Anmelden
Ausgabe von 10:00 CETSonntag, 5. Juli 2026
311 Quellen · 17 Sprachen568 Briefings heute
Medien & UnterhaltungDienstag, 30. Juni 2026

Das leise Gurgeln hinter der Leinwand: Wie ein 750.000-Dollar-Film Hollywoods Regeln bricht

Während ein millionenschwerer Superheldenfilm enttäuscht, wird ein psychologischer Horrorfilm zum globalen Phänomen – und verwirrt nun mit einer ungekürzten Fassung.

In der ungekürzten Fassung von „Obsession“, die seit Dienstag auf Apple TV abrufbar ist, soll eine Szene zu sehen sein, die es nicht durch die amerikanische Altersfreigabe schaffte: Nikki, die vor Eifersucht rasende Protagonistin, zertrümmert das Gesicht einer Rivalin. Die Schauspielerin Megan Lawless bestätigte, dass in der ursprünglichen Version mehr Schläge zu hören waren und ein leises Gurgeln darauf hindeutete, dass das Opfer noch lebte. Doch wer die nun als „unrated“ angebotene Fassung aufruft, stellt fest: Die Laufzeit ist identisch, die Zahl der Schläge unverändert. Ein kurioses Detail, das die Verwirrung um einen Film spiegelt, der ohnehin alle Erwartungen unterläuft.

Dabei begann alles mit einer Wunschspielzeugdose. Der Musikladenangestellte Bear wünscht sich, dass seine Kollegin Nikki ihn mehr liebt als jeden anderen. Was als romantische Komödie anhebt, kippt in einen Albtraum aus krankhafter Besessenheit. Der 26-jährige Regisseur Curry Barker, bislang bekannt für YouTube-Sketche und einen Found-Footage-Kurzfilm, drehte „Obsession“ für 750.000 Dollar. Nach seiner Premiere auf dem Toronto International Film Festival erwarb Focus Features den Film für 15 Millionen Dollar. Seit dem Kinostart am 15. Mai spielte er weltweit über 371 Millionen Dollar ein – mehr als das Vierhundertfache seines Budgets.

Der Erfolg fällt in eine Zeit, in der die Kräfteverhältnisse an den Kinokassen neu vermessen werden. Am selben Wochenende, an dem „Obsession“ in der siebten Woche noch 9,8 Millionen Dollar in Nordamerika einspielte, startete die mit 878 Millionen Dollar produzierte DC-Verfilmung „Supergirl“ weltweit mit 62,6 Millionen Dollar – ein Ergebnis, das das Branchenblatt Variety als enttäuschend wertete. In Italien landete der Superheldenfilm mit 630.000 Euro auf Platz zwei hinter „Toy Story 5“, wie Il Giornale notierte. Aus Washingtoner Sicht mag dies als weiteres Indiz für die Ermüdung des Publikums an aufwendigen Comic-Adaptionen gelten, während kleine, konzeptstarke Produktionen von der Sehnsucht nach unverbrauchten Erzählungen profitieren.

Die Anziehungskraft von „Obsession“ speist sich aus einer klaustrophobischen Inszenierung, die fast ausschließlich in der Nacht spielt und die Welt auf wenige Figuren verengt. Die libanesische Zeitung An-Nahar beschrieb den Film als „albtraumhaften, langen Korridor, aus dem man jeden Moment aufwachen möchte“. Barker selbst, so das Blatt, inszeniere mit einer Selbstgewissheit, die wie ein Schutzschild gegen das Scheitern wirke. Dass der Regisseur das Ende in letzter Minute änderte und die Figur der Nikki entgegen dem Drehbuch überleben ließ, öffnet die Tür für eine Fortsetzung – und hält die Figur in einem Zustand des Traumas gefangen, der nach dem Abspann weiterwirkt.

