
EU droht Venedig-Biennale mit Entzug aller Mittel: Russische Präsenz erzwingt kulturopolitisches Zerwürfnis
Brüssel prüft rechtliche Schritte gegen die Biennale wegen russischer Teilnahme. Italiens Regierung streitet intern über den Kurs – Minister Giuli gerät unter Druck.
Die Europäische Union erhöht den Druck auf die Biennale di Venezia. EU-Kulturkommissar Glenn Micallef erklärte nach dem Treffen der Kulturminister in Brüssel, man werde „jedes verfügbare Instrument“ nutzen, um gegen die Teilnahme Russlands an der Kunstausstellung vorzugehen. Dies schließe nicht nur die Streichung von Fördermitteln ein, sondern auch die Prüfung einer Verletzung der EU-Sanktionen gegen Moskau. Aus Brüsseler Sicht sei es nicht hinnehmbar, dass Gelder europäischer Steuerzahler einer Veranstaltung zugutekämen, die Aggressoren eine Bühne biete. Der Schritt erfolgt, nachdem die von der Biennale eingesetzte Jury geschlossen zurückgetreten war – sie hatte sich geweigert, Preise an Israel oder Russland zu vergeben, zwei Länder, deren Führung vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt ist.
In Rom tobt derweil ein offener Machtkampf. Kulturminister Alessandro Giuli, der sich öffentlich gegen die russische Präsenz gestellt hatte, entschuldigte sich im Kabinett für seinen „sehr scharfen Ton“ – doch eine Einigung mit Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuoco ist nicht in Sicht. Buttafuoco, ein ehemaliger neofaschistischer Journalist dessen WhatsApp-Status „Me ne frego“ („Es kümmert mich nicht“) lautet, konterte, er fürchte den Westen mehr als Wladimir Putin. Die Freundschaft mit Giuli sei zwar intakt, doch der Minister trage Verantwortung für seine Rolle. Beobachter in Italien sehen darin einen Versuch Buttafuocos, seine von Giorgia Meloni gestützte Position zu festigen – die Ministerpräsidentin drängt Giuli ausdrücklich zum Einlenken.
Die Krise offenbart ein tieferes Zerwürfnis zwischen nationaler Kulturpolitik und europäischen Rechtsnormen. Während Brüssel auf strikter Einhaltung der Sanktionen beharrt, spielt die italienische Regierung mit zweierlei Maß: Meloni hat Buttafuoco persönlich berufen, doch ihr eigener Minister vertritt nun die EU-Linie. Aus Schweizer und österreichischer Perspektive ist der Fall besonders heikel, da beide Länder traditionell auf eine enge Zusammenarbeit mit Venedig angewiesen sind – und eine Suspendierung der Biennale die gesamte Kulturszene des Alpenraums treffen könnte. Zudem wächst in Berlin die Sorge, dass der Streit Signale nach Osteuropa sende: Wenn selbst eine prestigeträchtige Kulturinstitution wie die Biennale Sanktionen unterlaufe, werde das Vertrauen in die gemeinsame Außenpolitik untergraben.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die EU ihre Drohung wahr macht oder auf eine diplomatische Lösung setzt. Kommissar Micallef kündigte vertrauliche Gespräche mit der Biennale-Leitung an, doch die Zeit drängt: Die Ausstellung läuft noch bis November, jeder Schritt der EU müsste juristisch wasserdicht sein. Sollte Brüssel tatsächlich finanzielle Konsequenzen ziehen, stünde Italien vor einer unangenehmen Wahl – die Biennale zu retten oder die Beziehungen zur Union weiter zu belasten. In jedem Fall hat der Fall Buttafuoco eines deutlich gemacht: Die Grenzen zwischen Kunstfreiheit, nationalem Befinden und internationalem Recht sind in der Lagunenstadt längst aufgehoben.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die kontinentaleuropäische Presse schildert den Vorgang als politisch-kulturelles Chaos: Der EU-Kommissar droht, alle verfügbaren Hebel – auch jenseits der Kultur – zu nutzen, um die Sanktionen gegen die Biennale durchzusetzen. Der italienische Minister Giuli wird als im Inland isoliert, in Brüssel jedoch geschätzt dargestellt, während Biennale-Präsident Buttafuoco faschistische Parolen zeigt und den Westen herausfordert. Der Ton ist kritisch gegenüber der autoritären Tendenz und der Widersprüchlichkeit der italienischen Regierung.
Die lateinamerikanische Presse berichtet distanziert und konzentriert sich auf die EU-Drohung, alle verfügbaren Mittel einzusetzen, um die Biennale wegen der russischen Präsenz unter Druck zu setzen. Der diplomatische und sanktionsbezogene Aspekt wird hervorgehoben, ohne auf die italienischen internen Kontroversen einzugehen. Der Ton ist beschreibend und pragmatisch, mit Blick auf internationale Machtdynamiken.
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