
Das Heft mit dem Superhelden: Was eine Kinderhand in Teheran über die Suche nach Vorbildern verrät
In einer Schreibwarenhandlung greift ein Kind zum Notizbuch mit dem Comic-Helden – und berührt damit eine Debatte, die von iranischen Gelehrten über westliche Psychologen bis zu Koranexegeten in Dhaka reicht.
Die kleine Hand zögert nicht lange. Zwischen fedrigen Füllern und pastellfarbenen Radiergummis greift sie nach dem Heft, auf dessen Umschlag ein muskelbepackter Held in grellem Kostüm prangt. Die Mutter, so berichtet es der iranische Geistliche Hojjatoleslam Sajjad Rajabi, habe das Kind noch auf die religiösen Motive hingelenkt – doch die Wahl war längst gefallen. Was sich in einer Teheraner Schreibwarenhandlung abspielt, ist für Rajabi mehr als eine kindliche Laune. Es ist ein Symptom: „Wir haben der neuen Generation die wahren Vorbilder nicht vorgestellt“, sagt er, und meint damit jene Gestalten, die in den heiligen Texten als Leuchttürme der Moral aufragen.
Rajabis Klage speist sich aus einer jahrtausendealten pädagogischen Grammatik. Der Koran, so führt er aus, habe Persönlichkeiten wie die Mutter Moses nicht als fromme Randnotiz, sondern als zentrale Orientierungspunkte platziert. Bevor Gott ihr den Auftrag erteilt, das Kind dem Nil anzuvertrauen, heißt es in der Sure al-Qasas, habe er ihr Herz mit Ruhe erfüllt – ein seelisches Fundament, das der Gelehrte als Modell für jede Erziehung liest. Auch die Frau des Pharaos, Asiya, wird in derselben Tradition zur Lehrmeisterin: Sie spricht den Herrscher nicht mit Geboten an, sondern appelliert an seine Zuneigung, nennt das Findelkind „Augenlicht“. Ein Vorbild, so die iranische Lesart, wirkt nicht durch Zwang, sondern durch die behutsame Berührung des Gefühls.
Dass diese Grammatik der Vorbilder keineswegs auf den schiitischen Iran beschränkt ist, zeigt ein Blick in die sunnitisch geprägten Diskurse Südostasiens. In Dhaka verweisen Koranexegeten auf die Rede, mit der Dschafar ibn Abi Talib vor dem äthiopischen Herrscher die Essenz des Islam umriss: Schutz der Schwachen, Barmherzigkeit zu den Waisen, Respekt vor der Nachbarin, wirtschaftliche Redlichkeit. Die sieben sozialen Verpflichtungen, die sich aus dieser frühesten Missionsrede herauslesen lassen, formen ein ethisches Gerüst, das in indonesischen Beiträgen über das gesegnete Zuhause als „Birrul Walidain“ – die liebevolle Zuwendung zu den Eltern – wiederkehrt. Hier wie dort wird die Familie zur ersten Bühne, auf der sich Charakter nicht als abstrakte Tugend, sondern als gelebte Geste zeigt.
Doch die Suche nach dem rechten Maß erschöpft sich nicht in der Nachahmung historischer Gestalten. In der spanischsprachigen Debatte um psychische Gesundheit, wie sie das argentinische Portal Todo Noticias dokumentiert, wenden sich Fachleute gegen eine reine Diagnosefixierung. Nicht die Frage „Welche Störung liegt vor?“ führe zum Kern, sondern der Blick auf jene sozialen Prozesse, die Leid hervorbringen. Auffallend ist die Parallele zum islamischen Konzept der Muhasabah, der täglichen Selbstbefragung, die indonesische Autoren als spirituelle Form der Self-Reflection beschreiben. Der Gläubige, der abends seine Taten mustert, ähnelt darin dem modernen Menschen, der in der Stille die eigenen Gedanken ordnet – beide suchen einen inneren Kompass, der nicht von außen diktiert, sondern im eigenen Gewissen verankert ist.
Am Ende bleibt das Bild der kleinen Hand, die nach dem Heft greift. Vielleicht, so ließe sich mit dem nigerianischen Gelehrten argumentieren, der an die Auswanderung des Propheten erinnert, kommt es weniger auf das konkrete Antlitz des Helden an als auf die Absicht, mit der man ihm folgt. Die Geschichte von jenem Mann, der einst nur nach Medina zog, um eine Frau zu heiraten, und dennoch als „Muhadschir Umm Qays“ in die Annalen einging, lehrt eine ironische Demut: Nicht die Reinheit der Figur entscheidet, sondern die Aufrichtigkeit des Blicks, der sich an ihr ausrichtet. So bleibt das Heft mit dem Superhelden kein Zeichen des Verlusts, sondern eine leere Bühne, auf der sich die Frage nach dem wahren Vorbild immer wieder neu stellt.
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The Supreme Leader has been martyred, but his guidance continues. We, the Iranian people and the faithful worldwide, do not bow: his legacy is immortal.
A tragic event is turned into a spiritual victory by personifying the nation in the leader and projecting his influence beyond death. International consensus is selectively cited as proof of legitimacy.
International criticism of Khamenei’s regime is omitted, nor is the context of his death (joint US-Israel attack) framed as an act of war; instead it is presented as inevitable martyrdom.
Khamenei's death is global news. Bangladesh attends ceremonies to maintain diplomatic relations. The region watches cautiously.
An informative and detached tone is adopted, listing facts and participants without judgment. Any comment on the Iranian regime is avoided, limiting to event chronicle.
No analysis of Iran's role in the region or the war context of the death; internal Iranian divisions and opposing reactions are omitted.
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