So bleibt am Ende das Bild einer jungen Frau, die inmitten von Leichen zu sich kommt, während die reale Seele der Figur, wie in einer Telefonszene enthüllt, in einer anderen Dimension gefangen war und um Erlösung flehte. Ein leises Gurgeln, das vielleicht nie zu hören war, und ein Regisseur, der mit 26 Jahren sagt: ‚Ich bin hier‘ – nicht als lauter Emporkömmling, sondern als jemand, der sich in der Dunkelheit versteckt und doch jede Einstellung prägt.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 3 Sprachen

40%
TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Lateinamerikanische PresseAtlantische / angloamerikanische Presse
Lateinamerikanische Presse
SkepsisPragmatismus

The Latin American narrative frames the success of 'Obsession' as an ephemeral and potentially dangerous phenomenon, while the decline of 'Supergirl' is read as a symptom of a cultural system that rewards appearance over substance. The emphasis is on the hidden risks behind the triumph and the need for a more cautious and reflective approach.

Atlantische / angloamerikanische Presse
TriumphPragmatismus

The Atlantic press celebrates 'Obsession' as a triumph of innovation and market strategy, while the failure of 'Supergirl' is attributed to management errors and lack of vision. The tone is optimistic and business-oriented, focusing on lessons to be learned for future productions.

Erweitere deinen Horizont

Mehr lesen
Aktuell
Zwischen Rache und Versöhnung: Die fragile Kunst der Nähe und Distanz·Europas Hitzewelle heizt Nachfrage nach Klimageräten an – und entfacht politischen Streit·OPEC+ beschließt Produktionsausweitung um 188.000 Barrel täglich ab August·Überschwemmungen in Westafrika: Mindestens 34 Tote in Ghana, neue Regenfälle befürchtet·Antonelli dominiert in Silverstone: Sprint-Sieg und Pole-Position·Das unvollendete Versprechen: 250 Jahre Unabhängigkeitserklärung der USA·Katar gibt Schifffahrt vollständig frei – Iran-Handelsweg nach fünf Monaten wieder offen·Schüsse in Brooklyn: Acht Verletzte bei Unabhängigkeitsfeier, darunter vier Kinder·Zwischen Rache und Versöhnung: Die fragile Kunst der Nähe und Distanz·Europas Hitzewelle heizt Nachfrage nach Klimageräten an – und entfacht politischen Streit·OPEC+ beschließt Produktionsausweitung um 188.000 Barrel täglich ab August·Überschwemmungen in Westafrika: Mindestens 34 Tote in Ghana, neue Regenfälle befürchtet·Antonelli dominiert in Silverstone: Sprint-Sieg und Pole-Position·Das unvollendete Versprechen: 250 Jahre Unabhängigkeitserklärung der USA·Katar gibt Schifffahrt vollständig frei – Iran-Handelsweg nach fünf Monaten wieder offen·Schüsse in Brooklyn: Acht Verletzte bei Unabhängigkeitsfeier, darunter vier Kinder·
Akt. 14:573 Sprachen · 3 Quellen
VorherigerMedien & UnterhaltungNächster
3 Quellen|3 Sprachen|3 Min. Lesezeit
Dienstag, 30. Juni 2026

Das leise Gurgeln hinter der Leinwand: Wie ein 750.000-Dollar-Film Hollywoods Regeln bricht

Während ein millionenschwerer Superheldenfilm enttäuscht, wird ein psychologischer Horrorfilm zum globalen Phänomen – und verwirrt nun mit einer ungekürzten Fassung.

In der ungekürzten Fassung von „Obsession“, die seit Dienstag auf Apple TV abrufbar ist, soll eine Szene zu sehen sein, die es nicht durch die amerikanische Altersfreigabe schaffte: Nikki, die vor Eifersucht rasende Protagonistin, zertrümmert das Gesicht einer Rivalin. Die Schauspielerin Megan Lawless bestätigte, dass in der ursprünglichen Version mehr Schläge zu hören waren und ein leises Gurgeln darauf hindeutete, dass das Opfer noch lebte. Doch wer die nun als „unrated“ angebotene Fassung aufruft, stellt fest: Die Laufzeit ist identisch, die Zahl der Schläge unverändert. Ein kurioses Detail, das die Verwirrung um einen Film spiegelt, der ohnehin alle Erwartungen unterläuft.

Dabei begann alles mit einer Wunschspielzeugdose. Der Musikladenangestellte Bear wünscht sich, dass seine Kollegin Nikki ihn mehr liebt als jeden anderen. Was als romantische Komödie anhebt, kippt in einen Albtraum aus krankhafter Besessenheit. Der 26-jährige Regisseur Curry Barker, bislang bekannt für YouTube-Sketche und einen Found-Footage-Kurzfilm, drehte „Obsession“ für 750.000 Dollar. Nach seiner Premiere auf dem Toronto International Film Festival erwarb Focus Features den Film für 15 Millionen Dollar. Seit dem Kinostart am 15. Mai spielte er weltweit über 371 Millionen Dollar ein – mehr als das Vierhundertfache seines Budgets.

