
Ein Tamale, zu scharf für den Regisseur: Tom Cruises radikale Metamorphose in „Digger“
In einem Studio in Burbank erinnert sich Tom Cruise an eine Begegnung mit Alejandro G. Iñárritu, die mit einer kulinarischen Niederlage begann – und nun in einem Film mündet, der den Star bis zur Unkenntlichkeit entstellt.
In einem schmucklosen Vorführraum der Warner-Studios in Burbank beugt sich Tom Cruise zu einem Journalisten aus Mexiko hinüber. Mit einem Lächeln, das kurz die kontrollierte Star-Fassade durchbricht, erzählt er von einem Tamale – einem jener gedämpften Maisteigtaschen, die Iñárritu einst für ihn besorgt hatte. Die Sauce sei so höllisch scharf gewesen, dass der Regisseur selbst kapitulieren musste. „Alejandro konnte nicht“, sagt Cruise, „fragen Sie ihn, wenn Sie ihn sehen.“ Es ist eine beiläufige Anekdote, doch sie legt eine Spur zu dem, was Minuten später über die Leinwand flackert: die erste vollständige Vorschau auf „Digger“, Iñárritus erste englischsprachige Arbeit seit „The Revenant“ und Cruises wohl radikalste Selbstauflösung vor der Kamera.
Der Trailer zeigt einen Mann, den man erst auf den zweiten Blick als Tom Cruise erkennt. Unter einer Maske aus Prothesen, mit schütterem grauem Haar, einem vorgewölbten Bauch und einem Kampfgewicht an Arroganz spielt er Digger Rockwell, einen Ölmilliardär, dessen Unternehmen eine planetare Katastrophe auslöst – das Abrutschen eines Gletschers in Grönland, einen Tsunami, der ein Kernkraftwerk trifft, einen Schaden von achtzehn Billionen Dollar. Rockwell, stets begleitet von einem kränklichen weißen Kater, soll die von ihm selbst verursachte Apokalypse nun abwenden, gedrängt von einem US-Präsidenten, dem John Goodman fahle Züge leiht. Der Film, so die offizielle Beschreibung, sei „eine Komödie katastrophalen Ausmaßes“ – schwarzer Humor, politische Satire und ein Ichthyosaurus aus Ego und Macht.
Für Cruise markiert „Digger“ eine Zäsur. Nach Jahren, in denen er sich an Flugzeugrümpfe klammerte und über Dächer sprintete, vertraut er nun ganz der Maske und dem Wort. Gegenüber internationalen Medien sagte er, kein Projekt habe ihn je so herausgefordert – und auch Iñárritu, der aus London per Video zugeschaltet war, betonte, er habe noch nie etwas Vergleichbares gewagt. Der mexikanische Regisseur, fünffacher Oscar-Preisträger, hatte die Idee zu dem Film vor einem Jahrzehnt, kurz nach „The Revenant“. Dass Cruise die Hauptrolle übernahm, war für ihn so zwingend „wie die Frage, warum man Wasser trinkt, wenn man Durst hat“. Die beiden kennen sich, seit Cruise im Jahr 2000 eine frühe Fassung von „Amores Perros“ sah und dachte: „Was zum Teufel? Dieser Kerl!“
In den sozialen Netzwerken entzündete der Trailer sofort Spekulationen über einen ersten Darsteller-Oscar für Cruise, der 2026 einen Ehrenpreis erhielt, aber noch nie einen Wettbewerbs-Oscar gewann. Fans sprachen von einer „Oscar-würdigen“ Leistung, andere zeigten sich schlicht verblüfft über die physische Entstellung. Für das deutschsprachige Publikum birgt der Film eine zusätzliche Neugier: Sandra Hüller, die 2024 für „Anatomie eines Falls“ als beste Hauptdarstellerin nominiert war, spielt eine noch unbekannte Rolle. Dass Iñárritu, der mit „Birdman“ und „The Revenant“ bereits Schauspieler zu Oscars führte, nun auch Hüller in seinem Ensemble versammelt, verleiht der Produktion eine weitere Facette jenseits des Spektakels.
Am Ende des Vormittags in Burbank bleibt ein Satz hängen, den Iñárritu in seiner Videobotschaft fast beiläufig nachschob: „Meine Damen und Herren, machen Sie sich bereit, denn Mutter Natur liebt die Hurensöhne.“ Es ist eine Zeile, die den Ton des Films präzise umreißt – sarkastisch, apokalyptisch und ohne jede Reue. Und während Cruise längst wieder hinter den Kulissen verschwunden ist, steht noch immer das Bild jenes alten Katers im Raum, der in Rockwells Armen liegt, als sei er das letzte lebendige Wesen, dem dieser Mann etwas bedeutet.
| Arabische Golfpresse | +0.70 | aligned |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | +0.20 | neutral |
| Kontinentaleuropäische Presse | +0.40 | aligned |
Der Trailer zu 'Digger' ist ein Triumph des Wahnsinns und der Satire, und Tom Cruise erfindet sich neu wie nie zuvor.
Verwendet hyperbolische Sprache und extreme Adjektive ('herrlich durchgeknallt', 'wildeste'), um eine Aura eines unverzichtbaren Ereignisses zu schaffen und eine einfache Vorschau in ein kulturelles Phänomen zu verwandeln.
Erwähnt nicht den Nationalstolz auf den mexikanischen Regisseur, ein zentrales Element der lateinamerikanischen Berichterstattung.
Tom Cruise hat sich für 'Digger' unkenntlich verwandelt, und der mexikanische Regisseur Iñárritu beweist erneut sein Genie.
Betonte die extreme körperliche Verwandlung und die Verbindung zum mexikanischen Regisseur, nutzt Nationalstolz als Linse zur Interpretation des Films und macht die Nachricht zu einem Ereignis von lokaler Relevanz.
Erörtert nicht die Oscar-Ambitionen des Films oder die politische Satire, die von der europäischen und der Golfpresse hervorgehoben werden.
Iñárritus neuer Film mit Tom Cruise ist ein ernsthafter Oscar-Anwärter, eine lang erwartete Rückkehr nach 'The Revenant'.
Nimmt einen gemessenen, analytischen Ton an, ordnet den Film in die Karriere des Regisseurs und seine Auszeichnungschancen ein und verleiht der Nachricht Autorität und Ernsthaftigkeit.
Erwähnt nicht Cruises körperliche Verwandlung oder den 'unkenntlichen' Aspekt, die im Mittelpunkt der lateinamerikanischen Berichterstattung stehen.
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