-Stunden-Nachricht wäre. Er stellte infrage, ob ein solches Ereignis eine Präsidentschaft zu Fall bringen könne, und bekundete Bewunderung für Nixons Vermächtnis.
Vance, obwohl mit einer Inderin verheiratet, versucht einen Ex-Präsidenten zu rehabilitieren, der für seine Verachtung Indiens und üble Beschimpfungen indischer Frauen berüchtigt war. Die Ironie ist frappierend: Er lobt einen Mann, der auf seine eigene Familie herabgesehen hätte.
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