
Mel Brooks wird 100: Ein Geburtstagsständchen unter Bolognas Himmel
Der Schöpfer von Frankenstein Junior begeht seinen hundertsten Geburtstag und wird weltweit als Meister der Parodie gefeiert, dessen Witz keine Tabus kennt.
Am späten Sonntagabend, unter dem Himmel Bolognas, stimmten über viertausend Menschen auf der Piazza Maggiore ein „Tanti auguri a te“ an – nicht für ein Kind, sondern für einen Hundertjährigen, der sechstausend Kilometer entfernt in Santa Monica vor einem Bildschirm sass. Mel Brooks, die Legende des irrwitzigen Kinos, empfing den Gruss per Video und schickte ein Lächeln zurück, bevor auf der Leinwand Frankenstein Junior, sein Klassiker von 1974, flimmerte. Es war der Auftakt zu einem globalen Konzert der Verehrung für einen Mann, der das Komische wie wenige beherrscht.
Der 1926 als Melvin Kaminsky in Brooklyn geborene Sohn jüdischer Einwanderer, früh vaterlos, wuchs in Armut auf, diente im Zweiten Weltkrieg als Pionier und entdeckte im Schützengraben sein Talent: Kameraden zum Lachen zu bringen. Nach dem Krieg schrieb er für Sid Caesars Varietés, erfand mit Buck Henry die Agenten-Parodie Mini-Max, und wagte sich mit The Producers ins Kino – eine Satire, die einen Broadway-Impresario beim Plan zeigt, mit einem Hitler-Musical zu scheitern und die Investoren zu prellen. Das Drehbuch brachte Brooks 1969 den Oscar ein; es war der Beginn eines Schaffens, das jede Genre-Ikone zerlegte: den Western (Der wilde wilde Westen), den Horrorfilm (Frankenstein Junior), die Weltraumoper (Spaceballs). Für den mexikanischen Theaterproduzenten Alejandro Gou steht Brooks dabei in einer Reihe mit Charlie Chaplin: ein Schöpfer, der sich selbst nicht schont und Regeln zerbricht, um das Komische aus dem Ernst zu kitzeln.
Brooks’ Humor hat eine Schärfe, die Grenzen überschreitet. In Südasien zitiert man seinen Satz: „Man kann einen Diktator nicht mit einer Rede besiegen, aber wenn man die Leute über ihn lachen lässt, kann man seine Macht brechen.“ In den USA erinnert die Ankündigung einer Spaceballs-Fortsetzung für 2027 daran, dass der Hundertjährige noch lange nicht abgetreten ist. Italienische Kommentatoren rühmen seine „destrutturazione“ festgefügter Kino-Mythen, und auch in Deutschland, wo Brooks’ Filme längst Kult sind, weiss man um die Doppelbödigkeit einer Komik, die nie bloss Ulk ist. Als einer der wenigen EGOT-Preisträger (Emmy, Grammy, Oscar, Tony) hat Brooks den Unterhaltungsbetrieb so grundlegend geprägt, dass seine Archiv-Schenkung an das National Comedy Center im Bundesstaat New York als Staatsakt des Humors gilt.
Brooks selbst gibt das Lachen als sein Lebenselixier aus. In seiner Autobiografie ¡Todo sobre mí! bezeichnete er den Humor als Protest gegen den Tod, und in einem Interview bekannte er, nach dem sechzigsten Geburtstag aufgehört zu haben, über das Sterben nachzudenken: „Ich lebe gern, und ich möchte es so lange wie möglich tun.“ Ein Sketch aus den Achtzigern illustriert diesen Übermut: Brooks liess für sich einen münzbetriebenen Grabstein entwerfen, der eine Videobotschaft abspielt. Sie beginnt: „Ich war Mel Brooks, einer der komischsten kleinen Juden, die je auf Erden wandelten.“
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Mel Brooks wird als gogolesker Künstler dargestellt, dessen absurde Komödie in die menschliche Verfassung eindringt. Seine wiederholten Verweise auf Gogols 'Tote Seelen' offenbaren einen sentimentalen Maximalisten im Kern. Die Analyse deckt ein ernsthaftes literarisches Erbe hinter den Parodien auf.
Mel Brooks wird dafür gefeiert, die Komödie als Waffe gegen die Tyrannei einzusetzen, insbesondere indem er Hitler zur Lachnummer machte. Sein Glaube, dass Satire die Macht eines Diktators brechen kann, wird als widerstandsfähige Form des Widerstands dargestellt. Der Beitrag zeigt seine hundertjährige Karriere als Lektion über die politische Kraft des Humors.
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