Der Erfolg fällt in eine Zeit, in der die Kräfteverhältnisse an den Kinokassen neu vermessen werden. Am selben Wochenende, an dem „Obsession“ in der siebten Woche noch 9,8 Millionen Dollar in Nordamerika einspielte, startete die mit 878 Millionen Dollar produzierte DC-Verfilmung „Supergirl“ weltweit mit 62,6 Millionen Dollar – ein Ergebnis, das das Branchenblatt Variety als enttäuschend wertete. In Italien landete der Superheldenfilm mit 630.000 Euro auf Platz zwei hinter „Toy Story 5“, wie Il Giornale notierte. Aus Washingtoner Sicht mag dies als weiteres Indiz für die Ermüdung des Publikums an aufwendigen Comic-Adaptionen gelten, während kleine, konzeptstarke Produktionen von der Sehnsucht nach unverbrauchten Erzählungen profitieren.

Die Anziehungskraft von „Obsession“ speist sich aus einer klaustrophobischen Inszenierung, die fast ausschließlich in der Nacht spielt und die Welt auf wenige Figuren verengt. Die libanesische Zeitung An-Nahar beschrieb den Film als „albtraumhaften, langen Korridor, aus dem man jeden Moment aufwachen möchte“. Barker selbst, so das Blatt, inszeniere mit einer Selbstgewissheit, die wie ein Schutzschild gegen das Scheitern wirke. Dass der Regisseur das Ende in letzter Minute änderte und die Figur der Nikki entgegen dem Drehbuch überleben ließ, öffnet die Tür für eine Fortsetzung – und hält die Figur in einem Zustand des Traumas gefangen, der nach dem Abspann weiterwirkt.

So bleibt am Ende das Bild einer jungen Frau, die inmitten von Leichen zu sich kommt, während die reale Seele der Figur, wie in einer Telefonszene enthüllt, in einer anderen Dimension gefangen war und um Erlösung flehte. Ein leises Gurgeln, das vielleicht nie zu hören war, und ein Regisseur, der mit 26 Jahren sagt: ‚Ich bin hier‘ – nicht als lauter Emporkömmling, sondern als jemand, der sich in der Dunkelheit versteckt und doch jede Einstellung prägt.

Divergenz der Quellen

Medien & Unterhaltung · 3 Quellen · 3 Sprachen

40%Mittel

Wie stark die Quellen die gleichen Fakten unterschiedlich darstellen.

Wie sie sich aufteilen

Gunstig50%
Kritisch50%

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 3 Sprachen

TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Lateinamerikanische PresseAtlantische / angloamerikanische Presse
Lateinamerikanische Presse
SkepsisPragmatismus

The Latin American narrative frames the success of 'Obsession' as an ephemeral and potentially dangerous phenomenon, while the decline of 'Supergirl' is read as a symptom of a cultural system that rewards appearance over substance. The emphasis is on the hidden risks behind the triumph and the need for a more cautious and reflective approach.

Atlantische / angloamerikanische Presse
TriumphPragmatismus

The Atlantic press celebrates 'Obsession' as a triumph of innovation and market strategy, while the failure of 'Supergirl' is attributed to management errors and lack of vision. The tone is optimistic and business-oriented, focusing on lessons to be learned for future productions.

Diese Nachricht erschien in

3 Quellen · 3 Sprachen

Erweitere deinen Horizont

Aus Geopolitics & Politics

Trump warnt am Mount Rushmore vor „kommunistischer Bedrohung“ der amerikanischen Identität

6 Sprachen · 25 Quellen

Aus Economy & Markets

Brasiliens Automarkt überrascht mit starkem Wachstum – Indonesien zögert bei E-Auto-Förderung

4 Sprachen · 10 Quellen

Aus Technology

Alibaba verbannt Claude Code – Eskalation im KI-Zugangskonflikt zwischen USA und China

4 Sprachen · 4 Quellen

Mehr lesen