
Das 3:3 zwischen Algerien und Österreich: Ein Remis, das beide weiterbringt und Iran eliminiert
Ein wilder Schlagabtausch in der Nachspielzeit weckt Erinnerungen an die „Schande von Gijón“ und lässt den Verdacht einer stillen Übereinkunft aufkommen.
In der sechsten Minute der Nachspielzeit köpfte Saša Kalajdžić den Ball zum 3:3 ins Netz und löste damit einen kollektiven Jubelschrei aus – nicht nur bei den österreichischen Fans, sondern auch auf den Rängen der algerischen Anhänger. Der Treffer in Kansas City besiegelte ein Remis, das beide Mannschaften ins Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft 2026 beförderte: Österreich als Gruppenzweiter, Algerien als einer der besten Gruppendritten. Iran, das zeitgleich 1:1 gegen Ägypten gespielt hatte, schied aus. Was nach einem gewöhnlichen Unentschieden klingt, war in Wahrheit ein Drama, das tiefe Risse im Regelwerk des Turniers offenlegte.
Dabei hatte die Partie lange genau jenes Bild geboten, das Skeptiker befürchtet hatten. Nach dem 2:2 durch Riyad Mahrez in der 60. Minute verfiel das Spiel in einen eigentümlichen Rhythmus. Algerien schob sich den Ball minutenlang in der eigenen Hälfte zu, während Österreich auf jedes Pressing verzichtete. Über 700 Pässe spielten die Nordafrikaner, die Europäer kamen auf kaum mehr als 300. Die Zuschauer quittierten das Geschehen mit Pfiffen, und selbst die Fernsehkommentatoren taten sich schwer, die ereignisarmen Phasen zu beschreiben. Beide Teams wussten: Ein Unentschieden genügte zum Weiterkommen, eine Niederlage hätte das sofortige Aus bedeutet.
Dann kippte die Szenerie binnen weniger Augenblicke. In der 93. Minute nutzte Mahrez einen Steilpass, umkurvte den Torhüter und schob zum 3:2 ein. Der Treffer, der Algerien zum Sieg und Österreich aus dem Turnier befördert hätte, löste hektische Szenen aus. Aufnahmen zeigen, wie Spieler und Betreuer der Österreicher gestikulierend auf die algerische Bank zuliefen – als wollten sie eine Abmachung einfordern. Aus iranischer Sicht mehrten sich sofort die Rufe nach einer Untersuchung durch die FIFA. In den sozialen Medien kursierten Videos, die belegen sollten, dass beide Teams den Ausgang stillschweigend vereinbart hätten. Die Parallelen zur „Schande von Gijón“ 1982, als sich Österreich und die Bundesrepublik Deutschland mit einem Nichtangriffspakt auf Kosten Algeriens weiterhalfen, waren offensichtlich – nur dass diesmal Algerien selbst im Zentrum der Kontroverse stand.
Beide Trainer wiesen die Vorwürfe entschieden zurück. Österreichs Teamchef Ralf Rangnick nannte die Schlussphase einen „Wahnsinn“ und betonte, dass gerade das chaotische Ende jeden Verdacht entkräfte: „Wenn mir jemand vor drei Minuten gesagt hätte, dass das passiert, hätte ich ihn für verrückt erklärt.“ Sein algerischer Kollege Vladimir Petković versicherte, seine Mannschaft habe stets auf Sieg gespielt, und verwies auf das Endergebnis: „3:3 sagt alles.“ Die Erleichterung im algerischen Lager rührte nicht zuletzt daher, dass man als Gruppendritter nun der Schweiz begegnet und dem gefürchteten Duell mit Spanien aus dem Weg geht. Österreich hingegen trifft am Donnerstag in Los Angeles auf die Iberer – ein Los, das Rangnicks Mannschaft nach 44 Jahren wieder in ein WM-K.o.-Spiel führt.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Lateinamerikanische Medien äußern starken Verdacht auf eine Absprache zwischen Algerien und Österreich, um den Iran auszuschalten, und beschwören das Gespenst der 'Schande von Gijón' von 1982 herauf. Videos von algerischen Fans, die den österreichischen Ausgleich bejubeln, schüren die Kontroverse, und es wird angedeutet, die FIFA müsse eine Regelungslücke schließen. Der Ton ist alarmierend und offen anklagend und wirft einen Schatten auf die Integrität des Turniers.
Südostasiatische Medien berichten über die Kontroverse mit einer Mischung aus Skepsis und Distanz und fragen, ob das Ausscheiden des Iran das Ergebnis einer Verschwörung war. Die 'Schande von Gijón' wird als historischer Präzedenzfall angeführt, doch auch die offiziellen Dementis beider Teams kommen zu Wort. Der Ansatz ist eher beschreibend als anklagend und überlässt das Urteil dem Leser.
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