Die Kuh, die Fisch fraß: Mahasweta Devi und die Macht der Benennung
Von einer Rikschafahrt in Kalkutta bis zum Streit ums inklusive Schreiben – wie die indische Autorin und andere Stimmen die Kategorien des Lebens befragen.
Es war eine jener flirrenden Begegnungen, wie sie nur der Zufall webt. Manoranjan Byapari, einst Flüchtling, dann Naxalit, zog in den Straßen Kalkuttas eine Rikscha, als eine ältere Frau im Sari zustieg – bebrillt, eine Jhola-Tasche über der Schulter. Sie fragte ihn nach der Bedeutung des Wortes jijivisha, dem unbeugsamen Willen zu leben. Die Neugier des Fahrgasts entzündete etwas in Byapari; sie drängte ihn, für die Arbeiterzeitschrift Bortika zu schreiben. Vor dem Aussteigen kritzelte sie ihre Adresse auf einen Zettel und unterschrieb: Mahasweta Devi. Aus dem Rikschafahrer wurde einer der bedeutendsten Dalit-Autoren Bengalens. Devi, deren Geburtstag sich im Januar 2026 zum hundertsten Mal jährt, erkannte nicht nur den verborgenen Schriftsteller – sie lebte eine Literatur, die keinen Unterschied kannte zwischen dem Schreiben und dem Eintauchen in die Kämpfe der Marginalisierten.
Für Mahasweta Devi war das Schreiben ein Akt der Hingabe, ein Besessensein von der Sprache, das kein Ego duldete. Sie teilte die Welt in das Nötige und das Unnötige, und ihr ganzes Interesse galt dem Ersteren. Ihre Figuren, so sagte sie, hätten das Recht, ihre eigenen Wege zu träumen, ihr eigenes Schicksal zu wählen – eine mukti, eine Befreiung, die sie den Stammesgemeinschaften auch außerhalb der Bücher zu erkämpfen suchte. Im westbengalischen Purulia steht noch heute ein Lehmhaus, ‚Mahasweta Bhawan‘, in dem ihr Bett, ihre Bücher und ihre Fotografien aufbewahrt werden. Dort setzt Prasanta Rakshit, der sie seit 1983 begleitete, ihre Arbeit für die Kheria Sabars fort, eine einst als ‚geborene Kriminelle‘ gebrandmarkte Gemeinschaft. Devi, die für sich selbst nie um eine Gefälligkeit bat, scheute keine Konfrontation mit der Obrigkeit, wenn sie Unrecht sah – und sie verabscheute ‚gute Menschen‘, die sie einmal bat, niemals einer von ihnen zu werden.
Die Frage, wie wir benennen, was uns umgibt, ist keine Nebensache. Eine französische Literaturdozentin erinnert sich, wie sie 2011 noch darauf bestand, ‚maître de conférences‘ genannt zu werden, und das Wort ‚autrice‘ mit einem Rümpfen der Nase quittierte. Sie hielt das Maskulinum für das Neutrale, bis sie begriff, dass dieser Reflex bloße Gewohnheit war, eine Sprache der ersten Sozialisation, die unbewusst wirkt. Heute sagt sie selbstverständlich ‚autrice‘. In den Vereinigten Staaten wiederum erklärte die Präsidentin der American Anthropological Association, Carolyn M. Rouse, die Vorstellung von zwei biologischen Geschlechtern sei ‚schlicht faktisch falsch‘, und verglich die Gegenposition mit Astrologie. Dass 42 Prozent der forensischen Anthropologen in einer Umfrage das Geschlecht als binär betrachten, tat sie als Meinung von Leuten ohne höhere akademische Bildung ab. Die Debatte, ob das Geschlecht ein Spektrum oder eine binäre Kategorie ist, berührt nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Frage, wessen Erfahrung als wirklich gilt.
Eine fünfzigjährige Russin, frisch geschieden, wandte sich an einen Kolumnisten der Washington Post mit der Sorge, das viele Sex in ihrem neuen Leben könnte sie verschlingen. Die Antwort: Ein Zuviel gebe es nicht, wohl aber die Gefahr, dass Gedanken an Intimität zwanghaft werden und andere Lebensbereiche verdrängen. Die Frage der Frau ist im Kern die gleiche, die Mahasweta Devi mit ihrer Unterscheidung von nötig und unnötig stellte: Wann wird eine Leidenschaft zum bloßen Zeitvertreib, wann zum gelebten Selbst? Die russische Sexologin Kamila Voluptas wiederum erklärte, der Wunsch, beim Sex beschimpft zu werden, könne auf Traumata beruhen, sei aber auch bei gesunden Menschen anzutreffen – eine weitere Facette im Ringen um die Deutungshoheit über den eigenen Körper.
In Mahasweta Devis Kinderbuchklassiker ‚Our Non-Veg Cow‘ frisst eine Kuh namens Nyadosh gebratenen Fisch, erklimmt Treppen, kostet versehentlich Alkohol und wirft Polizisten der britischen Kolonialzeit in den Fluss. Das Buch erschien zu einer Zeit, als die Kuh in der Gesellschaft noch eher als Nutztier denn als Gottheit galt. Vielleicht ist diese fischfressende Kuh das heiterste Sinnbild für das, was Devi das Nötige nannte: ein Geschöpf, das sich den Kategorien entzieht, ohne nach Erlaubnis zu fragen – nicht unähnlich dem Rikschafahrer, der zum Schriftsteller wurde, oder einer Frau, die nach der Scheidung ihr Begehren neu vermisst.
| Indische & südasiatische Presse | +1.00 | aligned |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | 0.00 | neutral |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.80 | critical |
| Russische & GUS-Presse | +0.20 | neutral |
Mahasweta Devi opened the world with her words, giving voice to the marginalized and fighting for their freedom.
By recounting the rickshaw encounter and her legacy, an image of a literary heroine and activist is built, making her story exemplary.
The controversial dimension of naming battles (such as the debate on inclusive writing and the definition of sex) is absent, which reinforces the harmonious image of Devi's legacy.
The author overcame initial resistance and now accepts 'autrice', recognizing the value of feminization.
By narrating the personal journey, the linguistic change is normalized as a natural evolution.
The broader context of naming struggles, such as Mahasweta Devi's fight for Adivasi rights and the debate on binary sex, is absent, which reduces the political scope of the theme.
The AAA president does not understand the position she dismisses, and her ignorance threatens science.
Using an accusatory tone and scientific authority, the opponent is delegitimized as incompetent.
The personal and literary perspective of naming life, as in the example of Mahasweta Devi and the feminization of language, is omitted, which polarizes the debate without nuance.
The woman should not worry about the amount of sex; what matters is health and happiness.
By reassuring with authority, social anxiety is reduced and the problem is individualized.
The political and cultural dimensions of naming, such as Mahasweta Devi's activism and inclusive writing, are absent, which individualizes the sexual issue.
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